Logistik im Sturm
Kapitän zur See Kurt Leonards führt das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Er berichtet, wie Red Storm-Übungen zivile und militärische Abläufe vernetzen ...

Autorin: Theresa Linder
POHM: Frau Schmaljohann, Sie leiten seit Kurzem das Hauptzollamt Hamburg. Herzlichen Glückwunsch! Was hat Sie an der neuen Aufgabe besonders gereizt?
Melanie Schmaljohann: Vielen Dank. Mich hat vor allem die enorme Bandbreite der Aufgaben gereizt und die Möglichkeit, eigene Akzente zu setzen. Das Hauptzollamt Hamburg gehört zu den vielseitigsten Behörden des deutschen Zolls. Diese Komplexität macht den Standort so spannend.
Welche ersten Eindrücke haben Sie von der Arbeit im größten deutschen Seehafen gewonnen, und welche Schwerpunkte möchten Sie künftig setzen?
Mein erster Eindruck: Ich habe ein Amt übernommen, das fachlich und organisatorisch hervorragend aufgestellt ist. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten hochprofessionell und mit bemerkenswerter Motivation.
Mein zweiter Eindruck: Im Hafen ist die Vernetzung außergewöhnlich gut – sowohl zwischen den Behörden als auch mit der Wirtschaft. Genau diese enge Verzahnung zählt zu den Grundpfeilern des Erfolgs. Der Zoll hat im Hafen eine Doppelrolle: Wir müssen Sicherheit gewährleisten und zugleich Abgaben für Bund und EU sichern. Mit unseren Kontrollen leisten wir zudem einen wichtigen Beitrag zum Verbraucher-, Arten- und Markenschutz sowie zu weiteren gesellschaftlich relevanten Bereichen. Gleichzeitig verstehen wir uns als Partner der Wirtschaft. Legalem Handel dürfen wir keine unnötigen Hürden in den Weg legen. Das gelingt nur, wenn alle Beteiligten im Hafen weiterhin im engen Austausch bleiben und mit Verständnis für die jeweiligen Prozesse gemeinsame Lösungen entwickeln. Dazu möchte ich aktiv beitragen.
Der Zoll ist stark in europäische Prozesse eingebunden. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit innerhalb der EU-Zollunion, gerade für Hamburg?
Die europäische Zusammenarbeit ist essenziell. Nur wenn sich die großen EU-Häfen austauschen, können wir voneinander lernen und vergleichbare Rahmenbedingungen schaffen. In vielen Bereichen funktioniert dieser Austausch bereits sehr gut. Wichtig ist, dass wir weiterhin frühzeitig in Gesetzgebungsprozesse eingebunden werden – damit Praxiserfahrungen unmittelbar einfließen können.
Welche Entwicklungen auf europäischer Ebene prägen die Arbeit des Hamburger Zolls derzeit besonders?
Wir blicken mit großem Interesse auf die laufenden Verhandlungen zur Reform des Unionszollkodex. Noch sind viele Fragen offen, sodass konkrete Auswirkungen gegenwärtig schwer abzuschätzen sind. Spannend wird vor allem die Rolle der geplanten Zollagentur und wie der künftige Data Hub ausgestaltet wird.
Seit dem Brexit hat sich der Warenverkehr mit Großbritannien verändert. Welche Herausforderungen ergaben sich für den Hamburger Zoll?
Mit dem Brexit wurde das Vereinigte Königreich zum Drittland. Die IT-Systeme der EU waren rechtzeitig umgestellt und auch große Teile der Wirtschaft waren gut vorbereitet. Spürbare Probleme traten nicht auf. Die Umstellung in Hamburg verlief nahezu reibungslos.
Inwiefern kann der Zoll dazu beitragen, Verfahren zu vereinfachen und die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs zu stärken – auch unter Berücksichtigung digitaler Lösungen?
Wir arbeiten kontinuierlich an der Optimierung unserer Prozesse. Unser Anspruch ist es, Waren möglichst zügig zu überlassen. Die Hafenwirtschaft dürfte wahrnehmen, dass uns dies derzeit gut gelingt. In diesem Jahr gab es keine nennenswerten Rückstände. Digitale Systeme werden künftig eine noch größere Rolle spielen – sie beschleunigen nicht nur Abläufe, sondern unterstützen uns auch bei der Risikoanalyse.
Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in der Zollpraxis?
Nachhaltigkeit rückt insbesondere durch den Green Deal und seine Verordnungen deutlich stärker in den Fokus. Für Verwaltung wie Wirtschaft bedeutet dies erhebliche Umstellungen: Schulungen, neue Abläufe, komplexe IT-Systeme. In Hamburg profitieren wir vom engen Austausch mit der Hafenwirtschaft So setzen wir die Vorgaben konsequent um, ohne den Hafenbetrieb in der Einführungsphase unnötig zu belasten.

Wie wünschen Sie sich den europäischen und internationalen Zoll in fünf bis zehn Jahren – und welche Rolle könnte Hamburg spielen?
Ich wünsche mir, dass sich die Zollverwaltungen europaweit konsequent weiter digitalisieren und wir gemeinsam ein gut vernetztes „Level Playing Field“ schaffen, das eine verlässliche Grundlage für einen wettbewerbsfähigen internationalen Handel bietet. Das Hauptzollamt Hamburg ist schon heute eng mit den großen europäischen Seehäfen verbunden – diese Zusammenarbeit wollen wir weiter stärken und ausbauen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass wir hier vor Ort gemeinsam mit den Beteiligten auch weiterhin starke Impulse für moderne Warenabfertigungsprozesse setzen werden, die von Hamburg aus als Best-Practice-Lösungen in anderen Regionen Europas Anwendung finden können.
Zum Schluss: Was fasziniert Sie persönlich an der Arbeit des Zolls?
Vor allem die Vielseitigkeit – kaum eine Behörde deckt ein so breites Spektrum ab. Und ganz persönlich begeistert mich die Zusammenarbeit mit engagierten Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, neue Wege zu denken und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Gute Arbeit lebt vom Dialog.