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HHM in Europa – ein starkes Netzwerk

Stefan Breitenbach und Marina Basso Michael sind bei Hafen Hamburg Marketing (HHM) täglich in und für Europa unterwegs. Sie berichten über ihre Arbeit und den dadurch generierten Mehrwert für den Hafen und seine Unternehmen.

Stefan Breitenbach leitet die HHM-Projektabteilung, die sich mit Themen wie Dekarbonisierung, Landstrom, über grüne Kraftstoffe bis zur digitalen Transformation beschäftigt und damit Hafen sowie internationale Partner stärkt.

Autorin: Theresa Linder

POHM: Herr Breitenbach, Sie leiten seit neun Jahren die Projektabteilung bei HHM. Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag?

Stefan Breitenbach: Ich steuere die Themen strategisch und behalte die Schnittstellen zu Finanzen und Management im Blick. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der inhaltlichen Betreuung von ein bis zwei Förderprojekten: von Abstimmungen mit internationalen Partnern über das Monitoring des Projektfortschritts und das externe Kommunikationsmanagement bis zur Qualitätssicherung und dem Berichtswesen an die Projektträger. Dazwischen stehen zahlreiche Abstimmungsgespräche, strategische Überlegungen und spontane Problemlösungen. Kein Tag gleicht dem anderen – genau das macht die Arbeit so spannend.

HHM in Europa – ein starkes Netzwerk
Stefan Breitenbach, Leiter der Projektabteilung bei HHM
© HHM/Würke

Wenn wir von Projektarbeit sprechen: Worum geht es dabei konkret, und welche Rolle übernimmt HHM? Welche Vorteile ergeben sich für Mitgliedsunternehmen?

HHM ist vor allem in EU-Förderprogrammen aktiv, beispielsweise im Interreg-Ostseeprogramm, das die Zusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten stärkt und gemeinsame Lösungen für grenzüberschreitende Herausforderungen entwickelt. Die Projekte adressieren Themen wie nachhaltige Verkehrskonzepte, intelligente Logistiklösungen sowie Umwelt- und Klimaschutz. Der Fokus unserer Tätigkeit liegt dabei aktuell auf der Dekarbonisierung von maritimen Verkehren und Häfen. HHM identifiziert geeignete Förderaufrufe, entwickelt Projektideen, bildet Konsortien und übernimmt teilweise die Projektleitung – einschließlich der administrativen Abwicklung sowie des Finanz- und Kommunikationsmanagements.

Mitgliedsunternehmen profitieren durch ihre Einbindung als Projektpartner: Sie können Risiken bei Forschungsund Entwicklungsvorhaben reduzieren, Wissen aufbauen und ihr Netzwerk erweitern. HHM unterstützt sie dabei aktiv in administrativen Fragen und berät während der gesamten Projektlaufzeit.

2025 war ein besonders erfolgreiches Jahr: HHM war in elf Projekten aktiv – in sieben als Partner und in vier als Projektleiter – und integrierte in jedem Projekt Mitgliedsunternehmen. Auch HHM selbst profitiert: Netzwerke wachsen, und der Hamburger Hafen wird auf europäischen Veranstaltungen noch sichtbarer präsentiert. Dieses Engagement stärkt das Profil des Vereins und des Hamburger Hafens innerhalb der Branche nachhaltig.

Welche Themenschwerpunkte kristallisieren sich heraus – und wie haben sich diese über die Jahre verändert?

Früher standen vor allem grenzüberschreitende Transportketten und multimodale Verkehre im Mittelpunkt. Heute dominieren Themen der Energiewende und Dekarbonisierung, etwa die Elektrifizierung von Umschlaggeräten, Landstromlösungen oder grüne Kraftstoffe. Projekte wie „Green Supply Chains“, „Shore Power in European Shipping“ oder „H2Derivatives@ BalticSeaPorts“ verdeutlichen, wie Innovation, Nachhaltigkeit und Kooperation ineinandergreifen. Digitalisierungsaspekte – beispielsweise im Projekt „DigiTank“ mit KI-gestützten Analysen und digitalen Zwillingen – verbessern Prozesse, Arbeitsbedingungen und die Umweltbilanz. Zudem hat sich die Förderlandschaft an die neue geopolitische Lage angepasst: Resiliente Transportketten, robuste Infrastruktur und Cybersecurity rücken verstärkt in den Fokus neuer Förderprogramme.

Der neue EU-Finanzrahmen gilt von 2028 bis 2034. Welche Veränderungen sind für Häfen und die Projektarbeit zu erwarten?

Die Förderlandschaft wird sich spürbar weiterentwickeln. Geplant ist, Struktur- und Kohäsionspolitik sowie Agrar- und Fischereipolitik in einem gemeinsamen strategischen Rahmenfonds zu bündeln – jeweils mit nationalen Umsetzungsplänen. Auch die Interreg- Programme dürften künftig stärker auf regionale Resilienz, Umweltschutz und Vernetzung ausgerichtet sein, was nachhaltige und kooperative Hafenentwicklungen zusätzlich befördert. Das zentrale Infrastrukturprogramm Connecting Europe Facility (CEF) bleibt bestehen, und die Mittel für Verkehrsprojekte sollen nahezu verdoppelt werden – auf rund 81 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Häfen, etwa im Hinblick auf Dual-Use-Fähigkeiten, Dekarbonisierung und digitale Modernisierung – ganz im Sinne des Europäischen Green Deal. Darüber hinaus eröffnen Programme wie „Horizon Europe“ weitere Möglichkeiten, grenzüberschreitende Forschung und Entwicklung voranzutreiben.

Welche Rolle spielt die Europäische Hafenstrategie für deutsche Häfen?

Ziel der EU-Hafenstrategie ist es, Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Resilienz europäischer Häfen zu stärken. Neue Programme und Investitionspfade – unterstützt durch CEF und Green Deal – bieten hierfür wesentliche Impulse. Verschiedene Stellungnahmen aus der Branche sind bereits im Rahmen öffentlicher Konsultationen in den Gesetzgebungsprozess eingeflossen. Ursprünglich war geplant, die Strategie bis Ende 2025 zu verabschieden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dies nun erst 2026 geschehen wird.

Gibt es ein Projekt oder Ereignis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja. Zur Abschlussveranstaltung eines Binnenschifffahrtsprojekts haben die Projektpartner als Dank einen Songtext geschrieben und vorgesungen – ein außergewöhnliches und unvergessliches Erlebnis!

Marina Basso Michael stärkt bei HHM als Regionaldirektorin Europa das Netzwerk für den Hamburger Hafen und baut Brücken für das Wachstum der europäischen Hafenunternehmen.

Autorin: Theresa Linder

POHM: Frau Basso Michael, Sie verantworten bei HHM die Region Europa. Welche Bedeutung hat Europa heute für den Hamburger Hafen – wirtschaftlich, strategisch und im Hinblick auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit? Und wie hat sich diese Rolle in den vergangenen Jahren verändert?

Marina Basso Michael: Hamburg ist der drittgrößte Hafen Europas und somit ein unverzichtbarer Bestandteil der Supply Chain für Industrie und Handel. Dank des stark aufgestellten Hinterland- und Transhipmentnetzwerks lassen sich verlässliche und leistungsfähige Verbindungen in alle wichtigen Wirtschaftsräume herstellen. 2024 wickelte der Hamburger Hafen rund zwei Drittel seines Containerumschlags im Hinterlandverkehr ab, ein Drittel im Transhipment.

Gleichzeitig ist Europa heute ein Wirtschafts- und Lebensraum, in dem Industrie-, Energie-, Digitalisierungs-, Nachhaltigkeits- und Sicherheitspolitik eng miteinander verflochten sind. Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt: Im Fokus stehen nicht mehr allein wirtschaftliche Aspekte, sondern widerstandsfähige Partnerschaften, nachhaltige Transportketten sowie der gemeinsame Anspruch, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Vertrauen, kulturelles Verständnis und nachhaltige Beziehungen sind dabei essenziell. Hamburg kann seine Position als internationale Logistikdrehscheibe nur behaupten, wenn es diese europäischen Verbindungen konsequent pflegt und strategisch weiter ausbaut.

HHM in Europa – ein starkes Netzwerk
Marina Basso Michael Regionaldirektorin Europa bei HHM
© HHM / Würke

Wie wichtig ist das Netzwerk der HHM-Repräsentanzen für den Austausch mit Partnern, Häfen und Entscheidungsträgern – gerade im digitalen Zeitalter?

Unser Repräsentanznetzwerk in Prag, Warschau, Budapest und Wien ist von großer Bedeutung. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort erkennen wirtschaftliche, industrielle und politische Entwicklungen viel früher, als es aus der Distanz möglich wäre – sie sind unsere wichtigsten Sensoren für Chancen und Risiken.

Zudem schaffen wir Plattformen, auf denen sich unsere Mitgliedsunternehmen mit Vertreterinnen und Vertretern von Häfen, Institutionen und Kunden vernetzen können. Digitalisierung erleichtert vieles, doch Vertrauen entsteht vor allem durch persönliche Begegnungen, gemeinsame Projekte und Präsenz. Wir verstehen uns daher nicht nur als Marketingorganisation, sondern als Brückenbauer im europäischen Hafen- und Logistiksystem: Wir öffnen Türen, fördern den Dialog und begleiten Geschäftsideen auf dem Weg zu tragfähigen Kooperationen.

Welche aktuellen Entwicklungen im europäischen Markt wirken sich derzeit besonders auf den Hamburger Hafen aus?

Besonders prägend sind die Energie- und Industrieentwicklung, die europäische Nachhaltigkeitsagenda, neue digitale Technologien, geopolitische Spannungen und Anforderungen militärischer Mobilität. Hamburg bietet hierbei große Chancen – insbesondere aufgrund seines leistungsstarken Hinterlandnetzes. Es ermöglicht klimafreundliche, robuste und effiziente Transportketten, die angesichts globaler Unsicherheiten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Damit diese Vorteile genutzt werden können, braucht es ein abgestimmtes Auftreten nach außen: Hafenwirtschaft, Logistik- und Eisenbahnunternehmen, Industrie und Politik müssen ihre Interessen gemeinsam vertreten. Unsere Aufgabe als HHM ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, relevante Akteure zu vernetzen und Wachstumspotenziale zu erschließen. So unterstützen wir den Ausbau von Marktanteilen.

Wie verändert sich die Zusammenarbeit innerhalb Europas – mit Blick auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und geopolitische Entwicklungen?

Europa rückt wirtschaftlich, logistisch und sicherheitspolitisch enger zusammen – und Häfen werden als kritische Infrastruktur zunehmend zu geostrategisch relevanten Akteuren. Viele Länder in Mittel- und Osteuropa investieren mit bemerkenswerter Dynamik in nachhaltige Logistik, Digitalisierung und Infrastruktur. Wenn Hamburgs maritime Expertise mit der Innovationskraft dieser Märkte zusammengeführt wird, entsteht ein starkes europäisches Netzwerk. Die Zukunft liegt nicht in isolierten Interessen, sondern in integrierten Wertschöpfungsketten – und an diesem Knotenpunkt liegt Hamburg.

Welche europäischen Märkte oder Regionen werden für Hamburg künftig besonders an Bedeutung gewinnen?

Nordeuropa, das Baltikum sowie Mittel- und Osteuropa zählen schon heute zu unseren dynamischsten Wachstumspartnern. Skandinavien entwickelt sich rasant zum Zentrum erneuerbarer Energien und zur grünen Stahlproduktion – ein Treiber für neue Kooperationen. Das Baltikum gewinnt aufgrund sicherheitspolitischer Entwicklungen weiter an strategischem Gewicht. Und Mittel- und Osteuropa, insbesondere Tschechien, die Slowakei und Ungarn, wachsen dank starker Industriecluster und einer leistungsfähigen Schienenlogistik kontinuierlich weiter. Für Hamburg heißt das: Sichtbarkeit allein genügt nicht. Wir müssen aktiv zuhören, Impulse setzen, Netzwerke moderieren und Projekte begleiten. Genau das tun wir mit Delegationsreisen, Fachforen, Veranstaltungen sowie im engen Dialog mit Wirtschaft und Politik.

Sie arbeiten seit vielen Jahren in der europäischen Hafen- und Logistiklandschaft. Was fasziniert Sie an dieser Zusammenarbeit besonders?

Mich begeistert die Verbindung aus wirtschaftlicher Rationalität, unternehmerischem Ehrgeiz und menschlicher Nähe. Europäische Logistik funktioniert nur mit Vertrauen – und das entsteht durch Begegnungen, gemeinsame Ziele und klare Kommunikation. Da ich mit mehreren Sprachen und Kulturen aufgewachsen bin, weiß ich, wie stark Mentalitäten, Werte und Kommunikationserwartungen wirtschaftliche Kooperationen beeinflussen. Europa lebt vom gegenseitigen Lernen – diese Dynamik motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

Gibt es ein europäisches Projekt oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Am eindrücklichsten sind die Momente, in denen aus Ideen echte Kooperationen erwachsen sind. Seit 2008 arbeite ich für Hafen Hamburg Marketing und begleite seit 2011 intensiv die europäischen Märkte – eine Phase, die zeigt, welchen Wert partnerschaftliches Handeln hat.

Besonders prägend war zuletzt die Delegationsreise nach Litauen unter Leitung von Senatorin Dr. Melanie Leonhard. In mein Heimatland zurückzukehren und gleichzeitig die aktuellen Entwicklungen – wie die Stationierung der deutschen Brigade und den damit verbundenen Infrastrukturaufbau – aus beruflicher Perspektive zu erleben, war für mich sehr bewegend. Diese Reise hat erneut verdeutlicht, wie eng Logistik, europäische Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung heute miteinander verwoben sind.

Leiter der Repräsentanz
in Wien und Budapest

Alexander Till


Tel.: +43 1 71254 84
till@hafen-hamburg.de

Österreich / Wien

Der Hafen Hamburg ist seit Beginn der Containerisierung der bedeutendste österreichische Umschlagplatz für Im- und Exporte. Nahezu sämtliche Transporte werden dabei umweltfreundlich per Bahn abgewickelt. Wir freuen uns besonders über die langjährige Mitgliedschaft der führenden österreichischen Containerterminals bei HHM. Mit ihnen realisieren wir regelmäßig erfolgreiche gemeinsame Veranstaltungen.

Repräsentant
in Budapest

András Fazekas


Tel.: +36 30 473 02 11
fazekas@hafen-hamburg.de

Ungarn / Budapest

Seit den Anfängen des containerisierten Verkehrs ist der Hafen Hamburg Ungarns wichtigster Seehafen innerhalb der Nordrange – hervorragend angebunden durch zahlreiche regelmäßige Zugverbindungen, die einen effizienten und zuverlässigen Güterfluss gewährleisten.

Leiter der Repräsentanz Warschau

Maciej Brzozowski


Tel.: +48 22 6546 007
brzozowski@hafen-hamburg.de

Polen / Warschau

Polnische Versender nutzen die Vorteile des EU-Binnenmarktes intensiv. Obwohl nationale Häfen im Vordergrund stehen, bleibt Hamburg dank seiner vielfältigen Seeverbindungen, seiner schnellen Abfertigung und seiner starken Hinterlandanbindung die bevorzugte Alternative. Der Hafen Hamburg bildet damit einen zentralen Baustein im polnischen Containertransportsystem – sowohl im Binnen- als auch im Außenhandel.

Leiter der Repräsentanz Prag

Vladimír Doboš


Tel.: +420 224 891 301
dobos@hafen-hamburg.de

Tschechien / Prag

Die wirtschaftliche Verbindung zwischen Prag und Hamburg besitzt herausragende Bedeutung: Rund eine halbe Million TEU werden jährlich transportiert – über 95 Prozent davon per Bahn –, was Hamburg zum wichtigsten Überseehafen Tschechiens macht. Der hohe Schienenanteil unterstreicht eindrucksvoll die exzellente Hinterlandanbindung des größten europäischen Bahnhafens.

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