Logistik im Sturm
Kapitän zur See Kurt Leonards führt das Landeskommando Hamburg der Bundeswehr. Er berichtet, wie Red Storm-Übungen zivile und militärische Abläufe vernetzen ...
Autorin: Nicole de Jong
POHM: Herr Meyn, was hat Sie motiviert, die Aufgabe als Vorstand von HHM zu übernehmen?
Hendrik Meyn: Es ist die spannende Phase des Umbruchs in der Logistik- und der maritimen Wirtschaft. Die Pandemie oder auch der russische Angriffskrieg auf die Ukraine haben als gegeben empfundene Sicherheiten aufgekündigt. Dieser Umstand erfordert die Erstellung neuer Strategien und das Schließen neuer Partnerschaften. Hinzu kommt, dass selbst langjährige, stabile Wirtschaftspartner wie die USA nicht mehr dieselbe Planbarkeit bieten wie früher: Diskussionen über neue Zölle, ein stärker protektionistisch geprägter Kurs und eine zunehmend volatile Handelspolitik stellen die Exportwirtschaft vor zusätzliche Unsicherheiten. Gleichzeitig stehen die Branche und der Hamburger Hafen vor großen Herausforderungen. Die Erwartungen an Klimaschutz, CO₂- Reduktion, alternative Antriebe und energieeffiziente Hafeninfrastrukturen steigen deutlich und verlangen innovative und effiziente Lösungen. Diese spannende und herausfordernde Entwicklung aktiv mitzugestalten und den Hafen als global vernetzten Wirtschaftsstandort zu stärken, war für mich der zentrale Anreiz, die Aufgabe im Vorstand bei HHM zu übernehmen.
Sie selbst beschreiben den Hafen als „Herz der Metropolregion“ und als „Symbol für Hamburgs Verbindung zur Welt“. Welche Impulse wollen Sie setzen, damit der Hafen diese Rolle auch künftig behält?
Ich möchte dazu beitragen, die vielen innovativen und zukunftsweisenden Projekte im Hafen noch sichtbarer zu machen. Denn es gibt zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie viel Zukunftskraft im Hafen steckt: wie zum Beispiel das hochmoderne Container Terminal Altenwerder, das nicht nur einen hohen Automatisierungsgrad aufweist, sondern bereits zertifiziert klimaneutral arbeitet oder die vollständig digitalisierte, interne Hafenkommunikation über DAKOSY, die im Port-Community- System alle Akteure im Hafen sicher und effizient miteinander verknüpft – um nur zwei zu nennen. Diese Projekte zeigen, dass Hamburg weltweit ein führender Innovationsstandort in der Logistik ist. Mein Ziel ist es, diese positiven Entwicklungen noch intensiver hervorzuheben und Mut zu machen, die Zukunft als Chance anzunehmen, damit der Hafen seine Rolle als Herz der Metropolregion und Symbol für Hamburgs Verbindung zur Welt auch künftig behauptet.
Wandel und Transformation ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihre Laufbahn – von der Unternehmensberatung über die Reedereigruppe bis jetzt zum Hafenmarketing. Was haben Sie aus bisherigen Stationen für Ihre neue Rolle mitgenommen?
Ich habe gelernt, dass Veränderung nur gelingt, wenn man zunächst versteht, warum bestehende Strukturen entstanden sind, und die tief verwurzelte Expertise der Menschen ernst nimmt. In all meinen bisherigen Rollen war mir wichtig, zuzuhören, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam mit den Teams Lösungen zu entwickeln, die zu ihrer Realität passen – statt Veränderungen ausschließlich von oben vorzugeben. So lässt sich vorhandenes Wissen in neue Prozesse übertragen, ohne es zu verlieren, und gleichzeitig Akzeptanz für Neues schaffen. Dieses Prinzip des gemeinsamen Entwickelns, des Verstehens und des Übertragens in die Zukunft bringe ich nun auch in meine neue Aufgabe bei HHM ein.
Wie bedeutsam ist für Sie die Offenheit, gewohnte Denkweisen zu hinterfragen und Neues zu wagen – gerade in einer Branche, die stark von Tradition und Beständigkeit geprägt ist?
Das ist für mich entscheidend. Beständigkeit und Modernisierung schließen sich für mich jedoch nicht aus – im Gegenteil: Langjährige Kundenbeziehungen und gelebte Werte schaffen Vertrauen, aber relevant bleibt man nur, wenn man zugleich neugierig bleibt und über den Tellerrand schaut. Erfolgreich wird man dann, wenn man Tradition und Beständigkeit mit der Bereitschaft verbindet, neue Ideen auszuprobieren. Sich von Kunden, Wettbewerbern und dem Markt inspirieren zu lassen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diese Haltung sorgt nicht nur für Zukunftsfähigkeit, sondern nimmt auch Mitarbeitende und Kunden gleichermaßen mit – das ist meine Erfahrung.
HHM war in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit nur einem Vorstandsmitglied besetzt. Nun startet eine neue Phase der Doppelspitze. Welche Akzente wollen Sie gemeinsam mit Axel Mattern setzen?
Für uns steht an erster Stelle, als Führungsduo wirklich eng zusammenzuarbeiten und keine Silo-Mentalität entstehen zu lassen. Axel bringt eine enorme Hafenexpertise ein, von der ich viel lerne und mich darauf freue, noch mehr lernen zu dürfen. Wir stimmen uns bewusst in allen Themen eng ab, um mit einer gemeinsamen Haltung aufzutreten. Unser Ziel ist es, das Profil von HHM weiter zu schärfen, den Verein in der Branche noch sichtbarer zu machen und die Rolle des Hafens als starke Stimme zwischen Wirtschaft, Politik und Verbänden – in Hamburg wie auch international – klar zu positionieren.

Stichwort Internationalität: Welche Bedeutung hat der Hamburger Hafen im europäischen Kontext?
Hamburg ist ein zentrales und verbindendes Element in Europa – insbesondere für Süddeutschland, Österreich und die Schweiz, aber ebenso für das Baltikum und Osteuropa. Diese starke Position als logistisches Drehkreuz und führende DACH-Anbindung stellt ein klares Alleinstellungsmerkmal dar, das wir strategisch ausbauen wollen. Jeder Hafen in Europa hat seine spezifischen Stärken – Hamburgs Stärke ist seine Vernetzung. Und genau diese gilt es zu pflegen, weiterzuentwickeln und aktiv für die Zukunft des Handels zu nutzen.
Was möchten Sie konkret bewirken – für den Hafen, für Hamburg und für die Menschen, die hier arbeiten?
Ich möchte das Bild des Hamburger Hafens stärker in der Gegenwart verankern. Hier entsteht keine romantisierte Schifffahrtskulisse, sondern hochmoderne, essenzielle Wertschöpfung für Deutschland. Ohne den Hafen wären viele Exporterfolge und die Versorgung ganzer Regionen nicht gewährleistet. Mir ist wichtig, diese Bedeutung noch klarer herauszustellen, den Menschen im Hafen die Wertschätzung zukommen zu lassen, die ihre anspruchsvolle und oft gefährliche Arbeit verdient und mit Überzeugung zu vermitteln: Hier entsteht ein Zukunftshafen – ein tragender Motor der Metropolregion und der deutschen Wirtschaftskraft.