03. Juli 201509:05Hinterland

Scharnebeck - Neue Schleuse dringend notwendig

Am Schiffshebewerk Scharnebeck droht bereits ab 2020 ein Kapazitätskollaps. Denn unter den gegebenen Voraussetzungen ist lediglich ein Warenumschlag von zwölf Millionen Tonnen möglich. Der Bedarf liegt aber weit höher. So ließe eine neue Schleuse die Transportkapazitäten auf 20 bis 24 Millionen Tonnen ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommen Gutachter des Hamburger Unternehmens Hanseatic Transport Consultancy (HTC), die im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg die Gütermengenentwicklung, die Kapazitätssituation und die Wirtschaftlichkeit am Elbe-Seitenkanal (ESK) untersucht haben. Beteiligt an der Finanzierung des Gutachtens waren außerdem die IHK Braunschweig, die Handelskammer Hamburg, das Bündnis Elbe-Seitenkanal, die Elbe-Allianz sowie die Kammerunion Elbe/Oder.

„Zurzeit ist das Schiffshebewerk im norddeutschen Raum das Nadelöhr für alle Binnenschiffe vom oder zum Hamburger Hafen. Wenn dort nicht investiert wird, gefährdet das Entwicklungspotenziale und Arbeitsplätze in der gesamten Region“, fasst Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg, das Ergebnis des Gutachtens zusammen. Die Häfen in Lüneburg, Uelzen und Wittingen hätten durch ihre trimodale Anbindung in den vergangenen Jahren besonders stark von dem Verkehrswachstum auf dem ESK profitiert – wären aber auch besonders von einer Stagnation betroffen. Die IHK macht sich daher seit Jahren für den Neubau der Schleuse in Scharnebeck stark und hatte HTC erstmals 2013 beauftragt, das Transportpotenzial und die regionalwirtschaftlichen Effekte des Elbe-Seitenkanals zu untersuchen.

Für die neue Studie hat Prof. Dr. Jan Ninnemann, Geschäftsführender Gesellschafter von HTC, die Abschätzung des Transportpotenzials aus 2013 erneuert. Grundlage dafür ist eine aktualisierte Prognose der Gütermengenentwicklung auf dem Elbe-Seitenkanal bis 2030. „Die Verkehrsentwicklung auf dem Elbe-Seitenkanal stieg 2014 gegenüber dem Jahr 2011 allein um rund 28 Prozent auf knapp 11 Millionen Tonnen an – und ist damit deutlich dynamischer, als wir es in unserem ersten Gutachten aus dem Jahr 2013 prognostiziert hatten“, sagt Ninnemann. Außerdem zeige die Studie, dass dies auf langfristige Entwicklungen im Umfeld des ESK zurückzuführen sei und sich das Wachstum weiter fortsetze.

Die präsentierten Zahlen kann Jens Aßmann, Leiter der Abteilung Verkehr, Hafen und Schifffahrt bei der Handelskammer Hamburg, gut nachvollziehen: „Die Entwicklung spiegelt sowohl die große Dynamik des Hamburger Hafens als auch die erhebliche Relevanz des Elbe-Seitenkanals für die Binnenschiffsverkehre von und nach Hamburg wider.“ Um die Prognosen der Gütermengenentwicklung zu aktualisieren, haben die Gutachter neben der Umschlagsentwicklung im Hamburger Hafen auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die wirtschaftliche Situation im Hinterland des Elbe-Seitenkanals berücksichtigt. Außerdem wurden Gespräche mit Hafen- und Umschlagbetrieben, regionalen Wirtschaftsförderern und Großverladern wie der Volkswagen AG und der Salzgitter AG geführt. „Die Zeichen stehen ganz klar auf weitere Zuwächse beim Umschlag über den Elbe-Seitenkanal“, stellt Gutachter Ninnemann fest.

Ein weiteres Fazit: „Der Transport per Binnenschiff über den ESK ist heute schlicht unattraktiv für Verlader“, sagt Ninnemann. Eine umfangreiche Analyse der Wirtschaftlichkeit verschiedener Binnenschiffstypen habe verdeutlicht, dass ausgerechnet die modernen und kostengünstigen Schiffstypen das Schiffshebewerk entweder gar nicht oder nur mit erheblichen Mehrkosten passieren können. „Viele Auftraggeber weichen stattdessen auf die Verkehrsträger Straße oder Schiene aus“, sagt Ninnemann.

Laut IHK-Hauptgeschäftsführer Zeinert ist es dringend erforderlich, die politischen Entscheidungsträger zu überzeugen, dass die neue Schleuse in Scharnebeck schnellstmöglich realisiert werden muss: „Dafür ist es notwendig, die Schleuse im kommenden Bundesverkehrswegeplan 2015 mindestens im ‚Vordringlichen Bedarf‘ zu platzieren. Gelingt das nicht, ist das Projekt höchstwahrscheinlich innerhalb der kommenden 25 Jahre nicht mehr realisierbar“, sagt Zeinert. Zuversichtlich stimmt ihn, dass ein breites Bündnis eine Modernisierung des Schiffshebewerks befürwortet: Bereits Anfang Juni hatte der Niedersächsische Landtag fraktionsübergreifend einen sogenannten Entschließungsantrag für den Neubau der Schleuse in Scharnebeck verabschiedet. Kurz darauf haben sich Umweltverbände, Vertreter der Länder Niedersachsen und Hamburg sowie mehrere Kammern mit einer gemeinsamen Erklärung bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für das Bauvorhaben eingesetzt.

 

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