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Für mehr Kapazität und weniger Emissionen
32 Stellplätze hat die Lokservicestelle der HPA Hafenbahn.
© IG: daynightphotography

Für mehr Kapazität und weniger Emissionen

Fünf Jahre nach ihrer Inbetriebnahme hat sich die vollautomatisierte Lokservicestelle der Hamburger Hafenbahn im Westen des Hafens mit Abstellmöglichkeiten für 32 Lokomotiven, einer Tankstelle für Dieselkraftstoff und einer Besandungsanlage sowie dem Anschluss an eine Lokwerkstatt bewährt.

Autorin: Claudia Behrend

Wenn die Tage kürzer werden und die Blätter von den Bäumen fallen, müssen sich auch Lokomotiven für den Winter bereit machen. Denn wie Straßenfahrzeuge Winterreifen, benötigen die Triebwagen insbesondere zwischen November und März ausreichend Sand, damit die Räder auf feuchten oder glatten Schienen beim Bremsen beziehungsweise Anfahren genügend Grip haben. Im Bahnhofsteil Alte Süderelbe des Hamburger Hafens steht dafür eine Besandungsanlage mit einem Silo bereit, das ein Fassungsvermögen von 25 Kubikmetern hat. Damit der feuergehärtete Spezialsand stets rieselfähig bleibt, ist das Silo beheizbar. Befüllt wird es mithilfe von Druckluft über Leitungen.

Sand "Tanken" statt manuell befüllen

An insgesamt acht Zapfstellen – jeweils vier Zapfpistolen an einem Gleis für E-Loks und an einem Gleis für Dieselloks – können die Triebfahrzeugführer hier komfortabel und schnell ihre über den Achsen der Lok befindlichen Sandkästen befüllen. Nach der Anmeldung am RFID-Terminal erfolgt die Freischaltung der Anlage entweder mithilfe eines entsprechenden vorab vergebenen Chips oder einer vierstelligen PIN. „Das ist ein Riesenfortschritt im Vergleich zur früheren individuellen Bevorratung und manuellen Befüllung mit Sandsäcken“, erläutert Frauke Paul, die sich die Position der Vertriebsleitung der Hafenbahn gemeinsam mit Anna Stribl teilt.

Die Besandungsanlage ist aber nur ein Teil der Lokservicestelle der Hamburger Hafenbahn. Ihr wohl wichtigstes Element ist die automatische Schiebebühne mit einer Tragfähigkeit von bis zu 135 Tonnen und einer Nutzlänge von bis zu 25 Metern, mit deren Hilfe Streckenloks zu den Einzelabstellplätzen transportiert werden können. Insgesamt 32 solcher Plätze gibt es, was etwa einem Drittel aller Abstellplätze der Hafenbahn entspricht. Die Lokservicestelle kann rund um die Uhr genutzt werden. Über einen Taster fordert der Lokführer die Schiebebühne eigenständig an. Diese verfährt dann vollautomatisch zu der jeweiligen Parktasche, in der das Triebfahrzeug schließlich abgestellt wird.

Außerdem befinden sich hier eine Dieseltankstelle und eine vom Unternehmen Railpool betriebene Lokwerkstatt, in der Streckenloks nahezu aller Baureihen repariert und instandgesetzt werden können.

Zunehmender Bahnverkehr erfordert effiziente Flächennutzung

Hintergrund für diese Infrastrukturmaßnahme war der perspektivisch zunehmende Bahnverkehr und der dafür erforderliche Kapazitätsbedarf auf der Infrastruktur der Hamburger Hafenbahn. „Als stadtnaher Hafen haben wir nur in geringem Umfang die Möglichkeit zur Erschließung neuer Flächen für die Weiterentwicklung. Deshalb müssen wir die vorhandenen Flächen besonders effizient nutzen und die Betriebsabläufe kontinuierlich optimieren“, erläutert Paul.

An einem durchschnittlichen Werktag verkehren etwa 200 Züge von und zum Hamburger Hafen. Damit verbunden sind oft Fahrten alleinfahrender Lokomotiven zu Sozial- und Wartungseinrichtungen außerhalb des Hafens gewesen. Das Optimierungspotenzial lag also quasi auf der Hand: „Leerfahrten aus und in den Hafen verursachen Emissionen und belasten die Knotenpunkte der Hauptverkehrsadern, auf denen sonst produktive Güterzüge fahren können“, erläutert die Vertriebsleiterin. „Vermeidet man diese, lässt sich zusätzliche Kapazität auf dem vorhandenen Netz gewinnen.“ Das wiederum ermöglicht es, in Europas größtem Eisenbahnhafen noch mehr Transporte von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene zu verlagern.

„An einem
duchschnittlichen
Werktag verkehren
etwa 200 Züge
von und zum
Hamburger Hafen."

Frauke Paul
Vertriebsleiterin
HPA - Hafenbahn

Die automatische Schiebebühne transportiert Streckenloks zu den Einzelabstellplätzen.
© HPA / Stefan Stein

Bundesweit erstes öffentliches Unternehmen mit solcher Schiebebühne

„Als Full-Service-Einrichtung wird die Lokservicestelle sehr gut von unseren Kunden angenommen. Gleichzeitig haben wir enorme Produktivitäts- und Effizienzvorteile: Gegenüber einem herkömmlichen Bau von Abstellplätzen in vergleichbarer Größenordnung verbrauchen wir mit dieser Anlage nur die Hälfte der Fläche“, freut sich Paul und ergänzt: „Als öffentliches Unternehmen sind wir bundesweit die Ersten mit einer solchen Schiebebühne.“ Ein weiteres Plus für die Lokführer sind die Einzelstellplätze, da sie hier nicht, wie an vielen anderen Orten, hintereinanderstehen müssen und zugeparkt werden können. Für die ELoks sind alle Gleise mit einer Oberleitung ausgerüstet. Auch Sozialräume stehen hier für die Lokführer zur Verfügung.

Die von einem Pächter betriebene Dieseltankstelle verfügt über einen 100.000-Liter-Tank mit einer Zapfsäule und zwei Pistolen, eine für Loks mit Verschlussverriegelung, die eine Schnellbetankung mit 250 Litern pro Minute ermöglicht, und eine für kleinere Tanks beispielsweise von Nebenfahrzeugen, wie Zwei-Wege-Fahrzeuge.

Die Betankung erfolgt über Transponder. „Die Tankstelle soll ebenfalls dazu beitragen, dass innerhalb des Hafengebietes so viele Fahrten alleinfahrender Lokomotiven wie möglich vermieden werden“, erläutert Paul das Konzept. „Mit der Lokservicestelle können wir einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten“, so ihr Fazit.

Hamburger Hafenbahn

Die Hamburger Hafenbahn bildet seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1866 das Rückgrat des Gütertransports im Hamburger Hafen. Als Teil der Hamburg Port Authority (HPA) verknüpft sie die Umschlagsbetriebe des Hafens mit dem europäischen Schienennetz und gewährleistet so einen effizienten Gütertransport zwischen Schiff und Schiene. Dazu sind mehr als 160 Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) auf den Gleisen der Hamburger Hafenbahn unterwegs. Pro Werktag bewegen sie rund 200 Güterzüge, die den Hamburger Hafen erreichen oder verlassen, mit rund 5.500 Güterwagen. Dafür sind täglich mehr als 1.000 Rangierfahrten erforderlich.

 

Nicht ohne Grund gilt Hamburg mit seinem 300 Kilometer umfassenden Streckennetz als größter Eisenbahnhafen Europas: Über zwölf Prozent des nationalen Schienengüterverkehrs haben Deutschlands größten Universalhafen in Hamburg als Quelle oder Ziel, die Hälfte aller Container werden per Bahn von und zu den Terminals transportiert. Damit bewegt die Hafenbahn im Verkehr mit den Boxen so viele wie die Häfen Rotterdam, Antwerpen, Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammen. Mit „transPORT rail“ hat die HPA ein Verkehrsmanagementsystem für den Bahnverkehr, das als zentrale Schnittstelle für den Güter- und Datentransport dient und über eine Schnittstelle (kurz API für Application Programming Interface) oder einen Web-Client zugänglich ist. Typische Nutzer sind die Ladestellen und die EVU, die die Dateneingabe bei Bedarf an autorisierte Dienstleister delegieren können.

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