16. September 201610:44Hinterland

Seehafenhinterlandverkehr per Binnenschiff im Fokus der Hafenkonferenz Haldensleben

Der in den nächsten Jahren erwartete Anstieg im Seehafenhinterlandverkehr eröffnet sehr gute Perspektiven für mehr Transporte mit dem Binnenschiff im Elbstromgebiet. Dafür muss nach Ansicht der Teilnehmer der Hafenkonferenz Haldensleben die Infrastruktur den Anforderungen angepasst werden. Digitalisierung und Vernetzung der Verkehrsträger untereinander und eine optimierte Koordinierung der Binnenschiffsanläufe im Hamburger Hafen sollen zukünftig für mehr Ladung und eine einfachere Abwicklung von Transportketten entlang der Elbe und des Elbe-Seitenkanals sorgen.

Auf Einladung der UHH Umschlags- und Handelsgesellschaft Haldensleben und Hafen Hamburg Marketing trafen sich über 110 Experten aus den Bereichen der Verkehrs- und Hafenwirtschaft, Industrie, Verbände und Politik am 13. September 2016 auf Schloss Hundisburg zur Hafenkonferenz Haldensleben. Die nahm dieses Jahr unter dem Motto „Haldensleben und mee(h)r“ den Seehafenhinterlandverkehr in den Fokus.

Thomas Webel, Minister für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, hob in seinen Begrüßungsworten hervor, dass in Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren eine leistungsfähige Infrastruktur geschaffen wurde, mit der den veränderten Mobilitätsbedürfnissen und Transporterfordernissen Rechnung getragen wird. „Insbesondere durch den Lückenschluss der A 14 und dem entstehenden Schienengüterkorridor Ost wird das Land seine Zugänge zu den Seehäfen deutlich verbessern. Damit schaffen wir ideale Bedingungen für den Güter- und Containertransport zwischen den Binnenhäfen und den Seehäfen“, sagte Minister Webel.

Die Seeverkehrsprognose 2030 sagt für den Seehafenhinterlandverkehr in Deutschland ein überproportionales Wachstum voraus. Um dies zu bewältigen, muss neben den bereits stark ausgelasteten Straßen- und Schienennetzen deutlich mehr das Binnenschiff bei der Transportkettenplanung einbezogen werden. Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Freie und Hansestadt Hamburg, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die mit Binnenschiffen von und nach Hamburg transportierte Gütermenge im Jahr 2015 mit 12,4 Millionen Tonnen ein Plus von 13,6 Prozent erreichte. „Hamburg hat damit Köln als zweitgrößten Binnenhafen in Deutschland abgelöst und bereitet sich für die Binnenschifffahrt auf weiteres Wachstum im Seehafenhinterlandverkehr vor. Die Seeverkehrsprognose erwartet bis 2030 eine Aufkommenssteigerung in der Binnenschifffahrt um 20 Prozent. Darauf müssen wir uns vorbereiten und die Infrastruktur ertüchtigen“, sagte Rieckhof. Dabei kommt seiner Ansicht nach dem Neubau der Schleuse Lüneburg eine besondere Bedeutung zu, da der Elbe-Seitenkanal für die Binnenschiffsverkehre von und nach Hamburg eine Hauptachse darstellt.

Für Ingo Egloff, Vorstand Hafen Hamburg Marketing, ist klar, dass ohne stärkere Berücksichtigung des Binnenschiffs ein zunehmendes Ladungsaufkommen beim Transport von Massen- und Stückgut zwischen Binnenland und dem Universalhafen Hamburg schwer zu bewältigen sein dürfte. „Die Schiffbarkeit der Mittel- und Oberelbe ist für die in dieser Region ansässige Wirtschaft zum Teil überlebenswichtig. Die Ergebnisse der von den Ländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Hamburg in Auftrag gegebenen Elbschifffahrtsstudie liefern dafür den Beleg. So sind in der deutschen Elbregion insgesamt 16.400 Arbeitsplätze von einer funktionierenden Elbschifffahrt direkt oder indirekt abhängig. Der Binnenschiffsanteil von 24,6 Prozent an den zwischen Hamburg und Sachsen-Anhalt transportierten Gütern unterstreicht die Bedeutung der Elbe als Transportweg und Wirtschaftsfaktor für die Region“, erläuterte Egloff. In seinem Vortrag wies Egloff darauf hin, dass Sachsen-Anhalt über gut ausgebaute Umschlagterminals verfügt. Die drei Binnenhäfen Magdeburg, Aken und Haldensleben bieten eine multimodale Verlade- und Transportabwicklung. Die Bahnterminals in Halle/Saale und Schkopau sind leistungsfähige KV-Umschlaganlagen. „In Sachsen-Anhalt sind die Verlader aus Industrie, Handel und Logistik durch mehr als 26 Containerzugverbindungen und zwölf Binnenschiffsverbindungen sehr gut an den Hamburger Hafen angebunden“, betonte Egloff.
   
Für Regina Blenkle, Bürgermeisterin der Stadt Haldensleben, ist der Logistikstandort und Binnenhafen Haldensleben gut aufgestellt und auf wachsende Gütermengen vorbereitet. „Haldensleben verfügt vor allem im Bereich der Infrastruktur über großes Potenzial. Wir freuen uns über den intensiven Dialog im Rahmen der Hafenkonferenz und möchten mit den verschiedenen Partnern die weitere wirtschaftliche Entwicklung in unsere Region voranbringen. Das große Engagement des Hamburger Hafens für den Ausbau der Binnenschiffsverkehre und bei der Umsetzung des Gesamtkonzepts Elbe begrüßen wir“, sagte Blenkle.

In den Fachvorträgen der Hafenkonferenz wurde deutlich, dass die Binnenschifffahrt im Elbstromgebiet im Zusammenspiel mit dem Hamburger Hafen eine sehr wichtige Rolle spielt, das große Potenzial dieses umweltfreundlichen Verkehrsträgers erkannt wurde und ein gemeinsames Interesse an der weiteren Stärkung und Modernisierung besteht. Auch wenn wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie der sogenannte Ost-Korridor zwischen Lüneburg-Stendal-Magdeburg-Erfurt-Hof-Regensburg bis hin zur österreichischen Grenze und der Ersatzneubau für das Schiffshebewerk Scharnebeck in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen sind, kommt es jetzt darauf an, dass die Länder Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg diese Maßnahmen in gemeinsamer Anstrengung erfolgreich durch den Gesetzgebungsprozess bringen. „Die Messe ist noch nicht gesungen, und wir müssen aufpassen, dass es nicht bei der ministeriellen Bearbeitung zu zeitlichen Verschiebungen kommt“, warnte Egloff.

Die Teilnehmer der Konferenz setzen auf Unterstützung in Berlin und auf das für die weitere Entwicklung der Elbe wichtige Gesamtkonzept Elbe. Die Anforderungen und Erfordernisse aus den Bereichen Umweltschutz, Hochwasserschutz, Wasserwirtschaft, Schifffahrt und Industrie müssen fair geprüft und bewertet werden, sollten aber aus Sicht der Konferenzveranstalter und Teilnehmer bald zu einer einvernehmlichen Lösung führen.

 
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