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Mehr Kooperationen wagen
Aus Hamburg gehen viele Container in die USA, wie zum Beispiel nach New York.
© Port Authority of New York & New Jersey

Mehr Kooperationen wagen

Neue Energieträger wie Wasserstoff und dessen Derivate könnten Schwung in den Handel zwischen den nordamerikanischen Ländern und dem Hamburger Hafen bringen. Doch noch sind es die klassischen Warengruppen, die den Handel bestimmen.

Für die Energiewende in Deutschland bedarf es neuer Energieträger. Einer der größten Hoffnungsträger ist Wasserstoff. Doch noch steckt die nationale Wasserstoffproduktion in den Kinderschuhen und die Kapazitäten für die grünen Energiequellen wie Wasser-, Wind- und Sonnenkraft müssen zunächst weiter hochgefahren werden. Für eine Deckung des Bedarfs an grünen Molekülen werden die Produktionskapazitäten dennoch nicht reichen. Somit bleibt Deutschland auf den Import von grünen Energieträgern angewiesen. Hierfür macht sich auch der Hamburger Hafen bereit.

Bei der Suche nach möglichen Abnehmern positioniert sich Kanada immer stärker. Das Land gehört nach Angaben der Organisation „Invest in Canada“ zu den zehn größten Wasserstoffproduzenten der Welt und stellt sich damit auch als Exporteur auf. Das sind gute Voraussetzungen für eine Energiepartnerschaft zwischen Kanada und Deutschland, die schon vor einigen Jahren mit einer Absichtserklärung bekräftigt wurde. Diese soll gewährleisten, dass bis 2050 durch einen Übergang zu sicherer, zuverlässiger, erschwinglicher und nachhaltiger Energie eine Netto-Null-Emission erreicht wird.

Hamburg bereitet sich vor

Zu den Unternehmen, die dabei unterstützen wollen, gehört auch Air Products, das nach eigenen Angaben zu Kanadas führenden Wasserstofflieferanten gehört und auch im Hamburger Hafen mit MB Energy – ehemals Mabanaft – bereits enge Kontakte geknüpft hat. Im Jahr 2022 hatten die beiden Unternehmen mit viel politischer Prominenz angekündigt, ein groß angelegtes Importterminal für grüne Energie in Hamburg zu bauen. Vorausgegangen war eine weitere Vereinbarung zwischen Air Products und der Hamburg Port Authority, die zum Ziel hatte, eine umfassende Wasserstoff-Wertschöpfungskette im Hamburger Hafen aufzubauen. Noch befinden sich die Projekte in der Entwicklung. Wenn alles im Zeitplan bleibt, könnte es mit dem Import von grünen Energieträgern in den kommenden Jahren losgehen. Dann werden diese eine neue Größe bei den Umschlagmengen im Hamburger Hafen werden.

In der Zwischenzeit bemühen sich auch die Häfen auf beiden Seiten des Atlantiks noch enger zu kooperieren, um die globalen Lieferketten effizienter und sicherer zu machen. Der Port of Halifax und die Hamburg Port Authority wollen dafür eine offene Plattform aufbauen. Zu diesem Zweck unterzeichneten die jeweiligen Vorsitzenden, Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority, und Captain Allan Gray, President & CEO der Halifax Port Authority, vor zwei Jahren ein Memorandum of Understanding (MoU). Die Grundideen und Visionen der bisher eigenen Plattformen von „The PIER“ und „homePORT“ sind sehr ähnlich. Die digitale Zusammenarbeit im Bereich der Innovation soll nun durch diese Partnerschaft konkretisiert und intensiviert werden. Dazu haben „The PIER“ und „homePORT“ Hamburg eine gemeinsame maritime Innovationsnetzwerkplattform als „Open Innovation Platform“ eingerichtet und wollen Best Practices, Lösungen und Herausforderungen austauschen.

Ein weiterer Partnerhafen beim Aufbau einer Lieferkette von grünen Energieträgern ist der Port of Belledune. Er ist mit seiner Lage für den Transport von Gütern in Richtung Europa und Hamburg prädestiniert, denn der Hafen in New Brunswick bietet eine der kürzesten Verbindungen über den Atlantik zwischen Kanada und Europa. Mit seinen vier Seeterminals, 1.600 Hektar Industriegelände und einer modernen Infrastruktur ist der Hafen auf den Transport von trockenem und flüssigem Massengut sowie von Stückgut oder Projektladung spezialisiert. Gute Voraussetzungen für den Transport von grünen Energieträgern. Zudem wollen Hamburg und Belledune auch beim Transport von trockenem und flüssigem Massengut und Industrieprodukten zusammenarbeiten. So haben die Häfen in einem Memorandum of Understanding beschlossen, eine Beziehung aufzubauen, die die Zusammenarbeit fördert, um die sich abzeichnenden Bedürfnisse des kanadischen und des deutschen Energie- und Produktionssektors zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen die Produktion, Lagerung und der Transport von umweltfreundlicheren Kraftstoffen wie grünem Ammoniak, Wasserstoff, Biomasse und erneuerbarem Erdgas.

Regelmäßige Dienste zwischen den USA und Hamburg werden von der aktuellen Handelspolitik beeinflusst.
© iStockphotos

Top 3 der Warengruppen (gerundet)

Nordamerika – Export 2024

Chemische Erzeugnisse1,3 Mio. t
Maschinen und Ausrüstungen etc.782.000 t
Nahrungs- und Genussmittel651.000 t

Nordamerika – Import 2024

Erze, Steine, Erden etc.3,9 Mio. t
Erzeugnisse Agrar, Jagd, Forst2,0 Mio. t
Kohle, Rohöl und Erdgas1,7 Mio. t

Klassische Güter liegen weiter im Trend

Bisher prägen Lieferungen im Massengutbereich, aber auch im Containerumschlag den Handel zwischen den nordamerikanischen Ländern und dem Hamburger Hafen. Klar führend sind beim Import kanadischer Produkte über den Hamburger Hafen Erze. Allein im vergangenen Jahr gingen fast vier Millionen Tonnen über die Kaikanten. Als weiteres Massengutprodukt steht Kohle auf dieser Relation mit 340.000 Tonnen im vergangenen Jahr hoch im Kurs. Das gilt auch für die USA. Beim Import steht Kohle auf Platz 2 mit 1,3 Millionen Tonnen, nur noch übertroffen von Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs mit 1,8 Millionen Tonnen, wobei der Umschlag leicht rückgängig war.

Bei einem Blick auf den Umschlag im Containerverkehr ist seit Jahren ein Wachstum festzustellen. Im vergangenen Jahr folgte ein neuer Umschlagrekord im Containerverkehr mit den USA. Im Jahresergebnis 2024 lag der Umschlag mit etwa 690.000 TEU um fünf Prozent höher als im Vorjahr. Den Rekord unterstreichen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach waren die USA nach neun Jahren wieder der wichtigste Handelspartner Deutschlands. So lag der Außenhandelsumsatz bei 252,8 Milliarden Euro. Einen großen Anteil daran hatte die deutsche Automobilindustrie mit Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Auf Platz 2 folgten Maschinen und den dritten Rang belegten chemische Erzeugnisse. Diese Warengruppen gehen zu einem großen Teil vom Hamburger Hafen in die Vereinigten Staaten und Kanada. So lag der Export von chemischen Erzeugnissen mit knapp 1,3 Millionen Tonnen auf dem ersten Rang der Exportgüter in Hamburg, gefolgt von Maschinen und Ausrüstungen mit fast 1,1 Millionen Tonnen.

Doch bereits im ersten Quartal dieses Jahres zeigten sich einige Effekte der neuen Regierung Trump. „In der Analyse lässt sich anhand der Umschlagzahlen im Hamburger Hafen mit den USA erkennen, dass es bereits zum Ende des vergangenen Jahres gewisse Auswirkungen gab. So füllten, aufgrund der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, viele Unternehmen ihre Lager. Das hatte von Januar bis März bereits Auswirkungen auf den Containerumschlag, ohne dass es bisher zu den Strafzöllen gekommen ist“, erläutert Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e. V.

Das erratische Handeln Trumps führt zu großer Verunsicherung in den Märkten. Mal stehen die Zeichen auf Beruhigung im Handelsstreit, kurze Zeit später wieder auf Eskalation. Welche Auswirkungen das wiederum auf die Handelbeziehungen haben wird, bleibt ungewiss. Parallel dazu versucht der US-Präsident, die Produktion amerikanischer Industriegüter anzukurbeln und mehr zu exportieren. Das wird ihm jedoch nach Meinung von Professor Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel nicht gelingen, denn die Amerikaner seien und würden auch kein großer Exporteur von Industriegütern mehr werden. Der Zug sei längst zugunsten der Schwellenländer wie China und anderer Industriestaaten abgefahren (vgl. ausführliches Interview, S. 16). Vielmehr seien sie stark bei Dienstleistungen und Rohstoffen. Das zeigen auch die Statistiken. Hier könnten die Vereinigten Staaten von Amerika noch viel stärker werden und auch neue grüne Energieträger könnten ein Exportschlager werden, würden sie hergestellt. Bis dahin wird Deutschland auf alle anderen Partner setzen, die bereit sind, die Produkte zu exportieren.

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