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Der Wandel im Handel
Zwischen den Häfen in Buenos Aires und Hamburg könnten engere Verbindungen entstehen.
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Der Wandel im Handel

Die traditionellen Warengruppen im Handel mit den Staaten des südamerikanischen Kontinents sind im Begriff sich zu ändern. Mit der Energiewende in Deutschland werden weit mehr „nachhaltige“ Rohstoffe importiert werden müssen. Darauf bereitet sich auch der Hamburger Hafen vor.

Der Handel mit dem süd- und nordamerikanischen Kontinent hat für den Hamburger Hafen viel Potenzial. Schon bei einem Blick auf einige Länder Südamerikas fällt auf, dass Staaten wie Uruguay oder Chile Güter anbieten, die in Deutschland in den kommenden Jahren dringend benötigt werden. Die Rede ist von alternativen Energieträgern wie Wasserstoff. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der angestrebten Energiewende in Deutschland, aber auch in Europa.

Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass viele der vergangenen Delegationsreisen von Hamburger Politikerinnen und Politikern nach Südamerika führten. Ein Beispiel dafür ist die Südamerikareise des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg, Peter Tschentscher, im Jahr 2022. Schon damals machte er deutlich, warum viele Länder Südamerikas von großer Bedeutung für die Energiewende in Deutschland werden könnten. „Grüner Wasserstoff ist ein zentraler Energieträger der Energiewende und ein wichtiges Zukunftsfeld für unsere Wirtschaft und Industrie. Hamburg hat das Ziel, ein führender Standort für den Import und den Handel mit Wasserstoff in Europa zu werden.

 

Der Wandel im Handel
© Freie und Hansestadt Hamburg

Dafür brauchen wir gute Partner in der Welt. Chile, Uruguay und Argentinien haben beste Bedingungen für die Produktion von grünem Wasserstoff und verfolgen ambitionierte Strategien für den Wasserstoff-Export. Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit Hamburg, unserem Hafen und den Unternehmen ist groß“, sagte Tschentscher im Rahmen der Reise.

Grüner Wasserstoff aus Südamerika

Um die Ambitionen zu unterstreichen, schloss die Delegation gleich mehrere Memorandums of Understanding (MoU) mit den verschiedenen Ländern. So unterzeichnete Bürgermeister Peter Tschentscher zusammen mit dem chilenischen Energieminister Claudio Huepe und Friedrich Stuhrmann, Chief Commercial Officer der Hamburg Port Authority (HPA), im chilenischen Außenministerium eine Kooperationsvereinbarung, auf deren Grundlage ein strategischer Handelskorridor für grünen Wasserstoff aufgebaut werden soll.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Hamburg und Chile die erforderliche Infrastruktur, Technologien und Logistikketten für eine effiziente grüne Wasserstoffwirtschaft schaffen. Hierfür findet ein entsprechender Austausch zwischen Häfen, aber auch zwischen den politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Institutionen statt.

Auch in der argentinischen Hauptstadt unterzeichnete der Hamburger Bürgermeister mit seinem Amtskollegen Horacio Rodriguez Larreta eine erneuerte Kooperationsvereinbarung, auf deren Grundlage beide Städte ihre Zusammenarbeit in der Stadtentwicklung, beim Klimaschutz und bei der Digitalisierung vertiefen wollen. Hamburg und Buenos Aires hatten erstmals 2018 einen engeren Austausch vereinbart. Hier wurde die künftige handels- und logistikbezogene Kooperation im Bereich Wasserstoff um eine wissenschaftliche Zusammenarbeit ergänzt.

Der Wandel im Handel
© Freie und Hansestadt Hamburg

Als drittes Land im Bunde wird Uruguay künftig eine Rolle beim Import von Wasserstoff spielen. Das Land produziert seinen Strom zu fast 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. In Zukunft will Uruguay grünen Wasserstoff und andere regenerative Energieträger herstellen und exportieren. Daher versprach sich Cap. Nav. (R) Daniel Loureiro, Vizepräsident der Nationalen Hafenverwaltung Uruguays, viel von der Kooperation und setzte unter anderem auf den Export von grünem Wasserstoff. Das Land begann in den 2010er-Jahren mit dem Aufbau von Kapazitäten für alternative Energien und arbeitet hauptsächlich mit einem Mix aus Wasser- und Windenergie. Damit lässt sich in Zukunft viel grüner Wasserstoff produzieren. Uruguay stellte zu Beginn des Jahres eine Wasserstoffstrategie vor. Demnach will das Land bis 2040 rund 1,9 Milliarden Euro in die Entwicklung von grünem Wasserstoff investieren und plant bis dann mit einer Elektrolyseur-Kapazität von zehn Gigawatt. Der Hafen von Montevideo ist mit seiner Lage direkt am Atlantik ideal für den Export geeignet.

Auf einer Delegationsreise des Hamburger Senats entstanden viele Memorandums of Understanding für eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Transports klimaneutraler Treibstoffe.
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Darüber hinaus kooperieren die Häfen auch in den Bereichen des Umweltschutzes, der Gefahrenabwehr und der Sicherheit. „Das Pariser Abkommen liegt uns sehr am Herzen. Wir tauschen uns daher intensiv aus, welche Nachhaltigkeits- und Umweltschutzmaßnahmen in den Häfen schnell umsetzbar sind. Zudem spielt die Sicherheit der Häfen eine zentrale Rolle bei unserer Kooperation. Für den Hamburger Hafen ist es immer wieder eine Freude, mit dem Hafen von Montevideo zusammenzuarbeiten“, sagt Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing.

Hamburg bereitet sich vor

Die Beispiele machen deutlich, welche neuen Güter in den kommenden Jahren im Handel mit einigen südamerikanischen Ländern eine wesentliche Rolle spielen werden. Doch noch laufen überall die Vorbereitungen. Das gilt auch für den Hamburger Hafen. Die Behörde für Wirtschaft und Innovation hat mit dem Hafenentwicklungsplan 2040 explizit einen Energy- Hub im Hafen geplant. „Die Tanklager im Hamburger Hafen spielen eine wichtige Rolle für die Energieversorgung weit über die Metropolregion hinaus. Der Hamburger Hafen ist ein zentraler Umschlagplatz gerade auch für neue Energien. Ein wesentlicher Teil des Importbedarfs von Energieträgern wird über Einfuhren auf dem Seeweg erfolgen. Es ist daher wichtig, sich mit modernen Prozessen zukunftsfest aufzustellen, um diese wichtige nationale Aufgabe des Hafens weiter sicher und effizient auszufüllen“, sagte Dr. Melanie Leonhard, Senatorin der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation, zu Jahresbeginn beim Start des Projektes DigiTank bei Evos. Das Unternehmen bereitet sich ebenfalls, wie MB Energy – zuvor Mabanaft –, auf neue Importmengen grüner Energieträger wie Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol vor.

Top 3 der Warengruppen (gerundet)

Südamerika – Export 2024

Chemische Erzeugnisse1,3 Mio. t
Holzwaren, Papier etc.400.000 t
Maschinen und Ausrüstungen etc.304.000 t

Südamerika – Import 2024

Erzeugnisse Agrar, Jagd, Forst1,1 Mio. t
Erze, Steine, Erden etc.642.000 t
Nahrungs- und Genussmittel538.000 t

Mittelamerika – Export 2024

Holzwaren, Papier etc.222.000 t
Chemische Erzeugnisse188.000 t
Nahrungs- und Genussmittel97.000 t

Mittelamerika – Import 2024

Erzeugnisse Agrar, Jagd, Forst136.000 t
Nahrungs- und Genussmittel45.000 t
Chemische Erzeugnisse43.000 t

Freier Handel ohne Zölle

Gleichzeitig nimmt ein weiteres Abkommen langsam Formen an – das EU-Mercosur-Abkommen. Das geplante Freihandelsabkommen soll den Warenverkehr zwischen der Europäischen Union und den Mercosur Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay um ein Vielfaches erleichtern, indem Zölle abgeschafft und gemeinsame Standards geschaffen werden.

Es betrifft zu einem großen Teil genau die Warengruppen, die bisher schon über den Hamburger Hafen eingeführt und exportiert werden. So lag der Import von Landwirtschaftserzeugnissen, Jagd- und Forstprodukten bei über einer Million Tonnen im vergangenen Jahr. Hinzu kamen über 600.000 Tonnen seltene Erden, Erze und Steine und über eine halbe Million Tonnen an Nahrungs- und Genussmitteln.

Im Vergleich dazu gingen im Jahr 2024 mit über 1,3 Millionen Tonnen in erster Linie chemische Erzeugnisse von Hamburg nach Südamerika, gefolgt von Holzwaren und Papier mit etwa 400.000 Tonnen und Maschinen und Ausrüstungen mit über 3000.000 Tonnen. Sollten darauf erhobene Zölle möglicherweise zukünftig entfallen, könnte sich der Warenverkehr über Hamburg weiter verstärken.

Doch bisher verlief die Umsetzung des Abkommens beschwerlich. Es wurde zwar bereits im Jahr 2019 politisch beschlossen, aber bis zum Ende des vergangenen Jahres geschah nicht viel mehr. Erst im Dezember wurden die Verhandlungen zwischen den Partnern endgültig abgeschlossen. Entsprechend euphorisch klang dann auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen: „Es handelt sich um ein Win- Win-Abkommen, das erhebliche Vorteile für die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für die Unternehmen auf beiden Seiten bringt. Wir legen den Schwerpunkt auf Fairness und den beiderseitigen Nutzen. Die Bedenken unserer Landwirte haben wir angehört und berücksichtigt. Das Abkommen enthält robuste Klauseln zum Schutz ihrer Existenzgrundlagen. Das EU-Mercosur-Abkommen ist das bisher größte Abkommen für den Schutz von Lebensmitteln und Getränken aus der EU. Über 350 Erzeugnisse aus der EU sind nun durch eine geografigeografische Angabe geschützt. Ausführer aus dem Mercosur müssen diese Standards strikt einhalten, um Zugang zum EU-Markt zu erhalten. Das sind reale Bestimmungen dieses Abkommens, durch das EU-Unternehmen Ausfuhrzölle in Höhe von 4 Mrd. EUR pro Jahr einsparen werden.“ In diesem Jahr wird sich zeigen, ob auch die Mitgliedsländer dieses Abkommen unterstützen werden. Es wäre ein klares Zeichen für mehr Kooperationen und einen freien, weltweiten Handel, welcher auch für den Hamburger Hafen neue Wachstumsmöglichkeiten bieten dürfte.

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