21. Oktober 201417:13Wirtschaft

Unternehmen im ChemCoast Park drängen auf Ausbau und Ertüchtigung der Infrastrukturanbindung. Bedeutung des Industrie- und Hafenstandortes Brunsbüttel muss durch ein Bündnis stärker wahrgenommen werden.

Die Unternehmen des ChemCoast Park Brunsbüttel luden am 21. Oktober bereits zum 25. Mal zum Brunsbütteler Industriegespräch (BIG) ein. Mit mehr als 120 Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft fand die Jubiläumsveranstaltung auf der „MS Nordstern“ auf dem Nord-Ostsee-Kanal statt.

Die Ehrengäste des Abends waren der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Enak Ferlemann, sowie der schleswig-holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister, Reinhard Meyer. Die Gäste waren nicht zufällig gewählt, denn insbesondere der dringend notwendige Ausbau und die Sanierung der Infrastruktur in Brunsbüttel und gesamt Norddeutschland wurden an diesem Tag mit der Bundes- und Landesregierung diskutiert, um konkrete Aussagen zu erhalten.

Der ChemCoast Park Brunsbüttel ist mit einer Fläche von rund 2.000ha das größte zusammenhängende Industriegebiet in Schleswig-Holstein. 4.000 direkte und ca. 12.500 indirekte Arbeitsplätze sind von dem Industrie- und Hafenstandort abhängig. Mit mehr als 11 Millionen Tonnen Umschlag von Gütern sind die Brunsbütteler Häfen der sechstgrößte Seehafenstandort der Bundesrepublik. Zahlen, welche die hohe Bedeutung des Industriestandortes Brunsbüttel für Schleswig-Holstein widerspiegeln; jedoch findet sich die Bedeutung in der infrastrukturellen Anbindung des Industriegebietes auf die Zukunft gerichtet nicht wieder. „Auf allen Verkehrswegen, Straße, Schiene und auch Wasser, sowie im Energiebereich, sind Ausbau- und Verbesserungsmaßnahmen dringend erforderlich. Eine funktionierende Infrastruktur ist erfolgsentscheidend nicht nur für heute, sondern insbesondere für die Zukunft“, erklärt Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoastParks.

Konkret bedeutet dies, dass zum einen die Schienenanbindung des ChemCoast Park nur eingleisig und nicht elektrifiziert ist. Der zweigleisige Ausbau inklusive Elektrifizierung der Bahnstrecke vom Industriegebiet Brunsbüttel bis Wilster/Itzehoe ist dringend erforderlich, um den zukünftigen Entwicklungen, die eine konstante Steigerung der Gütermengen prognostizieren, und weitere Ansiedlung ermöglichen, gewachsen zu sein. Auch der Güterbahnhof im ChemCoast Park bedarf einer Sanierung, er ist seit Jahren abgängig. Im ChemCoast Park ist zudem eine neue Streckenführung notwendig. Das Gleis der Deutschen Bahn führt zurzeit direkt durch das Werk der Total Bitumen Deutschland GmbH und stellt somit ein Sicherheitsrisiko in den Abläufen des Unternehmens dar. Eine Verlegung der Gleise um das Total-Werk herum ist daher unumgänglich.

Beim Themenfeld „Straßeninfrastruktur“ stehen bei der heutigen Diskussion insbesondere zwei Projekte im Vordergrund: Die Weiterführung der A20 inklusive westlicher Elbquerung bei Glückstadt sowie der dreispurige Ausbau der B5 zwischen Itzehoe und Brunsbüttel. Die A20 ist für Schleswig-Holstein und insbesondere für die Westküste eines der herausragenden Infrastrukturprojekte und muss ohne weitere Verzögerungen weiter geplant und umgesetzt werden. Die B5, die einzige Anbindung Brunsbüttels an die Autobahn, ist bereits heute an ihrer Kapazitätsgrenze. Auch aus Aspekten der Verkehrssicherheit ist die B5 dreispurig auszubauen.

Wasserseitig sind insbesondere der Neubau der 5. NOK-Schleusenkammer, die Sanierung der bestehenden Schleusenkammern in Brunsbüttel und Kiel sowie die Ostbegradigung und Vertiefung des Kanals auf gesamter Länge ohne weitere Verzögerungen umzusetzen.

Bereits seit einigen Jahren ist LNG ein Thema am Standort Brunsbüttel. Die Planungen für eine LNG-Bunkerstation für die Versorgung der Seeschifffahrt mit LNG als Alternativtreibstoff sind bereits weit fortgeschritten. Neben der maritimen Versorgung hat LNG aber insbesondere das Interesse der ansässigen Industrie gewonnen. Prognosen haben ergeben, dass der Gasbedarf der Brunsbütteler Industrie in den nächsten Jahren signifikant steigen wird. Daran wird deutlich, welch hohe Bedeutung die Gasversorgung für die Industrieunternehmen vor Ort hat. Eine unterbrechungsfreie Pipelinegasversorgung kann bereits heute für Zusatzmengen vom Anbieter im Winter nicht garantiert werden. Die Sicherstellung der Gasversorgung ist aus Sicht der Unternehmen des ChemCoast Park Brunsbüttel auch eine Aufgabe des Bundes. Brunsbüttel bietet sich in diesem Zusammenhang als geeigneter Standort für ein LNG-Importterminal an, da die Nutzung auf drei Säulen stünde: Die Versorgung der Seeschifffahrt, die Versorgung der regionalen Industrie sowie die Bereitstellung einer bundesweiten unabhängigen alternativen Gasversorgung (auch vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise).

Frank Schnabel betont in der Debatte mit den politischen Verantwortungsträgern sowie den Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung: „Brunsbüttel ist eine Perle als Industrie- und Hafenstandort. Wir haben hier aber eine Vielzahl von Themen und Aufgaben, die wir gemeinsam mit der Landes- und Bundespolitik angehen möchten. Hierfür sind offene und zum Teil kontroverse Diskussionen notwendig. Die Bedeutung des Industrie- und Hafenstandortes muss auch den Menschen und Entscheidungsträgern über die Stadtgrenzen hinaus bewusst werden. Dafür setzen wir uns ein. Es ist nun Zeit zum Handeln“. Um mehr Gehör für den Standort bei der Politik und der Öffentlichkeit zu erreichen, ist ein Bündnis zwischen Gewerkschaften, Verbänden, Kommunen und den Unternehmen geplant. Alle Parteien verfolgen hierbei ein Ziel: Den Industrie- und Hafenstandort zu stärken und somit Beschäftigung und Arbeitsplätze langfristig zu sichern.

 

 

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