>Hafen Hamburg
 
Sprache
Pegel
   +m
Schiffe
   37 erwartete Schiffe

„Wir setzen auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg“
MSC ist bereits seit langer Zeit ein fester Kunde im Hamburger Hafen.
© MSC

„Wir setzen auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg“

Die Mediterranean Shipping Company (MSC) ist seit dem vergangenen Jahr an der Hamburger Hafen und Logistik AG beteiligt. Deutschland-Chef Nils Kahn erläutert im Gespräch mit dem Port of Hamburg Magazine, was die weltgrößte Reederei in Hamburg plant.

Das Kürzel MSC, kurz für Mediterranean Shipping Company, ist seit Jahrzehnten sowohl auf hoher See als auch an Land bekannt. Besonders in Hamburg sind die drei Buchstaben MSC der Mediterranean Shipping Company vielerorts zu sehen, nicht zuletzt durch den Einstieg der Reederei bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Dennoch ist vergleichsweise wenig über die Reederei bekannt. Im Interview spricht Nils Kahn, Geschäftsführer von MSC Germany und ein waschechter Hamburger, über den Erfolg von MSC und berichtet über die Pläne der Reederei für Hamburg.

HHM: Herr Kahn, in aller Kürze, wie würden Sie MSC beschreiben?

Nils Kahn: MSC ist ein familiengeführtes Unternehmen. Das steht für mich im Zentrum unserer Kultur und prägt unsere Entscheidungen und Werte. Seit unserer Gründung haben wir uns von einem Ein-Schiff-Betrieb zu einer globalen Reederei mit rund 900 Schiffen und 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit entwickelt. Der Schlüssel zu unserem Erfolg? Als Familienunternehmen setzen wir auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg statt auf kurzfristige Gewinnziele. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dabei im Mittelpunkt unseres Handelns. So haben wir schon verschiedene Krisen erfolgreich gemeistert und behaupten uns im internationalen Wettbewerb.

Als globale Reederei ist MSC in den größten Häfen der Welt aktiv. Wie wichtig kann Hamburg da für MSC wirklich sein?

Hamburg ist einer unserer Heimathäfen. Nicht nur als Hamburger kann ich sagen, dass der Hafen eine große strategische Bedeutung für Deutschland als Exportnation und größte Volkswirtschaft Europas hat. Der Hafen ist der größte deutsche Seehafen, bietet hochqualifizierte Beschäftige und exzellente Hinterlandanbindungen – das macht ihn besonders. Auch wenn der Hafen an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat, sind wir überzeugt, dass Hamburg das Potenzial hat, wieder zur Weltspitze zu gehören. Deshalb haben wir in die HHLA investiert und errichten unsere neue Deutschlandzentrale hier. Hamburg wird das Zentrum unserer Deutschlandaktivitäten sein.

Sie sprechen es selbst an: Wie plant MSC, den Hamburger Hafen erfolgreicher zu machen?

Um das volle Wachstumspotenzial des Hafens zu entfalten – oder in anderen Worten, „um das Tor zur Welt weiter aufzustoßen“ –, bedarf es langfristiger Investitionen. Diese Überzeugung bildet die Grundlage unserer Partnerschaft mit der Stadt Hamburg. Unser gemeinsames Ziel ist es, die HHLA erfolgreicher zu machen und ihre Position im Konzert der Welthäfen zu stärken. Dafür werden wir gemeinsam mit dem Management der HHLA in die Modernisierung und Digitalisierung der HHLA-Terminals investieren. Neben dem bestehenden Investitionsplan werden wir hierfür gemeinsam mit der Stadt 450 Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung stellen. Zudem haben wir uns als MSC verpflichtet, unseren Frachtumschlag bei der HHLA bis 2031 zu erhöhen, auf ein Minimum von 1 Million TEU. Wir verbinden zurzeit Hamburg durch die Liniendienste SWAN und LION mit dem asiatischen Markt. Außerdem haben wir derzeit noch sieben weitere Services, die andere Fahrgebiete bedienen. Zukünftig über Hamburg geroutete Containerliniendienste werden unsere Wachstumsabsichten hier zusätzlich unterstützen.

MSC - Mediteranean Shipping Company

MSC ist ein weltweit führendes Transport- und Logistikunternehmen in Privatbesitz, das 1970 von Gianluigi Aponte gegründet wurde. Als eine der weltweit führenden Containerreedereien unterhält MSC 675 Büros in 155 Ländern weltweit. Das Unternehmen hat sich von einem Ein-Schiff-Betrieb zu einem weltweit anerkannten Unternehmen mit einer Flotte von 900 Schiffen entwickelt, das Kunden aller Branchen und Größen pünktlich mit Waren und Dienstleistungen beliefert. Aktuell verfügt MSC über das größte Auftragsbuch in der Branche mit etwa 150 Dual-Fuel-Schiffen und leistet so auch einen Beitrag für eine nachhaltigere Seeschifffahrt.

Zu den weiteren Aktivitäten der MSC Group gehören auch Landtransporte, Logistik und ein wachsendes Portfolio von Hafenterminalbetrieben. MSC läuft 520 Häfen mit 300 Liniendiensten an und befördert jährlich rund 27 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Units). Die MSC Group beschäftigt einschließlich des Passagiergeschäfts weltweit 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Hauptsitz der MSC Group ist in Genf.

Seit 1976 ist das Unternehmen bereits in Deutschland aktiv, zunächst als Agentur unter der Firmierung F.H. Bertling Schifffahrtskontor, ab 2006 als MSC Germany. Seit 2019 führt Nils Kahn als Geschäftsführer MSC Germany. Unter seiner Leitung gründete die Reederei 2021 Medlog Germany und startete mit einer eigenen Lkw-Flotte. Im September 2023 kündigte MSC gemeinsam mit der Stadt Hamburg eine strategische Partnerschaft an. Im Oktober 2024 folgte der Abschluss des Erwerbs einer Minderheitsbeteiligung an der HHLA und die Gründung des gemeinsamen Joint Ventures mit der Stadt Hamburg zur Weiterentwicklung der HHLA.

Im Fußball heißt es „Geld schießt keine Tore“. Wovon wird der Erfolg des Hamburger Hafens noch abhängen?

Unsere Investitionen werden dazu beitragen, das richtige Umfeld für Wachstum in Hamburg zu schaffen – insbesondere eine moderne und digitale Infrastruktur, die mit dem Wettbewerb mithalten kann. Das allein verspricht aber keinen Erfolg für die HHLA. Die hochqualifizierten Beschäftigen der HHLA waren für MSC von Beginn an einer der ausschlaggebenden Gründe für den Einstieg. Ohne sie läuft im Hafen nichts. Deshalb ist es uns Eigentümern und dem Management der HHLA wichtig, sie bei allen Schritten mitzunehmen.

Daneben wollen wir den Hafen selbstverständlich für alle Marktteilnehmer attraktiv halten. Nur wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, kann Hamburg wieder im Konzert der Welthäfen mitspielen.

Zu den Leistungen von MSC gehören auch Landtransporte.
© MSC

Welche Rolle spielt intermodaler Transport in Ihren Plänen für den Hamburger Hafen?

Hamburg und die HHLA verfügen über eine exzellente Anbindung an das Hinterland, sodass den Kunden der HHLA auch Leistungen weit über den reinen Terminalbetrieb hinaus angeboten werden können. Das ist ein klarer Standortvorteil. Das Inlandnetzwerk für intermodale Transporte von MSC ist groß und umfangreich. Wir bieten unseren Kunden eine Vielzahl an MSC-Ganzzug und kommerziellen Bahnverbindungen von und nach Hamburg sowie mehrere Binnenschiffverbindungen von verschiedenen Destinationen im deutschen Hinterland an. Der Hafen und die Tochtergesellschaften der HHLA fügen sich gut in unser europäisches Netzwerk ein. Unsere Strategie zielt auf ein Win-Win für den Hafen und den intermodalen Transport: Der Hafen profitiert von den guten Hinterlandanbindungen und gleichzeitig profitieren alle Beteiligten am intermodalen Transport von der erfolgreichen Umsetzung unserer Wachstumsstrategie für den Hafen.

Wieso ist MSC der richtige Partner, um dem Hafen zu neuem Wachstum zu verhelfen?

MSC hat weltweit in mehr als 100 Hafenterminals investiert. Dadurch haben wir als Unternehmen große Expertise darin, Modernisierungsprozesse anzustoßen und ehrgeizige Wachstumsziele zu erreichen. Im Rahmen unserer Beteiligung im Hafen von Valencia in Spanien haben wir beispielsweise den Bau eines weiteren Containerterminals und eines neuen Bahnterminals angestoßen. Im italienischen Gioia Tauro konnten wir den Terminalumschlag von 56.000 TEU in 2006 auf inzwischen 1,6 Millionen TEU erhöhen. Eine derartige Wachstumsgeschichte wollen wir auch im Hamburger Hafen schreiben.

Sie haben die neue Deutschlandzentrale erwähnt. Wie plant MSC seine Präsenz in Hamburg auszuweiten?

Wir wollen allen Hamburgerinnen und Hamburgern ein verlässlicher Partner sein und uns langfristig in der Stadt engagieren. Unsere Deutschlandzentrale wird in der HafenCity entstehen. Der Baubeginn ist für 2026 geplant. Wir haben erst vor Kurzem die Ergebnisse eines Architekturwettbewerbs präsentiert und freuen uns auf das finale Ergebnis. Aktuell haben wir in Hamburg über 400 Beschäftigte. Langfristig wollen wir bis zu 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Um den Dialog mit den Hamburgerinnen und Hamburgern weiter zu verstärken, planen wir verschiedene Formate und Events. Eines davon soll schon in diesem Sommer stattfinden. Ich will noch nicht zu viel verraten, freue mich aber schon auf den Austausch und darauf, gemeinsam die besondere Geschichte und große Zukunft unseres Hafens zu feiern.

„Wir setzen auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg“
© MSC

Nils Kahn arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten in der Containerschifffahrt für renommierte Unternehmen wie Contship Containerlines, Canada Maritime, TMM Lines, CP Ships und Hapag-Lloyd. In den frühen neunziger Jahren begann Nils Kahn im kaufmännischen Management und durchlief verschiedene Positionen im Export- und Vertriebsmanagement in Nordeuropa und im Baltikum. Im Jahr 2010 kam er zu MSC Germany und arbeitete dort als Leitung Vertrieb und Marketing, bevor er 2014 stellvertretender Geschäftsführer wurde. Danach stieg er an die Spitze von MSC Germany auf und wurde im September 2019 Managing Director. Darüber hinaus ist er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates von Hafen Hamburg Marketing (seit 2015), Geschäftsführer der MEDLOG Germany GmbH (seit 2021) und der Cisalpina Tours Germany GmbH (seit 2023). Nils Kahn wurde in Hamburg geboren und lebt in der Hansestadt. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.

Weitere Artikel aus dem Magazin

   Suchen
Seite   News   Media   Adresse   Schiff   Kontakt   Event  
X