Düfte aus Tausendundeiner Nacht
© Nicole de Jong

Düfte aus Tausendundeiner Nacht

Das traditionsreiche Familienunternehmen H.D. Cotterell hat sich unter Einhaltung strenger Qualitätsstandards auf den Umschlag und die Lagerung von Kakao, Gewürzen und Nüssen spezialisiert. Der Hafenlogistiker bewirtschaftet an fünf Standorten eine Lagerfläche von rund 100.000 Quadratmetern.

Wer H.D. Cotterell im Hamburger Hafen besucht, dem schlägt sofort der Geruch von Kakao und Gewürzen entgegen. Das in fünfter Generation inhabergeführte Familienunternehmen ist seit mehr als 130 Jahren im Hamburger Hafen tätig und seit jeher auf den Umschlag und die Lagerung von Kakao, Gewürzen und Nüssen spezialisiert. „Der Kakaoumschlag macht den Großteil unseres Geschäftes aus“, erläutert Rainer Fabian, seit Oktober 2023 Geschäftsführer bei H.D. Cotterell und seit 30 Jahren im Universalhafen Hamburg tätig.

Die meisten Kakaolieferungen kommen als Bulk-Ware, das heißt lose in Containern per Seeschiff an den Containerterminals oder auch am Unikai an, wo das Unternehmen circa 20.000 Quadratmeter Hallenfläche direkt an der Kaikante bewirtschaftet. Auch landen dort mit Bulk-Kakao beladene Schiffe mit bis zu 15.000 Tonnen an. Die früher als Quartiersleute bezeichneten Fachkräfte für Hafenlogistik entladen die Kakaobohnen mit Förderbändern und Radladern und schütten sie in einer großen Halle bis zu zwölf Meter hoch auf.

H.D. Cotterell hat
an fünf Standorten
im Hamburger Hafen
Lagerflächen

Thomas Cotterell
Firmeninhaber von H.D. Cotterell

Insgesamt nutzt H.D. Cotterell im Hamburger Hafen an fünf Standorten rund 100.000 Quadratmeter Lagerfläche. „Wir lagern die Kakaobohnen ein, die später bei großen Verarbeitern in Hamburg oder im gesamten Raum der EU zu Kakaobutter, -masse, -pulver oder auch direkt zu Schokolade verarbeitet werden“, erläutert er. Darüber hinaus bevorratet das Unternehmen auch Kakaoprodukte wie Kakaobutter und -masse und versorgt damit den ehemals eigenen Schmelzbetrieb auf dem Betriebsgelände, den der Firmeninhaber Thomas Cotterell vor Jahren gebaut, aber inzwischen verkauft hat. Im Hamburger Hafen ansässig zu sein, schätzt das Unternehmen, weil die Wege von der Kaikante in die Läger und auch für die Verteilung an die weiterverarbeitende Industrie kurz sind.

Um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, ist H.D. Cotterell nach FSSC 22000, BIO DE-ÖKO-039, BIOSUISSE ORGANIC und AEO zertifiziert und erledigt auch alle Zollformalitäten. Damit die Bohnen ihre Qualität halten, werden sie trocken und gut belüftet gelagert.

Zu den Aufgaben der Hafenlogistiker gehört zudem, die Qualität der Ware zu prüfen und stetig zu beobachten. Dafür schafft das Unternehmen gerade neue Überwachungsgeräte an, die die Luftfeuchtigkeit und auch die Feuchtigkeitswerte der Bohnen ständig kabellos überwachen.

Düfte aus Tausendundeiner Nacht
Kakaobohnen sind die Samen des Kakaobaumes. Ihre Hülle besteht aus einer dünnen, brüchigen Außenschale.
© Nicole de Jong

Die Mitarbeitenden von H.D. Cotterell nehmen von jeder eintreffenden Partie Proben und führen Beancut und Beancount durch, das heißt, sie schneiden die Bohnen auf und analysieren sie im eigenen Labor. Wie sind die Bohnen beschaffen? Sind sie frei von Schimmel, Schädlingen oder anderen Verunreinigungen? Wie viel wiegen die einzelnen Bohnen? Sind Farbe, Geruch und Geschmack in Ordnung? Die Hafenlogistiker haben die Temperatur der Ware immer im Blick, da diese sich durch eine Art Gärungsprozess erwärmt, der die Qualität auf natürliche Weise beeinflusst. H.D. Cotterell lagert auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern 95.000 Tonnen Bohnen: Umgerechnet ist das der Kakaogehalt von etwa drei Milliarden Tafeln Vollmilchschokolade. Das Lager wird durchschnittlich zweimal im Jahr umgeschlagen.

„Viel Bewegung tut den Bohnen bei der Lagerung nicht gut, weil sie leicht brechen“, erläutert der Geschäftsführer. Der Umschlag mit den Radladern und Förderbändern sei relativ robust, daher ist es wichtig, die Ware anschließend so wenig wie möglich zu bewegen. Kakao, der in 60 Kilo schweren Jutesäcken ankommt, wird auf Paletten gestapelt und gewogen. Bei der Auslieferung erfolgt zum größten Teil eine Verladung ohne Säcke, deshalb werden diese vorher aufgeschnitten und die Bohnen lose in den Lkw verladen. Bio-Kakaobohnen jedoch werden bisher ausschließlich in Säcken umgeschlagen, was die geforderte Nachverfolgbarkeit von Biowaren möglich macht. Die Mitarbeitenden dokumentieren alles, speichern die Daten ab und senden sie an die Wareneigner.

Strenge Kontrolle: Stichprobenartig wird jede Ladung geprüft.
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„Kakao ist im Moment sehr teuer“, sagt Fabian. Im vergangenen halben Jahr habe sich der Preis etwa versechsfacht. Eine Tonne kostet derzeit zwischen 7.300 und 8.200 Euro – je nachdem, woher die Bohnen kommen. Der Hauptgrund für die Preiserhöhung sind geringere Erntemengen. „Grundsätzlich ist ein Rückgang der importierten Mengen für uns nicht gut, da wir unsere Mitarbeiter weiter voll beschäftigen und die Maschinen im Einsatz halten wollen. Da wir aber so breit aufgestellt sind, können wir das gut kompensieren“, fügt er hinzu. Warum die Mengen gesunken sind, sei nicht eindeutig zu klären. Als Gründe werden Wetterbedingungen und Änderungen von politischen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt.

"Wir kümmern
uns gut
um die
Ware unserer Kunden"

Rainer Fabian
Geschäftsführer bei H.D. Cotterell

Aktuell treibt H.D. Cotterell auch die neue Entwaldungsverordnung der EU um, die im Januar 2025 in Kraft treten soll und eine noch bessere Rückverfolgbarkeit von Kakao fordert. Sie soll dazu beitragen, die weltweite Entwaldung zu reduzieren und darüber hinaus Menschenrechte und die Rechte indigener Völker zu fördern. Die praktische Umsetzung für die beteiligten Firmen ist bis jetzt aber noch nicht klar. H.D. Cotterell arbeitet daher zusammen mit Verbänden aktiv an Lösungen und bringt seine Erfahrung konstruktiv ein. Neben Kakao gilt die Verordnung auch für Rinder, Kaffee, Ölpalmen, Kautschuk, Soja und Holz, die künftig nur noch dann legal in Europa vermarktet oder aus der EU exportiert werden dürfen, wenn sie entwaldungsfrei erzeugt und die Gesetze des Erzeugerlandes eingehalten wurden.

Und damit nicht genug: Das auf Lebensmittelrohstoffe spezialisierte Unternehmen bewirtschaftet weitere 40.000 Quadratmeter Lagerfläche für Gewürze wie Kardamom, Pfeffer oder Paprika sowie Nüsse und Ingwer. Es lagert aber auch Reis oder fertige abgepackte Gewürzmischungen, mit denen Asiashops in Deutschland beliefert werden. „Wie beim Kakao auch, kümmern wir uns gut um die Ware unserer Kunden, kontrollieren die Qualität und erledigen die Zollabfertigung“, erzählt Fabian.

Die Mitarbeitenden werden umfassend geschult, damit sie wissen, wie Proben genommen werden und dass es im Lager zum Beispiel zu keiner Kontamination mit Waren kommt, die wie beispielsweise Erdnüsse Allergien auslösen können. „Wir machen oft den Spagat zwischen dem rustikalen Hafenschuppen und dem Hygienestandard, der den Anforderungen der lebensmittelverarbeitenden Industrie entspricht“, sagt er. Die Mitarbeitenden sind sich bewusst, dass sie eine große Verantwortung tragen.

Und das Unternehmen schlägt auch allgemeines Stückgut wie Kautschuk oder Holz sowie Konsumartikel um. Insgesamt laufen die Geschäfte gut. Das zeigt sich auch daran, dass H.D. Cotterell plant, in bestehende Immobilien zu investieren und am Stammsitz am Ellerholzdamm eine neue, größere Halle zu bauen. Und auch das Thema Nachhaltigkeit kommt nicht zu kurz. „Wir sind ein CO2-neutrales Unternehmen – weil wir es so wollen, nicht weil wir müssen“, erzählt Fabian.

Düfte aus Tausendundeiner Nacht
Beancut: Gut geschulte Mitarbeiter schneiden die Bohnen auf und prüfen Farbe, Geruch und Geschmack.
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Inhaber Thomas Cotterell sei Elektroautofahrer der ersten Stunde. Die Firmenwagenflotte ist komplett elektrifiziert, auch die meisten Mitarbeitenden fahren mittlerweile elektrisch. Strom produziert das Unternehmen seit einiger Zeit selbst mit der PV-Anlage auf dem Hallendach, die 500 Kilowattpeak leistet. Damit kann sich der Betrieb in den sonnenreichen Jahreszeiten weitgehend autark versorgen. Das Unternehmen hat 19 Ladepunkte installiert, wo die E-Autos aufgeladen werden. H.D. Cotterell beschäftigt derzeit rund 65 Mitarbeitende, die einer anspruchsvollen und abwechslungsreichen Tätigkeit nachgehen. „Und es riecht auch immer gut bei uns“, resümiert Fabian.

Wo kommt Kakao her?

Kakao wächst in Äquatornähe, die größten Mengen kommen aus Westafrika. Die Pflanze benötigt eine hohe Luftfeuchtigkeit und viel Regen bei möglichst konstant hohen Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius, wie sie unter anderem an der Elfenbeinküste und in Ghana herrschen und wo zwei Ernten pro Jahr möglich sind. Kakao wächst aber auch in den tropischen Gebieten Mittel- und Südamerikas sowie Asiens.