• 30. Oktober 2020
  • 08:19
  • Wirtschaft

Polen: Unsicherheit überlagert positive Stimmung

Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaftslage Polens seit dem Frühjahr deutlich verbessert hat: So ist die Industrieproduktion im September um 5,9 Prozent gestiegen und der Konsum bleibt im gesamten 3. Quartal über dem Vorjahresniveau. Auch die Seeverkehrswirtschaft notiert gute Ergebnisse: Der Gesamtcontainerumschlag in allen Seehäfen hat zum ersten Mal seit Januar dieses Jahres mit ca. 260.000 TEU im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat zugenommen.

Der Ausfuhr der Containerladung (z.B. Holz aus Tschechien und Südostdeutschland) war schon seit Mitte des Jahres stark, was zu dem guten Umschlagergebnis der Containerterminals in Gdynia und Szczecin beigetragen hat. Die intraeuropäischen Verkehre, vor allem Richtung UK, entwickelten sich im 3. Quartal ebenfalls sehr gut. Neu ist, dass in den letzten Wochen auch Importe deutlich umfangreicher geworden sind, was besonders stark in Umschlagzahlen von Gdansk gespiegelt wurde. Gdansk, der größte polnische Hafen, ist sehr stark durch Ladungsverkehre aus Fernost geprägt. Insgesamt ist der Containerverkehr in den polnischen Häfen im September um 2,5 Prozent gestiegen: um knapp 2 Prozent in Gdansk und über 5 Prozent in Gdynia. Der intermodale Verkehr wächst zweistellig (+17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr in Tonnen) vor allem wegen Schienenverkehren aus China, weiterer Zuwachs könnte aber durch infrastrukturelle Engpässe gebremst werden.

Die steigenden Infektionsfälle im Herbst haben in Polen derzeit einen begrenzten Einfluss auf die Leistung der Wirtschaft. Einbrüche im Konsum und Produktion sowie im Außenhandel sind nicht ausgeschlossen, doch die neuste Entwicklung weist darauf hin, dass die Wirtschaft nicht so stark wie im Frühling getroffen wird. Dennoch besteht große Unsicherheit bezüglich der künftigen Entwicklung, die alle Branchen betrifft.

Marek Tarczynski, Vorsitzender der Kammer der Polnischen Spedition und Logistik, sagt, dass „der statistische Rückgang der Containerverkehre um etwa 8 Prozent im Jahr 2020 viele unterschiedliche Entwicklungen umfasst: vom Zusammenbruch der Möbel- oder Automobilindustrie bis hin zu stabilen Lebensmittelumsätzen.“ Tarczynski erläutert: „Die Pandemie hat Danzig, das vom Handel mit China abhängig ist, stark getroffen, wobei Terminals in Gdynia und Stettin, die dank der Feederschiffe andere Relationen bedienen, besser damit zurechtkommen. Der Rückgang der Einfuhren wurde durch Bemühungen der von diesen Häfen bedienten Exporteure gemildert. Blank Sailings und volatile Frachten sind aber besorgniserregend. Just-in-time-Lieferungen sind zur Theorie geworden. Wegen unsicherer Lieferungen haben Importeure ihre Logistiklager gefüllt, was wiederum Druck auf den Vertrieb ausübt. Die Seidenstraßentransporte verdoppelten sich auf Kosten der Luft- und Seefracht. Die wachsende Unsicherheit, die durch die Herbstpandemiewelle verursacht wird, verdrängt die seit September verbesserte Stimmung."

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