23. Juli 201418:25

Schwere Ladung auf der Elbe – Güterschubleichter URSUS bringt größte Gasturbine der Welt von Berlin nach Hamburg

Nach sechstägiger Binnenschiffsreise von Berlin über den Elbe-Havel- und den Elbe-Seiten-Kanal kam am 23. Juli eine 440-Tonnen schwere Gasturbine der Siemens AG (Typ SGT5-8000H) am Hamburger Multipurpose Buss Hansa Terminal an. Hier wird die Turbine vom Schwergutschiff MS ANNEGRET der Reederei SAL mit bordeigenen Kränen übernommen und weiter zum Kunden, dem Kraftwerk TNB Prai, nach Malaysia transportiert. Dort entsteht bis 2016 das leistungsstärkste und effizienteste gasbefeuerte Kraftwerk Südostasiens mit einer Leistung von rund einem Gigawatt und einem Wirkungsgrad von über 60 Prozent.

Am 18. Juli wurde die 13,2 Meter lange, 5 Meter hohe und 5,5 Meter breite Turbine am Siemenswerk in Berlin-Moabit durch die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH (BEHALA) zuerst auf einen selbstfahrenden Modultransporter verladen. Auf dem Transporter ging es dann über die werkseigene Verladerampe am Charlottenburger Verbindungskanal auf den Schwergut-Spezial-RoRo-Leichter URSUS. So entfallen teure und unflexible Tandemhübe mit Mobilkranunterstützung. Im Schubverband mit dem Schubschiff EDDI wurde die Turbine anschließend auf den Weg nach Hamburg geschickt. Mit diesen Schwergut-Transporten auf der Binnenwasserstraße zum nächsten Umschlagpunkt in der Lieferkette werden die Straßen und Brücken auf der Strecke entlastet.

Verkehrsgeografisch liegt Hamburg für die Produzenten von Schwergut und Projektladung sehr günstig an den Hauptverkehrsachsen im Nord-Süd- und West-Ost-Verkehr. Deutschlands größter Universalhafen ist mit seinem umfangreichen Angebot an weltweiten Liniendiensten und seinen guten Hinterlandanbindungen für die Maschinen- und Anlagenbauer ein wichtiger Hub für die weltweite Seefrachtabwicklung. „Unser Buss Hansa Terminal ist ein wichtiger Umschlagplatz für Schwergut- und Projektladung in Hamburg. An unserer Anlage kann diese Art von Ladung sowohl mit unserem eigenen Umschlagequipment von der Landseite aus verladen werden, als auch mit bordeigenem Ladegeschirr der Schwergutschiffe von der Wasserseite aus. Wir würden gern noch mehr Projektgüter umschlagen, die per Binnenschiff nach Hamburg kommen – dafür sind aber ein Ausbau und eine Instandsetzung der Infrastruktur der Binnenwasserstraßen erforderlich. Schon mit der Instandsetzung der Buhnen kann beispielsweise mit wenig Mitteln eine deutliche Verbesserung erzielt werden“, betont Heinrich Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Buss Port Logistics GmbH & Co. KG.

Die Siemens AG nutzt regelmäßig die Binnenschifffahrt zum Transport ihrer Maschinen- und Anlagenteile. „Im Zu- und Ablaufverkehr von und nach Hamburg eignet sich der Wasserweg besonders gut für Schwerguttransporte wie den dieser Gasturbine“, sagt Michael Westhagemann, CEO Region Nord der Siemens AG. „Die Vorteile der Binnenschifffahrt liegen für uns vor allem in der hohen Transportkapazität, der Umweltfreundlichkeit und auch der Preiswürdigkeit bezogen auf die Tonnenkilometer-Leistung. Darüber hinaus sind für den Transport von besonders großer und schwerer Ladung wegen der Lichtraumprofile häufig weder die Straße noch die Schiene eine Alternative“, verdeutlicht Westhagemann.

Für Binnenschiffstransporte dieser Dimension sind jedoch entsprechende Brückendurchfahrtshöhen und Wassertiefen erforderlich. „Wir müssen für diese Transporte Sondermaßnahmen beantragen, um einen sicheren Transport zu gewährleisten. Dazu zählen unter anderem die Vollsperrung des Kanals, das Fahren in Fahrwassermitte, das Fahren bei sehr niedriger Geschwindigkeit, das Aufstauen des Wassers an der Schleuse Charlottenburg und der Verzicht auf Schleusungen während der Fahrt durch den Kanal“, erläutert Klaus-Günter Lichtfuß, Leiter der Abteilung Logistik der BEHALA. Er fordert daher eine schnelle Sanierung und den Ausbau der wasserseitigen Infrastruktur in Richtung Hamburg: „Ein neues Schiffshebewerk in Scharnebeck sowie eine Höherlegung der Henkelbrücke in Genthin würden zu einer deutlichen Erleichterung der Binnenschiffsverkehre führen. Wenn darüber hinaus auch die Standard-Wassertiefen von 4 Meter sowie Brückendurchfahrtshöhen von 5,25 Meter gewährleistet wären, könnten auch Großmotorgüterschiffe erheblich mehr Ladung auf den Binnenwasserstraßen in Richtung Hamburg transportieren“, so Lichtfuß weiter. Für den Deutschen Export spielen Maschinen- und Anlagenteile eine besonders wichtige Rolle. Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für Investitionen in die Wasserstraßeninfrastruktur können nach Meinung von Lichtfuß bei diesen Schwerguttransporten daher nicht nur die Tonnenkilometer maßgebend sein, sondern es müsse auch die Hochwertigkeit der Güter berücksichtigt werden.

 

In der Fotostrecke können Sie die Verladung sowie den Transport von Berlin bis Hamburg verfolgen: