IAPH World Ports Conference: Europäische Häfen befürworten Globalisierung und freien Handel

24.06.2021 01:00 Schifffahrt

Aufgrund der Corona-Pandemie findet die diesjährige IAPH World Ports Conference vom 21.-25. Juni 20212 hybrid hauptsächlich aber digital statt. Zu Beginn der internationalen Konferenz fand am 21. Juni das Regionaltreffen Europa statt. Diesmal nahmen nicht nur europäische IAPH-Mitglieder an der Sitzung teil, sondern Teilnehmer aus aller Welt. Themenschwerpunkte waren Resilienz in den Lieferketten und die Positionierung europäischer Häfen innerhalb der Entwicklungen und Kräfteverhältnisse, welche derzeit die globale Wirtschaft bestimmen.

Mehrfach in den letzten Jahren haben Ereignisse die Produktion in vielen Firmen weltweit vorübergehend stillgelegt. Störungen der globalen Produktion kommen zunehmend häufiger vor und werden gravierender. Darauf müssen die Häfen und die Logistikketten Antworten finden. Nicht erst die Corona-Pandemie oder die Blockade des Suezkanals haben gezeigt, dass Störungen jederzeit auftreten können. Auch die Folgen des Klimawandels und geopolitische Konflikte stellen zunehmende Bedrohungen für bestehende Prozesse und Lieferketten dar.

„Unsere Analysen zeigen: Über alle Branchen hinweg ist mittlerweile im Durchschnitt alle 3,7 Jahre mit monatelangen Unterbrechungen der Lieferketten zu rechnen. Unternehmen müssen einpreisen, dass diese Unterbrechungen im Laufe eines Jahrzehnts im Durchschnitt rund 40 Prozent der Gewinne eines Jahres vernichten können. Deshalb müssen Supply-Chain-Verantwortliche in verschiedenen Bereichen umdenken,“ sagte Knut Alicke, Partner bei McKinsey & Company.

Im Rahmen des Meetings wurden mehrere Möglichkeiten vorgestellt, wie die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten erhöht werden kann. In der Hauptrede ging Knut Alicke auch auf die Machbarkeit auf Basis der Industriewirtschaft ein sowie auf die Möglichkeit politischer Eingriffe, um die Inlandsproduktion von Gütern zu fördern, die in Hinblick auf die nationale Sicherheit oder die Wettbewerbsfähigkeit als entscheidend oder strategisch wichtig eingeschätzt werden.

Knut Alicke ergänzte: „Resilienz, die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens auch in Krisensituationen, ist mehr als ein neues Modewort. Dabei müsse es auch für Unternehmen um mehr gehen als die Frage, wo Waren hergestellt werden. Unternehmen müssen ein neues Gleichgewicht zwischen Just-in-Time-Produktion mit möglichst schlanken Lieferketten und mit minimalen Lagerbeständen und langfristiger Widerstandsfähigkeit sichern. Zu den Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen können, um diese Widerstandsfähigkeit zu erreichen, gehören die detaillierte Kartierung der Unterebenen ihrer Lieferketten und deren digitale Verbindung für eine bessere Transparenz, der Aufbau von eigenen und Zulieferkapazitäten zur Flexibilisierung der Produktion an mehreren Standorten, die Aufstockung der Lagerbestände sowie die Stärkung ihrer Bilanzen.“

Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority, der als IAPH Vizepräsident Europa zum zweiten Mal das IAPH Regionaltreffen ausgerichtete, war auch für diese Sektion zuständig, die die Botschaft bringen sollte, dass globale Lieferketten immer noch eine Quelle der Stärke, nicht der Schwäche sind. Die stärker globalisierten Weltmärkte stellen neue Herausforderungen für den effizienten Betrieb der Häfen. Ihre Widerstandsfähigkeit resultiert aber aus den vielfältigen Lieferquellen und den laufenden Anpassungen, um die Störungskosten zu reduzieren und eine schnelle Behebung zu ermöglichen. Jens Meier: „Die bisherigen Störfälle haben uns die Möglichkeit gegeben, sehr gut vorbereitet zu sein. Ich versuche immer, den kompletten Prozess der Lieferketten zu stärken, und dabei geht der Weg zum Erfolg über Partnerschaften beim Datenaustausch und in der Digitalisierung.“ Meier glaubt, dass die Häfen die Chance haben, agiler und innovativer aus der jetzigen Krise hervorzugehen, während sie von all den Vorteilen des weltweiten Handels profitieren.

„Störungen wie COVID-19 und die Blockade des Suezkanals werden vorkommen, aber um die Resilienz zu erhöhen und die globalen Lieferketten zu erhalten, müssen wir als Akteure in der Logistikkette uns als Partner mit einem hohen Maß an gemeinsamer Verantwortung und gegenseitiger Abhängigkeit betrachten, nicht nur als Lieferanten und Kunden“, sagte Barbara Scheel Agersnap, CEO Copenhagen Malmö Port. „Digitalisierung ist zentral, auch für den Kopenhagen Malmö Hafen, der eine Zusammenarbeit mit dem Blockchain-Platform TradeLens initiiert hat, um eine nahtlose Zusammenarbeit aller Beteiligten zu garantieren. Darüber hinaus müssen Häfen als eine kritische Infrastruktur anerkannt und die nötigen Bedingungen sichergestellt werden, damit sie rund um die Uhr an jedem Tag die blauen Verkehrsadern des Meeres mit einem starken Hinterland verbinden können.“

Robin Mortimer, CEO der Port of London Authority: „Während dieser Pandemie ist Flexibilität entscheidend gewesen, nicht nur auf strategischer Ebene, sondern auch im täglichen, praktischen Betrieb. Für Port of London Authority liegt der Schlüssel zur Resilienz in den Menschen und in der Stärke der Beziehung zu den Shareholders, um ein ständig sich veränderndes Umfeld zu begreifen.“

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