29. April 201609:50Hinterland

Warenströme zwischen dem Hamburger Hafen und Ungarn

Die Bedeutung des diesjährigen Länderpartners des Hamburger Hafengeburtstags in wirtschaftlicher Hinsicht

Vom 5. bis zum 8. Mai 2016 findet in diesem Jahr wieder das größte maritime Spektakel Hamburgs statt: der 827. Hafengeburtstag. Wie jedes Jahr steht dabei auch ein Partnerland besonders im Fokus und präsentiert sich mit einem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Kultur und landestypischer Küche auf der Kehrwiederspitze der Speicherstadt. 2016 ist dieser Länderpartner Ungarn. Für den Hamburger Hafen spielt das Land Ungarn als Handelspartner ganzjährlich eine wichtige Rolle. Der Partnerlandstatus Ungarns ist ein guter Anlass, etwas genauer auf die Entwicklungen im Güterverkehr und dem seeseitigen Außenhandel zu schauen.
 
Ungarn als logistischer Dreh- und Angelpunkt
Der Hamburger Hafen ist das Umschlag-, Lager- und Distributionszentrum für den seeseitigen Außenhandels Ungarns und das Land selbst fungiert als wesentliche Drehscheibe für Transporte zwischen Hamburg und Osteuropa. Die günstige geografische Lage zwischen den Ländern Mittel-, Süd- und Osteuropas und die durch Ungarn verlaufenden TEN-Korridore tragen dazu maßgeblich bei. Ungarn gewinnt auch als Fertigungsstandort multinationaler Unternehmen der Auto- und Elektronikindustrie zunehmend an Bedeutung, wodurch ein signifikantes Exportvolumen zustande kommt.

In 2015 wurden etwa 77.000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer) für Ungarn über den Hamburger Hafen umgeschlagen, wovon 58 Prozent der Container für den Export bestimmt waren. Seit 2012 steigt der Containerumschlag mit Ungarn stetig, zuletzt mit einer Steigerung von rund 10,4 Prozent im Vergleich zu 2014. Maschinen und elektronische Geräte, chemische Erzeugnisse, Apparate für Mess- und Regeltechnik, Waren aus Kunststoff und Gummi, Destillationserzeugnisse und Nahrungsmittel gehören dabei zu den hauptsächlichen Güterarten.
 
Ein starkes Schienennetz verbindet Hamburg und Budapest
Der bedeutendste Verkehrsträger für ungarische Im- und Exporte ist die Bahn. Über 85 Prozent der in Hamburg umgeschlagenen Güter werden auf der Schiene transportiert. Bei der containerisierten Ladung liegt der Anteil der Schiene im Modal Split sogar bei über 95 Prozent. Zwischen dem Hamburger Hafen und dem BILK Terminal in Budapest verkehren wöchentlich sechs direkte Containerzüge. Von sehr großer Bedeutung ist aber auch die angebotene Blockzugverbindung zwischen Hamburg und den slowakischen Städten Dunajska Streda und Kosice. Von dort besteht dann die Möglichkeit, die Waren per Bahn oder per LKW zu Standorten in ganz Ungarn zu transportieren. Umgekehrt gelten diese Routing-Optionen auch für den entgegengesetzten Güterverkehr aus Ungarn kommend. Auch über die österreichische Hauptstadt Wien wird Westungarn von Hamburg aus bedient. Der Hauptanbieter auf der Schiene ist die HHLA-Tochter Metrans mit einem Anteil von circa 70 Prozent, gefolgt von den Bahnoperateuren BoxXpress und IMS.

Die sehr guten Verkehrsanbindungen per Bahn und auch per LKW zwischen Hamburg und Ungarn begünstigen die positiven Verkehrsentwicklungen. Das Straßen- und Schienennetz Ungarns wird deshalb kontinuierlich den notwendigen Anforderungen angepasst und modernisiert. Bis zum laufenden Jahr hat die Europäische Investitionsbank (EIB) ein Darlehen in Höhe von 250 Mio. EUR für die Sanierung und Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur in Ungarn zur Verfügung gestellt. Ziele der Maßnahmen sind die Verbesserung der Sicherheit, die Erhöhung der Kapazität und Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur, die Instandsetzung von Gleisen, Signal- und Telekommunikationsanlagen und Brücken sowie die Modernisierung der Bahnhöfe. Der schnelle, reibungslose und möglichst umweltfreundliche Transport aller Waren soll damit auch in Zukunft gesichert werden.
 
In Ungarn traditionell präsent
Seit 1992 ist Hafen Hamburg Marketing mit eigener Repräsentanz am Standort Budapest aktiv. Die HHM-Repräsentanz vertritt die Interessen der Seehafenverkehrswirtschaft Hamburgs und der Metropolregion in Ungarn. Krisztina Kovács und Zsuzsanna Lörincz pflegen gute Kontakte zu Unternehmen aus Industrie und Handel, der Transport- und Logistikbranche sowie zu Wirtschaftsorganisationen und politischen Entscheidungsträgern, um über aktuelle Entwicklungen im Universalhafen Hamburg zu informieren und für seine Leistungsvielfalt zu werben. Sie ermitteln darüber hinaus regelmäßig aktuelle Markt- und Branchendaten Ungarns für die Mitglieder des Vereins. Hafen Hamburg Marketing organisiert in Ungarn außerdem mehrere Veranstaltungen jährlich, darunter auch den Hamburger Hafenabend in Budapest, eine der bestbesuchten Veranstaltungen in der Logistikbranche Ungarns.

Wieso gerade der ungarische Markt stets beobachten werden sollte, zeigt ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den vergangenen Jahren: Die ungarische Wirtschaft befand sich vor der Finanz- und Wirtschaftskrise zunächst auf einem deutlich abgeschwächten Wachstumspfad, bis Dezember 2012 schrumpfte die ungarische Wirtschaft um 1,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Nachdem das BIP 2013 erstmalig wieder um circa 1,2 Prozent gestiegen war und 2014 sogar ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent erreichte, konnte im Jahr 2015 als einziger Staat in der Region ein Plus von 2,9 Prozent verzeichnet und der Aufwärtstrend somit aufrechterhalten werden.

Ungarn bleibt somit ein wirtschaftlich ausgesprochen interessantes Land mit viel Potential in Logistik und Industrie. Der Hamburger Hafen wird sich auch weiterhin bemühen, mit Kunden und Verladern vor Ort im regen Austausch zu bleiben und die guten Handelsbeziehungen stetig anzukurbeln.
 
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