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Power für die Schiene
Peter Kiss, seit 1999 im Unternehmen, ist seit 2018 CEO der METRANS-Group.
© METRANS

Power für die Schiene

In ihrer fast 35-jährigen Geschichte hat die Intermodalgesellschaft METRANS viel für die Verlagerung von Verkehren auf die umweltfreundliche Schiene getan. Was die Beziehung zum HHLA-Konzern und die Partnerschaft mit dem Welthafen Hamburg dazu beigetragen hat, verrät Peter Kiss, CEO der METRANS-Group.

Autorin: Nicole de Jong

POHM: Wie haben die langjährigen Beziehungen zur HHLA (30 Jahre) und die Partnerschaft zwischen Hamburg und Prag (35 Jahre) die Entwicklung von METRANS beeinflusst?

Peter Kiss: Unsere Partnerschaft mit der HHLA und die Verbindung zwischen Hamburg und Prag prägen seit mehr als drei Jahrzehnten unser Selbstverständnis. Diese Beziehungen bilden das Fundament, auf dem METRANS aufgebaut wurde. Die enge Einbindung in die HHLA-Gruppe hat uns strategische Stabilität gegeben, um unsere Vision zu verwirklichen. Nur so konnten wir uns von einem lokalen Bahnbetreiber zu einem der führenden intermodalen Logistikdienstleister Europas entwickeln. Der Hamburger Hafen war für die Volkswirtschaften in Mittelund Osteuropa schon immer das wichtigste Tor zum Welthandel. Deshalb brachten auch die ersten METRANS-Züge ihre Container in die Hansestadt. Die Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Prag ist nicht nur symbolisch. Sie steht für die gemeinsame Überzeugung, Europa durch eine effiziente und nachhaltige Schienenlogistik zu verbinden. Dank dieser Partnerschaften konnten wir kontinuierlich in Terminals, Lokomotiven, Waggons und Mitarbeiter investieren, sodass wir unseren Kunden heute höchste Qualität und Flexibilität bieten.

"Bei der Erschließung
neuer Märkte konzentrieren
wir uns auf Regionen,
die ein hohes Potenzial zur
Verlagerung von Güterverkehr
auf die Schiene haben."

Haben sich diese Partnerschaften im Laufe der Jahre verändert? Welche Rolle spielen sie heute für den Erfolg von METRANS?

Was die HHLA betrifft, so hat sich unsere Partnerschaft ganz natürlich von einer engen Zusammenarbeit zu einer vollständigen Integration entwickelt – während der METRANS-Spirit derselbe geblieben ist. Was als strategische Allianz begann, hat sich zu einer echten gemeinsamen Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit Unterstützung der HHLA konnte METRANS ihr Netzwerk ausbauen und ihre Flotte modernisieren. Wir haben große Summen investiert und Innovationen etabliert, ohne dabei unsere unternehmerische Agilität und starke Kundenorientierung zu verlieren. Diese Partnerschaften sind heute ein Eckpfeiler unseres Erfolgs. Sie ermöglichen es uns, die Stärke eines internationalen Logistikkonzerns mit der Reaktionsfähigkeit eines spezialisierten Intermodalunternehmens zu verbinden. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die europäische Industrie effizient mit den globalen Märkten verbunden bleibt.

METRANS betreibt Terminals in Mittel- und Osteuropa. Wie gut deckt dieses Netzwerk das europäische Hinterland ab?

Mit 20 strategisch positionierten Terminals in Mittelund Osteuropa bietet METRANS eine umfassende Abdeckung des Hinterlands. Unser Netzwerk erstreckt sich von den Nordseehäfen bis zur Adria und zum Schwarzen Meer und verbindet wichtige Wirtschaftszentren mit den wichtigsten Seehäfen Europas. Dank dieser Struktur können wir unseren Kunden direkte, hochfrequente Bahnverbindungen und nahtlose intermodale Lösungen anbieten. Unser Hub-and-Spoke- System gewährleistet effiziente Verbindungen zwischen Produktionsstätten im Landesinneren und Häfen. Mit diesem System hat METRANS eines der umfassendsten und zuverlässigsten Netzwerke für Schienenlogistik in Europa aufgebaut.

Sehen Sie noch Lücken oder Potenzial für weiteres Wachstum?

Genug Potenzial ergibt sich schon aus unserem Ziel, mehr Fracht von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Diese Vision hat uns von Anfang an geleitet und ist nach wie vor einer der stärksten Treiber für zukünftiges Wachstum. Der Schienenverkehr ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern bietet auch Lösungen für andere Herausforderungen, zum Beispiel verstopfte Autobahnen oder den Mangel an Lkw-Fahrern. Viele Indikatoren zeigen, dass der Kombinierte Verkehr der Weg in die Zukunft ist. Darüber hinaus stellen Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltige Technologien wichtige Wachstumsfelder dar. Wir investieren in intelligentere Terminalsysteme, fortschrittliche Waggonkonzepte und innovative Dispositionslösungen, um den intermodalen Verkehr noch umweltfreundlicher zu gestalten.

Sind zuletzt auch neue Verbindungen dazugekommen?

Ja, zum Beispiel haben wir in diesem Jahr eine neue Verbindung nach Constanța (Rumänien) aufgebaut. Unsere Route führt von Budapest (Ungarn) über unser rumänisches Partnerterminal in Arad zum Yusen-Terminal in Bukarest. Yusen betreibt auch eine Direktverbindung von Bukarest nach Constanța, daher können wir unseren Kunden nun einen nahtlosen Transport bis in den Schwarzmeerhafen Constanța anbieten. Neue Verbindungen eröffnen unseren Kunden immer auch neue Möglichkeiten. Wir bieten nun eine zuverlässige und nachhaltige Route in die Region um das Schwarze Meer, und das stärkt den wirtschaftlichen Austausch zwischen Mitteleuropa und Südosteuropa weiter.

Power für die Schiene
METRANS betreibt unter anderem in der slowakischen Stadt Dunajská Streda einen großen intermodalen Terminal für den Umschlag von Containern zwischen Bahn und Lkw.
© METRANS

Welche Rolle spielt ihr Standort Inđija, der jüngste Terminal im METRANS-Netzwerk?

Der serbische Terminal Inđija ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt auf der Strecke zwischen Budapest, Belgrad und den Adriahäfen. Er stärkt die Präsenz von METRANS im westlichen Balkan und spielt eine wichtige Rolle bei der Integration dieser dynamischen Region in das europäische Logistiknetzwerk. Als Teil des METRANS-Netzwerks bietet der Terminal Inđija effiziente Bahnverbindungen für Kunden in ganz Südosteuropa und fördert so die regionale Entwicklung. Als Teil der Seidenstraße, die Asien und Europa verbindet, wird unser serbischer Terminal den Warenfluss beschleunigen und die globale Vernetzung intensivieren.

Sie bauen derzeit zwei neue Terminals. Wo und welche strategischen Ziele verfolgt METRANS damit?

Wir bauen zwei neue Terminals in Ungarn an Standorten, die für unsere weitere Geschäftsentwicklung bedeutsam sind. Diese Investitionen sind Teil einer klaren Strategie zur Stärkung unseres Netzwerks, zur Erhöhung der Kapazität und zur Verbesserung der Anbindung zwischen den Häfen und dem europäischen Hinterland. Jedes Terminal wird nach neuesten technischen und ökologischen Standards gebaut, ausgerüstet mit elektrischen Bahnkränen, optimierten Gleislayouts und digitalen Steuerungssystemen. Wir bauen dort schon die Infrastruktur für morgen.

Sind weitere Standorte in Planung und nach welchen Kriterien bewerten Sie neue Märkte?

Bei der Erschließung neuer Märkte konzentrieren wir uns auf Regionen, die ein hohes Potenzial zur Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene haben und in denen METRANS einen klaren Mehrwert bieten kann. Jeder Standort wird anhand mehrerer Faktoren sorgfältig bewertet: strategische Lage innerhalb wichtiger Verkehrskorridore, Kundennachfrage und industrielle Aktivität in der Region, Qualität der Eisenbahninfrastruktur und intermodale Anbindung sowie Umweltauswirkungen und Potenzial für nachhaltigen Verkehr. Unser Ziel ist intelligentes Wachstum, nicht nur Expansion. Wir stellen sicher, dass jedes neue Terminal unser Netzwerk stärkt und den langfristigen Bedürfnissen unserer Kunden entspricht.

Der Schienengüterverkehr gilt als Rückgrat einer nachhaltigen Logistik. Haben Sie konkrete Pläne, um noch umweltfreundlicher zu werden?

Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt der Strategie von METRANS. Als Teil der HHLA haben wir uns verpflichtet, bis 2040 klimaneutral zu arbeiten. Vor allem wollen wir Lösungen anbieten, die den Transport insgesamt umweltfreundlicher machen. Unsere Lösung ist das Produkt „HHLA Pure“, bei dem Züge, die bereits mit zertifiziert CO₂-neutralem Strom betrieben werden, sowie energieeffiziente Elektrokräne an unseren Terminals zum Einsatz kommen. Außerdem haben wir kürzlich sechs E-Lkw in unsere Flotte aufgenommen, um den Transport auf der ersten und letzten Meile so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Zusätzlich zu diesen E-Lkw in der Tschechischen Republik testen wir den ersten wasserstoffbetriebenen Lkw in der Slowakei. Wir investieren kontinuierlich in nachhaltigere Lkw und innovative Lokomotivtechnologien, darunter Hybridund Dual-Mode-Systeme, um die Emissionen auf nicht elektrifizierten Strecken weiter zu reduzieren. METRANS entwickelt ständig neue Leichtbauwagen, die Nutzlasten noch energieeffizienter transportieren. Mit solchen Initiativen wollen wir in Sachen Nachhaltigkeit weiterhin an der Spitze bleiben.

Im nächsten Jahr feiert die METRANS ihr 35-jähriges Jubiläum. Wie möchten Sie diesen Meilenstein begehen und worauf sind Sie besonders stolz?

2026 wird ein bedeutendes Jahr für METRANS. Wir möchten unseren 35. Geburtstag zum Anlass nehmen, um auf den zurückgelegten Weg und unsere Erfolge zurückzublicken: von unseren Anfängen in Prag bis hin zu einem Netzwerk mit 20 Terminals und über 650 Zügen pro Woche. Besonders stolz sind wir auf unsere Mitarbeitenden – die Ingenieure, Disponentinnen, Terminalmitarbeitende und Partner, die METRANS zu dem gemacht haben, was es heute ist. Mit diesem Jubiläum feiern wir nicht nur unsere Geschichte, sondern auch unser kontinuierliches Engagement für Innovation, Nachhaltigkeit und Exzellenz in der intermodalen Logistik. Das Jubiläum gibt uns Rückenwind für die weitere Arbeit an unserer Vision: Wir entwickeln weiterhin das nachhaltigste und effizienteste intermodale Netzwerk Europas. Dafür werden wir unsere Reichweite vergrößern, neue Korridore integrieren und die digitale wie auch die grüne Transformation der Schienenlogistik vorantreiben

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