• 22. November 2017
  • 17:00
  • Umwelt

Maritimer Sektor und Politik einig: LNG entscheidend für emissionsärmere Schifffahrt, aber weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen notwendig

Auf einer Abendveranstaltung der Maritimen LNG Plattform haben Vertreter aus Wirtschaft und Politik über die Notwendigkeit einer Kooperation von Handel und Logistikunternehmen diskutiert, damit eine „maritime Wende“ für eine emissionsärmere Schifffahrt gelingen kann – ohne dass Kostendruck dies unmöglich macht. Einigkeit bestand darin, dass LNG dabei eine entscheidende Rolle spielen werde. Intensiv diskutiert wurde auch die Frage, ob ein LNG-Importterminal hier Baustein einer Lösung sein kann.
 
Mehr als 80 Vertreter aus dem maritimen Sektor, Politik, Umweltverbänden, Handel und der Logistikbranche waren der Einladung der Maritimen LNG Plattform zu einer Abendveranstaltung am 21. November in der Humboldt-Box in Berlin gefolgt, um über nachhaltige Transportwege und Umwelt- und Klimaschutz in der Schifffahrt zu sprechen. Nachdem der Initiator der Maritimen LNG Plattform, der ehemalige Hamburger Bürgermeister, Ole von Beust, die Arbeit der Plattform in den vergangenen drei Jahren als „Erfolgsgeschichte“ hervorhob, diskutierten Vertreter der Wirtschaft über ihre Ansätze für emissionsärmere Transportwege. Anschließend erläuterten MdBs und Vertreter der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen die Ansätze der Bundes- und Landespolitik.
 
Mahinde Abeynaike, CEO von Nauticor und Vorsitzender der Maritimen LNG Plattform, stellte zu Anfang klar, dass die Nutzung des Alternativkraftstoffs LNG (Liquefied Natural Gas, Flüssigerdgas) heute mehr als nur eine Option ist, nachdem nach Fähren und Kreuzfahrtschiffen nun auch die Frachtschifffahrt vermehrt auf LNG setzt, aber das mehr in Deutschland zu geschehen habe: „Das Thema kommt, die Nachfrage nach LNG steigt weltweit, nur nicht in Deutschland. Darüber müssen wir reden.“ Ein wichtiges Instrument für die Nachfragesteigerung ist die in der letzten Legislaturperiode beschlossene LNG-Förderrichtlinie für den Neu- und Umbau von LNG-getriebenen Seeschiffen. Frank Bonaldo aus dem Bundeswirtschaftsministerium versicherte den anwesenden Vertretern aus der maritimen Branche, dass die Ausführungsbestimmungen für die LNG-Förderrichtlinie noch in diesem Jahr kommen werden. Dr. Rowil Ponta, Geschäftsführender Gesellschafter von Nordic Hamburg Shipmanagement berichtete von vier Containerschiffen mit LNG-Antrieb für europäische Seeverkehre, die bereits in Bau sind, und der Option, zwei weitere zu bauen, wenn die Förderrichtlinie endlich kommt. Markus Lange, Volkswagen Konzernlogistik, und Björn Tiemann, Zippel Group, beschrieben die Vorhaben ihrer Unternehmen, nachhaltige Logistikketten aufzubauen, zum einen durch zwei LNG-getriebene Schiffe für den Autotransport (ab 2019), zum anderen durch den nachhaltigen Transport von Seecontainern auf dem Landweg. Jos Steeman, Vopak Germany, lenkte die Diskussion auf die Frage nach einem Importterminal für Deutschland: Das niederländische Tanklagerlogistikunternehmen Vopak prüft aktuell gemeinsam mit zwei weiteren Partnern die Möglichkeit eines Importterminals am Standort Brunsbüttel. Alle Vertreter des maritimen Sektors waren sich einig: „Ein Importterminal macht die Welt für uns alle leichter.“ Malte Siegert, NABU Landesverband Hamburg, forderte, dass die Entwicklung schneller gehen müsse und appellierte an die Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen und ihren Kunden „mehr zuzumuten“. Für ihn heißt das: „Der Handel muss die Preise so setzen, dass nachhaltige Technologien, wie LNG, auch eingesetzt werden können.“
 
In der zweiten Diskussionsrunde wurden die Themen Förderrichtlinie und Importterminal wieder aufgegriffen. Johann Saathoff, MdB (SPD), machte deutlich, dass die Politik nun beginne, über den Aufbau einer Importstruktur nachzudenken, auch im Hinblick auf die nationale Versorgungssicherheit. Die Förderrichtlinie bezeichnete er als „schwere Geburt“. Zudem sei er „sprachlos“, dass der maritime Sektor so lange auf den Förderaufruf warten müsse: „Dies ist nicht der parlamentarische Wille.“ Rüdiger Kruse, MdB (CDU), sprach sich ebenfalls für eine schnelle Umsetzung der Förderrichtlinie aus und verlangte außerdem nach einer klaren politischen Führung, damit der maritime Sektor seine Nachhaltigkeitsziele auch erreichen kann und durch die Politik entsprechend unterstützt wird. Claudia Müller, MdB (Bündnis 90 / Die Grünen) forderte einen Dreiklang aus verschärften Grenzwerten, Anreize für die Infrastrukturentwicklung sowie eine Unterstützung der maritimen Wirtschaft beim Neu- und Umbau von Schiffen. Ingelore Hering aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr plädierte für eine starke Importstruktur, stellte gleichzeitig aber auch klar, dass die Länder hierfür die Unterstützung des Bundes brauchten. Ein LNG-Importterminal könne auch am Standort Wilhelmshaven entstehen. Kurt-Christoph von Knobelsdorff vom Kieler Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus machte deutlich, dass das Land Schleswig-Holstein ein Importterminal in Brunsbüttel voll unterstütze, dafür jedoch Förderung vom Bund benötigt werde.
 
Georg Ehrmann, Geschäftsführer der Maritimen LNG Plattform, der die Runden moderierte, erklärte dazu:
„Die heutigen Diskussionen zeigen ganz klar: LNG ist die Option für nachhaltige, emissionsärmere Transportwege und damit für mehr Klima- und Umweltschutz in der Schifffahrt. Wir brauchen dafür die komplette Umstellung von Logistikketten, und das kann nur gelingen, wenn alle kooperieren. Damit mehr in Deutschland passiert, bedarf es einer schnellen Umsetzung der LNG-Förderrichtlinie. Der maritime Sektor steht mit konkreten Projekten in den Startlöchern. Auch ist heute Abend klar signalisiert worden, dass die LNG-Infrastruktur eine entscheidende Rolle spielt. Dazu gehört auch, verstärkt über ein Importterminal für Deutschland nachzudenken.“   
 

Pressekontakt

Maritime LNG Plattform
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E-Mail: ehrmann@lng-info.de
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