• 10. April 2017
  • 15:03
  • Wirtschaft

Veranstaltung „Hamburg – Gateway zur neuen Seidenstraße“ bringt Erkenntnisse

Hamburg ist Deutschlands bedeutendster China-Hafen und mit 177 im Markt angebotenen wöchentlichen Zugverbindungen auch auf der Schiene führend.

Rund 70 Teilnehmer folgten der Einladung von Hafen Hamburg Marketing (HHM) und nahmen am 7. April an der Veranstaltung „Hamburg – Gateway zur neuen Seidenstraße“ teil. Mitveranstalter des im Hafen Klub stattfindenden Events waren die Hamburg Port Authority (HPA) und das Netzwerk Business-International.org. „Was hat Hafen Hamburg Marketing denn überhaupt mit dem Gütertransport per Bahn auf der neuen Seidenstraße zu tun?“, griff HHM-Vorstand Axel  Mattern eine vermeintlich oftmals gestellte Frage in seiner Begrüßung auf. Bevor auch Dr. Karin von Bismarck, Gründerin des Netzwerks Business-International.org, die Anwesenden begrüßte, führte Mattern aus: „Der Hafen ist Europas größte Logistikdrehscheibe und im Handel mit China der führende Hafenplatz. Zur Logistik des Standorts trägt im Zu- und Ablaufverkehr des Hafens der Bahnverkehr entscheidend bei. Mit 2.000 angebotenen Containerzugverbindungen pro Woche, davon 177 Verbindungen mit China, ist Hamburg mit großem Abstand der stärkste Player im Markt.“

Der erste Sekretär der Wirtschaftsabteilung der chinesischen Botschaft in Berlin, Zhanguo Gao, beschrieb Hamburg als einen „Ort für Innovation und Logistik“, weshalb er sich sehr über die Einladung zu der Veranstaltung freue. Er steht dem Konzept Seidenstraße, und den daraus geschlossenen Partnerschaften mit betroffenen Ländern, positiv gegenüber sieht aber stetigen Ausbaubedarf. „Natürlich bringt das Projekt Seidenstraße auch Probleme mit sich, die angegangen werden müssen. Die Beteiligten können diese gemeinsam lösen und sich mit Wissen einbringen“, erklärt Gao. Dass es im Endeffekt auf Geduld und Zusammenarbeit ankommt fasst er am Ende seiner Rede zusammen: „Kommt Zeit, kommt Rat.“

Als Senior Vice President der DB Cargo AG zeigt Uwe Leuschner die Bedeutung der Seidenstraße auf: „In Deutschland und der ganzen EU sollten die Menschen erkennen, dass die Seidenstraße wichtig ist. Erst von diesem Projekt lernen wir, was Eisenbahn eigentlich bedeutet.“ Leuschner erklärt, dass dahinter die Zusammenführung der Netze Chinas und Europas stehe. „Es geht um die Vernetzung der Welt.“ Für dieses Thema ist die Politik seiner Ansicht nach noch nicht genügend geöffnet und Regularien aus Brüssel, wie beispielsweise die Vorgaben zur maximalen Zuglänge, verlangsamen diesen Prozess.

Die Herausforderung der Carrier liege laut Carsten Pottharst, Managing Director InterRail Europe GmbH, in der Organisation der Warenströme. Dabei betont er die gute Zusammenarbeit mit der DB Cargo AG und greift auf ein aktuelles Beispiel zurück: „Unser neuestes Produkt bringt Container von China nach London. Der erste Zug ist Silvester 2016 in Yiwu gestartet und war nach 17 Tagen auf der Insel.“ Auf Grund geringerer Volumina stehe die Schiene laut Pottharst nicht in Konkurrenz zu der See, obwohl dem Bahnverkehr ein großes Wachstum bevorsteht. „In den nächsten 5 Jahren sehe ich den Transport aller Güterarten via Seidenstraße“, so Pottharst.

Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung HPA, begrüßte die Ausrichtung einer Veranstaltung zur neuen Seidenstraße in Hamburg und sieht Hamburg als einen Seidenstraßen-Hub. „Für die Effizienzsteigerung der Bahninfrastruktur muss die Politik den Weg ebnen“, so Meier, „eine Einheitlichkeit in allen Ländern muss geschaffen werden, um das Konzept Seidenstraße erfolgreich zu machen.“ Für Meier ist auch die Vermarktung des Produkts an sich wichtig. Hierfür sei der G20-Gipfel im Juli in Hamburg eine gute Möglichkeit. Aus diesem Anlass wird der chinesische Staatspräsident Xi Jinping in Hamburg erwartet.

Von chinesischer Seite wird der Gütertransport auf der neuen Seidenstraße derzeit subventioniert. „Diese staatlichen Zuschüsse werden auch kritisch gesehen. Oftmals wird vermutet, dass bei Einstellung der Subventionen die Verkehrsangebote eingeschränkt werden“, weiß Nicolai Noeckler, Verantwortlicher der Geschäftseinheit Asien und Pazifik bei Trans Eurasia Logistics. Im Falle der Seidenstraße ermöglichten die Subventionen den Kickoff überhaupt erst, der chinesische Staat gab somit das Startsignal und schickte Güterzüge auf die lange Strecke. Eine Reduzierung der staatlichen Zuschüsse ist mit der Auslastung der Züge verbunden. Noeckler erklärt: „Der Westbound-Verkehr ist derzeit größer als der Eastbound-Verkehr, die Züge fahren zum Teil leer zurück. Wenn wir eine bessere Auslastung in beiden Richtungen erreichen, würden weniger Subventionen benötigt.“

Die Herausforderung für die beteiligten Personen aus allen Ländern sieht Dr. Karin von Bismarck in der Digitalisierung. „Begriffe wie Industrie 4.0 bündeln, was viele Menschen und kleine Unternehmen verunsichert. Das Neue und noch nicht ganz Greifbare ist einfach noch ein unkalkulierbarer Faktor, der die Beteiligten vor Herausforderungen stellt. Unsere Aufgabe ist es aufzuklären, welche Wege es gibt und wohin die Digitalisierung führt.“ Die neue Seidenstraße eröffnet der Logistik und den europäisch-asiatischen Transporten neue Perspektiven. Dr. Karin von Bismarck ist sich sicher, dass alle Bereiche profitieren werden. „Und da die Seidenstraße mit ihren Korridoren auf jeden Fall weiter ausgebaut wird, ob mit oder ohne Zustimmung der Unternehmen, sollten einfach alle das Beste daraus machen, ihre Chancen wahrnehmen und davon profitieren“, rät die Vorsitzende des Wirtschaftsclub Russland e.V.

Der Podiumsdiskussion, die von charakter PR –Inhaberin Melanie Graf moderiert wurde, schlossen sich Fragen aus dem Publikum an. Während des abschließenden Get Together konnten in persönlichen Gesprächen mit den anwesenden Experten Themen aus der Praxis besprochen werden. „Ich freue mich über die gute Beteiligung an unserer Veranstaltung“, zeigt sich Axel Mattern zufrieden, „viele interessante Einschätzungen von Branchenexperten haben uns eine gute Übersicht über den Status quo und das Potenzial der neuen Seidenstraße vermittelt. Der Hamburger Hafen ist heute bereits auf der See- und Landseite bestens für Gütertransporte von und nach China aufgestellt“.

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