Bündnis aus Umweltverbänden, Hafenwirtschaft und Naturschutz warnt vor Elbe-Wasserüberleitung
18.05.2026 11:00 Umwelt
Ein breites Bündnis aus Naturschutzorganisationen, Hafenwirtschaft und Anrainern des Elbeeinzugsgebietes spricht sich gegen die geplante Überleitung von Elbwasser in die Spree aus. In einem gemeinsamen Positionspapier legen die Unterzeichner dar, warum die Maßnahme die Probleme lediglich verlagern würde, und schlagen ganzheitliche Alternativen vor.
Das Problem liegt an anderer Stelle
Der mit dem Kohleausstieg bis 2038 wegfallende Zufluss aus dem Pumpwasser der Lausitzer Tagebaue stellt die Wasserversorgung der Spree vor erhebliche Herausforderungen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat deshalb eine Überleitung von jährlich 60 bis 65 Millionen Kubikmeter Elbwasser in die Spree vorgeschlagen. Das Bündnis hält diesen Ansatz jedoch für grundlegend falsch: „Die Spree hat kein Mengenproblem, sondern ein zeitliches und räumliches Verteilungsproblem", heißt es in dem Papier. Die Niederschlagsmengen im Einzugsgebiet seien grundsätzlich ausreichend – es fehle an Speicherfähigkeit und Wasserrückhalt in der Fläche.
Elbe selbst leidet unter Wasserknappheit
Die Elbe ist in den vergangenen Jahren selbst zunehmend von Niedrigwasser betroffen. Bereits heute ist kommerzielle Binnenschifffahrt häufig nicht möglich. Eine Entnahme von Wasser würde die Lage für Unterlieger weiter verschärfen: Die Schifffahrtsbedingungen im Hamburger Hafen würden sich verschlechtern, der Sedimenteintrag steigen, wertvolle Auenlandschaften wie das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe würden noch seltener überflutet. Die Industrie und Landwirtschaft auf der Elbe müsste sich auf Restriktionen bei der Wassernutzung einstellen. Allein die zusätzlichen Baggerarbeiten im Hamburger Hafen könnten Kosten im hohen Millionenbereich verursachen. „Wir würden Wasser aus einer Mangelregion entnehmen, um in einer anderen den Mangel zu lindern", kritisiert das Bündnis.
Bessere Lösungen im Einzugsgebiet
Die Unterzeichner fordern stattdessen, vorrangig Lösungen im Einzugsgebiet der Spree selbst zu verfolgen. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts: Böden sollen durch schonendere Bewirtschaftung mehr Wasser aufnehmen, die künstliche Entwässerung von Flächen zurückgebaut und natürliche wasserrückhaltende Landschaftselemente gefördert werden. Auf der Bedarfsseite plädiert das Bündnis für ein Umdenken bei der Ansiedlung wasserintensiver Industrien in der ohnehin wasserarmen Lausitz, für höhere Wasserentgelte als Effizienzanreiz sowie für die Prüfung alternativer Lösungen zur Trinkwasserversorgung Berlins.
Forderung nach ergebnisoffener Untersuchung
Das Bündnis fordert eine umfassende Variantenuntersuchung, die Maßnahmen im Einzugsgebiet der Spree gleichberechtigt einbezieht, sowie einen Wirtschaftlichkeitsvergleich aller Optionen einschließlich ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Folgewirkungen für die gesamte Elberegion. Eine politische Entscheidung dürfe nicht auf Basis einer einseitig nutzungsorientierten Studie getroffen werden. Zudem betreffe zunehmender Wassermangel ganz Deutschland. Es sei an der Zeit, dass sich Bund und Länder grundsätzlich über diese Themen verständigen, statt unabgestimmte Einzelmaßnahmen auf Kosten der Unterlieger zu forcieren.
Weiterführende Informationen
Das vollständige Positionspapier und die Situationsanalyse finden Sie unter: