08. April 201416:33

Neues Freiluft-Forschungslabor für Ladungs-sicherung

Transport von Ladegütern sicherer, wirtschaftlicher und innovativer machen: In Selm/Lünen entsteht europaweit einmaliges Freiluft-Forschungslabor für die Logistik!

Feierliche Eröffnung für Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung Selm/Lünen: gut 6,5 Millionen Euro werden investiert

Ein in Europa einmaliges Forschungsprojekt für Ladungssicherung entsteht in Selm/Lünen, 20 Kilometer nördlich von Dortmund, auf einer Fläche von rund 13 Hektar zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Der erste Spatenstich für das Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung Selm (F&T LaSiSe) erfolgte am 27. Juni 2013. Die feierliche Eröffnung fand am 28. Februar 2014 statt. Insgesamt wurden gut 6,5 Millionen Euro für diesen „Leuchtturm der Ladungssicherung“ im Kreis Unna investiert, in dem jeder zehnte Arbeitsplatz von der Logistik abhängt.

Schulungsakademie, Forschungsinstitut und Freiluft-Forschungslabor

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände an den „Stadtgrenzen“ Selm/Lünen sind eine Schulungsakademie, ein Forschungsinstitut und ein für Pkw und Lkw taugliches Freiluft-Forschungszentrum entstanden. Das F&T LaSiSe wird für Wissenschaft und Wirtschaft innovative Impulse setzen, um die Sicherheit beim Transport von Ladegütern zu erhöhen. Das Zentrum will mithelfen, neue Produkte, Verfahren, Systeme und Lernmethoden in der Ladungssicherung zu schaffen.

Die Maßnahme ist eines der Gewinnerprojekte aus dem NRW-EU-Ziel 2-Förderwettbewerb Logistik.NRW. Das gemeinnützige Unternehmen wird mit rund 4,5 Millionen Euro vom Land NRW und der Europäischen Union gefördert. Darüber hinaus unterstützen die Gesellschafter der Betreibergesellschaft F&T LaSiSe gGmbH das Projekt und die notwendigen Baumaßnahmen mit rund zwei Millionen Euro. In der Betreibergesellschaft sind neben dem Trägerverein Ladungssicherung e.V. etliche mittelständische und kommunale Betriebe aus der Region ideell und finanziell engagiert. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Polizei und Feuerwehr dokumentieren mit ihrer Teilnahme an der Eröffnungsfeier ihre besondere Verbundenheit mit dieser Forschungseinrichtung.

„Ziel des Projektes ist es, die Verkehrssicherheit bei Transporten auf der Straße, der Schiene, zu Wasser und in der Luft zu erhöhen sowie den Arbeitsschutz zu verbessern. Die ordnungsgemäße Ladungssicherung, als ein Bestandteil der gesamten Logistik-Prozesskette, spielt dabei eine zentrale Rolle und soll sich darüber hinaus auch an Kriterien wie Wirtschaftlichkeit und Effizienz messen lassen“, erklärt Ralf Damberg, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft F&T LaSiSe gGmbH.

Logistikstandort östliches Ruhrgebiet gewinnt weiter an Profil

Wirtschaftsminister Garrelt Duin erklärte bei der Eröffnung: „Das Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung in Selm ist eine hervorragende Ergänzung der bestehenden Warenverteilzentren und logistischen Forschungseinrichtungen im östlichen Ruhrgebiet. Dieses in Europa einzigartige Freiluft-Forschungslabor hat das Potential zum Champion in Nordrhein-Westfalen.“

IHK-Präsident Udo Dolezych betonte bei der Eröffnung die Bedeutung für die gesamte Region: „Dies ist ein Tag der Freude. Aus einem Zukunftstraum wird nun Realität. Mit diesem Fachzentrum gewinnt die Logistikregion ein Alleinstellungsmerkmal, qualifiziert sich weiter und macht sie unverwechselbar. Wir laden die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft ein, Zukunft zu gestalten und mit uns in einen Dialog zu treten.“ Für den IHK-Präsidenten stellen die Akademie, das Forschungsinstitut und das Freiluft-Forschungslabor eine einmalige Symbiose dar. Die Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Praxis sowie Qualifizierung ist in dieser Konstellation einzigartig.

Lünens Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und Mario Löhr, Bürgermeister von Selm, sind sich einig: „Wir sind stolz auf diese bedeutende wirtschaftsnahe Infrastruktur, die hier geschaffen wird. Unser Wirtschaftsstandort hat damit einmal mehr bewiesen, dass er mit engem Schulterschluss aller Beteiligten auch komplexe Ansiedlungen umsetzen kann.“

Der Dank von Michael Makiolla, Landrat Kreis Unna, richtete sich bei der Eröffnungsfeier insbesondere an das NRW-Wirtschaftsministerium, an das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen (LAFP), die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna sowie die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund. Ganz besonders würdigte der Landrat den Einsatz der Gesellschafter der F&T LaSiSe gGmbH.

Dieter Schmidt, Direktor des LAFP, äußerte als unmittelbarer Nachbar Anerkennung für das bisher Erreichte. „Bis vor einem Jahr gab es noch keine erkennbare Spur von einem derartigen Vorhaben auf dem brachliegenden Gelände. LaSiSe arbeitet fortan an einer entscheidenden Aufgabenstellung für mehr Sicherheit auf den Straßen. Dieses hohe Engagement hilft, Leben zu retten.“

Prof. Dr. Carsten Dorn, Institut für Transportwesen und Logistik, Steinbeis Forschungszentrum, betont: „Heute wird vieles durch computergestützte Simulationsmodelle nachgestellt. Gleichwohl sind reale Versuche notwendig, um valide Erkenntnisse zu eruieren. LaSiSe bietet einmalige Möglichkeiten, unterschiedliche Disziplinen zu vereinen.“

Karl-Heinz Keisewitt, 1. Vorsitzender des Trägervereins Ladungssicherung e.V., bedankte sich für das Engagement vieler einzelner Mitstreiter. „Unterschiedliches Know-how zahlreicher Experten, tausende Stunden zumeist ehrenamtlicher Arbeit, ganz viel Herzblut und auch erhebliche finanzielle Mittel wurden in das gemeinsame Projekt investiert.“

Stefan Schreiber, Aufsichtsratsvorsitzender der F&T LaSiSe gGmbH, forderte die Wirtschaft auf, sich aktiv an der Weiterentwicklung und der Nutzung der „neuen“ Erkenntnisse dieses Zentrums zu beteiligen. „Der Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist die Basis für Innovationen. So wird Zukunft gestaltet.“

Geschäftsführer Ralf Damberg ist zuversichtlich: „Wir bieten interessierten Unternehmen die Chance, ihre Logistik-Prozesse sicherer, wirtschaftlicher und innovativer zu gestalten. Die zahlreichen Gespräche mit der Wirtschaft zeigen großes Interesse an einer nachhaltigen Zusammenarbeit. Namhafte Unternehmen bekunden anlässlich der Eröffnung ihre Verbundenheit zur Ladungssicherung und präsentieren unterschiedlichste Anwendungsbeispiele aus dem Transportwesen.“

In dem Freiluft-Forschungszentrum für Ladungssicherung werden auf einer Fläche, die 25 Fußballfeldern entspricht, unter Realbedingungen die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Fahrsituationen und dem Ladungsverhalten wissenschaftlich untersucht. Die Erkenntnisse sollen in die Unfallprävention, in technische Normen und Richtlinien sowie in zielgruppenspezifische Weiterbildung einfließen. Zudem unterstützt das F&T LaSiSe die Weiterentwicklung von Ladungssicherungsmitteln und -konzepten.

Teststrecken mit modernster Messtechnik ausgestattet

Zahlreiche Spezialisten haben eine in Europa einmalige Forschungsinfrastruktur aufgebaut. Auf dem Gelände werden drei verschiedene Teststrecken für alle Fahrzeugklassen von Pkw bis Lkw errichtet und mit modernster Messtechnik ausgestattet. Für die Fahrversuche sind drei Module entstanden: Auf „Kreisbahn“, „Hügelstrecke“ und „Dynamikplatte“ werden unterschiedliche Rahmenbedingungen für Ladungssicherung simuliert. Die Testfahrten werden exakt gemessen. Wissenschaftliche Mitarbeiter und Ingenieure werten die Daten aus und untersuchen die Ursachen-Wirkungsketten. Auch probandenspezifische Messungen sind möglich. „Das F&T LaSiSe bietet praxisgerechte Rahmenbedingungen und ein modernes Forschungsumfeld für die Weiterentwicklung der Ladungssicherung“, betonte Damberg. Plötzlich auftretende Hindernisse, unterschiedliche Fahrbahnbeläge und Witterungsbedingungen können hier realisiert werden. Wie das Fahrzeug darauf reagiert und welche Auswirkungen das auf die Ladung sowie die Verpackungs- und Ladungssicherungsmittel hat, wird im Praxistest erlebbar und erforscht.

Auf der „Kreisbahn“ mit über 70 Metern Durchmesser kann jeder Lkw – auch mit Stützrädern – zum Einsatz kommen. An- und Auslaufstrecken ermöglichen Fahrversuche unter Realbedingungen – sogar Wassersäulen und mechanische Barrieren können zugeschaltet werden. Auf dem 2. Modul, der „Hügelstrecke“, werden Kräfte, die bei Berg- und Talfahrten auf Fahrzeug und Ladung wirken, erfasst und ausgewertet. Hier können auch einzigartige Rechts-Links-Kombinationen gefahren werden. Schließlich erlaubt die selbst für schwere Nutzfahrzeuge ausgelegte „Dynamikplatte“ und „Schwerbelastungsstrecke“ Messungen bei unterschiedlichen Fahrbahn-Beschaffenheiten, in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit, und deren Auswirkungen auf die Ladungssicherung.

Akademie wird europaweit anerkannte Schulungen anbieten

Zur Versuchsvorbereitung und für den Testbetrieb wird das F&T LaSiSe eine auf dem Gelände bereits vorhandene Halle mit 3.000 Quadratmetern Grundfläche nutzen. Das ehemalige Casino der Bundeswehr wird nach einer Kernsanierung vielfältig weiter genutzt; es beherbergt die Verwaltung sowie Schulungs- und Aufenthaltsräume. Die Akademie des F&T LaSiSe wird die aus den Testfahrten gewonnenen Forschungsergebnisse in Curricula für branchenspezifische und europaweit anerkannte Schulungen umsetzen. Berufskraftfahrer, Logistiker und Experten sollen in Selm/Lünen mit dem Schwerpunkt Ladungssicherung geschult werden.

IHK-Präsident Udo Dolezych freute sich über die unfallfreie Errichtung des Technologiezentrums. Das Freiluft-Forschungslabor wird jetzt seiner geplanten Bestimmung übergeben. Möglich gemacht hat dieses Zukunftsprojekt ein breiter regionaler Konsens. Neben den Städten Selm und Lünen, dem Kreis Unna sowie der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund unterstützen zahlreiche mittelständische Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen aus der Region das F&T LaSiSe.

 

Kontakt:

Forschungs- und Technologiezentrum
Ladungssicherung Selm (LaSiSe) gGmbH
Geschäftsführer Ralf Damberg
Auf der Koppel 100, 59379 Selm
Telefon: 02592 973 01 - 0
E-Mail: info@lasise.de
www.lasise.de

 

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