10. November 201610:56Wirtschaft

Unterelbe-Region: Die Zukunft liegt in einer verstärkten länder- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit

„Mehr Chemie. Mehr Logistik. Chancen für die Unterelbe“ – unter diesem Motto fand am 8. November im Hamburger Hafen-Klub der 6. See-Hafen-Kongress statt. Mehr als 70 Fachleute aus Industrie, Hafen und Logistik sprachen über die kommenden Herausforderungen für die Unterelbe-Region als Chemie-, Logistik- und Produktionsstandort und diskutierten über konkrete Lösungsansätze.
 
In einem waren sich alle Teilnehmer einig: Die Unterelbe-Region hat ein gewaltiges wirtschaftliches Entwicklungspotenzial, nicht nur als maritimer und Logistikstandort, sondern insbesondere als Industriestandort. Um dieses Potenzial freizusetzen, bedarf es aber vielfältigster Anstrengungen, allen voran einer besseren politischen Zusammenarbeit der Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber auch den übergreifenden Willen, sich gemeinsam als Unterelbe-Region und nicht als jeweils einzelner Standort zu positionieren.
 
Chemieindustrie sichert rund 30.000 Arbeitsplätze in der Metropolregion Hamburg
Eröffnet wurde die ganztägige Expertenrunde, die gemeinsam vom Beratungshaus UMCO und Hafen Hamburg Marketing (HHM) veranstaltet wurde, durch Dr. Rolf Bösinger, Staatsrat in der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Er ging in seinem Grußwort auf das Schwerpunktthema Chemieindustrie ein und unterstrich den hohen Stellenwert der Branche in Norddeutschland: „Etwa 30.000 Beschäftigte sind in der chemischen Industrie der Metropolregion Hamburg beschäftigt. Über 9 Milliarden Euro – das sind neun Prozent des Umsatzes der chemischen Industrie in Deutschland – werden hier erwirtschaftet.“ HHM-Vorstand Ingo Egloff betonte die enge Verzahnung zwischen Industrie und Hafenwirtschaft: „Die hohe Loco-Quote von 25 bis 30 Prozent der in Hamburg umgeschlagenen Güter, die in der Metropolregion verbleiben, wird vor allem durch die hier ansässige Industrie getragen.“
 
Nicht die Standortvorteile, sondern die Kundenwünsche sind entscheidend
In einem Impulsvortrag berichtete Michael Westhagemann, CEO Region Nord der Siemens AG, welche Standortkriterien ausschlaggebend dafür waren, dass Siemens nach rund 15 Jahren erstmals wieder einen neuen Fertigungsstandort in Deutschland errichtet. Für ca. 200 Millionen Euro entsteht in Cuxhaven eine Fabrik für Offshore-Windenergieanlagen. Ab Mitte 2017 soll hier die Herstellung von Maschinenhäusern für die neue Windturbinengeneration D7 beginnen. „Viele Hafenstandorte in Norddeutschland haben sich um dieses Projekt beworben, aber nur wenige haben tatsächlich zugehört, welche Kriterien für uns entscheidend sind, und sich eher auf ihre Standortvorteile versteift.“
 
Netzwerkbildung auf unternehmerischer und politischer Ebene gefordert
In einer anschließenden Diskussionsrunde sprachen die Teilnehmer über die wichtigsten Standortkriterien, nach denen Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen treffen würden. Neben einer guten Infrastruktur, Logistikangeboten und Personalverfügbarkeit, sei das für die energieintensive Chemiebranche auch eine bezahlbare Energieversorgung, so der einhellige Tenor. Wichtig sei zudem Planungssicherheit, und diese würde immer mehr verloren gehen. Große Infrastrukturprojekte würden heute kaum noch angegangen werden, weil die Umsetzbarkeit immer schwieriger sei. Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste nannte ein konkretes Beispiel: Die geplante Elbquerung nördlich von Hamburg wird von der einen Seite durch Schleswig-Holstein bis zur Mitte der Elbe geplant und von der anderen Seite durch Niedersachsen. Das bedeutet doppelter Planungsaufwand, doppelter Personaleinsatz, doppelte Ressourcen und doppelte Umweltklagen. Das ist einfach zu teuer, zu langwierig und zu ineffizient. Dr. Dirck Süß, Leiter Geschäftsbereich Wirtschaftspolitik in der Handelskammer Hamburg sagte dazu: „Die Elbe verbindet, teilt aber auch. Die Kommunikation über die Elbe hinweg zwischen den Landesregierungen ist nicht immer einfach.“ Die Netzwerkbildung auf unternehmerischer und politischer Ebene sei dringend erforderlich. Entsprechend forderte Günter Jacobsen, Leiter Standortkommunikation im Werk Brunsbüttel der Covestro Deutschland AG eine übergeordnete, länderübergreifende Infrastrukturplanung.
 
Leitbild für den Wirtschaftsraum Unterelbe 2030
Wie eine grenzüberschreitende Kooperation aussehen kann, zeigt das „Leitbild für den Wirtschaftsraum Unterelbe 2030“, das beim See-Hafen-Kongress vorgestellt wurde. Gemeinsam haben Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie Industrie- und Handelskammern der Metropolregion in dem Leitbild Visionen und konkrete Projekte für die künftige Entwicklung entlang der Lebensader Elbe aufgezeichnet. Das Leitbild soll auf keinen Fall ein Lippenbekenntnis sein, sondern nach und nach umgesetzt werden. Dafür werden jetzt Wirtschaftsakteure gesucht, die das Ganze mit Leben füllen. Details zum „Leitbild für den Wirtschaftsraum Unterelbe 2030“ finden Sie hier.

Am Ende der Veranstaltung lud UMCO-Geschäftsführer Ulf Inzelmann alle Teilnehmer ein, sich in zwei Jahren beim 7. See-Hafen-Kongress über die Umsetzung des Leitbildes und die weitere Entwicklung der Unterelbe-Region auszutauschen. Der Termin wird zu gegebener Zeit auf der Webseite www.see-hafen-kongress.de angekündigt.
 
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