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Saubere Luft für saubere Häfen
Bevor Tankschiffe neue Ladung aufnehmen oder in die Werft gehen, müssen sie von Restgasen befreit werden.
© ETS Degassing

Saubere Luft für saubere Häfen

ETS Degassing sorgt mit mobilen Entgasungslösungen für sichere und umweltgerechte Abläufe in der europäischen Schifffahrtslogistik – von Duisburg über Rotterdam bis nach Skandinavien. Geschäftsführer David Wendel über nachhaltige Technologien, rechtssichere Prozesse und Nordeuropa als Wachstumsfeld.

Autorin: Nicole de Jong

POHM: Können Sie kurz erklären, was ETS Degassing macht?

David Wendel: ETS Degassing reinigt schädliche Kohlenwasserstoffe aus der Umgebungsluft. Wir setzen mobile Technologien ein, um flüchtige organische Verbindungen (VOCs) direkt vor Ort abzutrennen und sicher zu verbrennen. Unsere Kernkompetenz liegt in der sicheren und umweltgerechten Entgasung von Schiffen. Solche Entgasungen sind beim Produktwechsel erforderlich – etwa, wenn ein Tankschiff von Diesel auf Ethanol umlädt, vor Werftaufenthalten oder zur Einhaltung internationaler Umweltvorschriften. Damit minimieren wir Emissionen und verhindern Explosionsgefahren.

Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen in der europäischen Hafen- und Schifffahrtslogistik?

Wir nehmen eine Vorreiterrolle bei der sicheren und rechtlich abgesicherten Entgasung von Binnen- wie Hochseeschiffen ein. In Duisburg haben wir die erste offizielle Entgasungsstelle Deutschlands etabliert – ein Konzept, das wir nun auf weitere europäische Häfen übertragen wollen. Für Amsterdam und Rotterdam stehen die Genehmigungen kurz bevor, in Antwerpen rechnen wir bis Ende kommenden Jahres damit. So verbinden wir Rechtssicherheit, technische Expertise und ökologische Verantwortung – und unterstützen die Schifffahrtslogistik bei durchgängig umweltgerechten Abläufen.

Ihr Firmensitz ist in Amelinghausen bei Lüneburg und damit südlich von Hamburg. Haben Sie auch Aktivitäten in Hamburg geplant?

Hamburg ist für uns ein zentraler Standort, und wir sind dort bereits selektiv aktiv – etwa in Zusammenarbeit mit Tanklägern und Terminals im Umgang mit Restladungen. Außerdem prüfen wir, ob sich ein Entgasungsprojekt wie in Duisburg auch in Hamburg realisieren lässt. Dies setzt jedoch geeignete Flächen, Genehmigungen und eine enge Abstimmung mit der Hafenbehörde voraus.

Gleichzeitig beobachten wir in Hamburg – und das ist symptomatisch für ganz Deutschland – einen industriellen Wandel: Raffinerien schließen, Produktionskapazitäten werden zurückgefahren. Deshalb richten wir unseren Blick nicht nur auf die Hansestadt, sondern auch auf Standorte wie Brunsbüttel, die Küstenregion bis nach Rostock und Dänemark. Der gesamte nördliche Raum mit seinen großen Ölhäfen ist für uns strategisch von wesentlicher Bedeutung.

Saubere Luft für saubere Häfen
David Wendel Geschäftsführer von ETS Degassing
© ETS Degassing

Wie hat sich Ihr Geschäft im europäischen Kontext entwickelt – und wo sehen Sie aktuell das größte Wachstumspotenzial?

Wir haben unser europäisches Geschäft in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut und unsere Präsenz mit eigenen Geschäftseinheiten in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich gestärkt. Das aktuell größte Wachstumspotenzial sehen wir im nordischen Raum – also in Skandinavien und darüber hinaus –, wo nachhaltige Lösungen für Häfen und Logistik besonders stark nachgefragt werden. Weitere Chancen erkennen wir in Spanien und im Vereinigten Königreich.

Welche europäischen Umwelt- und Sicherheitsstandards prägen Ihre Arbeit – und gibt es Unterschiede bei der Umsetzung in den EU-Mitgliedstaaten?

Unsere Arbeit orientiert sich an europäischen Umwelt- und Sicherheitsstandards – insbesondere am „Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen“ (ADN), dem Abfallübereinkommen der Binnenschifffahrt (CDNI) sowie der Industrial Emissions Directive (IED) für industrielle Anlagen wie Raffinerien und Chemiewerke. In Deutschland leiten sich daraus das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA-Luft) ab, die technische Standards und Grenzwerte festlegen. Nationale Umsetzungen können jedoch variieren – etwa bei der Bewertung einzelner Schadtstoffe wie Benzol in Frankreich.

Zusätzlich gewinnen ESG-Kriterien – Environmental, Social and Governance – und Nachhaltigkeit insgesamt an Bedeutung. Ein wesentlicher Treiber ist die CO₂-Bepreisung: Da sich nahezu alle Schadgase in CO₂-Äquivalente umrechnen lassen, haben Emissionen direkte finanzielle Auswirkungen auf Unternehmen. Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen sind damit nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern zunehmend ökonomisch notwendig. Parallel rücken Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz noch stärker in den Fokus – als Grundpfeiler einer verantwortungsvollen und zukunftsfähigen Unternehmensführung.

Saubere Luft für saubere Häfen
Mit mobilen Anlagen reinigt ETS Degassing unter anderem schädliche Kohlenwasserstoffe aus der Umgebungsluft.
© ETS Degassing

Was wünschen Sie sich von der EU, um nachhaltige maritime Industrieprozesse – etwa im Hamburger Hafen – weiter zu fördern?

Das Thema ist derzeit sehr sensibel, insbesondere seit die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) ihre Net-Zero-Ziele verschoben hat. Das wirkt sich unmittelbar auf Investitionen, Lagerstrukturen und die Produktion nachhaltiger Kraftstoffe aus. Umweltschutz ist ein Kernbestandteil unseres Geschäfts – zugleich braucht es bei der Umsetzung Augenmaß. Wenn Klimapolitik dazu führt, dass Industrieprozesse in Europa zum Erliegen kommen oder Investitionen ab wandern, ist niemandem geholfen. Wichtig sind daher verlässliche Regelungen für alternative Kraftstoffe wie verflüssigtes Erdgas (LNG), Bio-LNG oder Ammoniak – sowie Unterstützung bei der sicheren Handhabung und Emissionsbehandlung. So können wir die maritime Energiewende praktisch und wirtschaftlich tragfähig gestalten – auch im Hamburger Hafen.

„Europa steht für mich vor allem
für Freiheit – die Freiheit,
sich zu entfalten, unterschiedliche
Perspektiven kennenzulernen und
gleichzeitig gemeinsame Werte zu teilen.“

David Wendel
Geschäftsführer von ETS Degassing

Was bedeutet Europa für Sie persönlich – wirtschaftlich und kulturell?

Europa steht für mich vor allem für Freiheit – die Freiheit, sich zu entfalten, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und gleichzeitig gemeinsame Werte zu teilen. Kulturell sind wir oft gar nicht so verschieden, es sind die feinen Nuancen, die uns prägen und inspirieren. Wirtschaftlich hat Europa für mich ein enormes Potenzial, es stellt aber auch eine Herausforderung dar: Die derzeitige Uneinigkeit innerhalb der Mitgliedsstaaten der EU wirkt ineffizient und kann wirtschaftlich zu massiven Schäden führen. Dennoch glaube ich fest an Europa als Zukunftsprojekt – vorausgesetzt, Politik, Wirtschaft und Interessensverbände setzen auf kooperatives Handeln und Kompromissbereitschaft statt auf nationale Einzelinteressen.

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