• 23. April 2020
  • 09:20
  • Wirtschaft

Indien: Verzögerungen bei Schiffsabfertigungen

Peter Deubet, Repräsentant des Hamburger Hafens in der „Hamburg Repräsentanz Mumbai“, und seine Kollegin Lea Miram, Hamburg Business Managerin in Mumbai, berichten von der aktuellen Lage im Wachstumsmarkt Indien.
 
Wie bereits erwartet, wurde die bisherige, landesweite Ausgangssperre in Indien bis zum 03. Mai 2020 verlängert. Alle internationalen und inländischen Flüge sind nach wie vor eingestellt und viele Fluggesellschaften benötigen finanzielle Unterstützung der indischen Regierung, um ihre Operationen nach der Pandemie überhaupt fortsetzen zu können.
 
Es ist abzusehen, dass die Logistikkosten für den Transport von Waren steigen werden. Einige Transportunternehmen (insbesondere Lkw) haben ihre Preise bereits über 80 Prozent erhöht. Begründet werden die Zuschläge für den Warentransport mit einem enormen Angebotseinbruch aufgrund von regulatorischen Herausforderungen und einem drastischen Arbeitskräftemangel.
 
Auch die Bewegung von Schiffen in indischen Häfen wird aufgrund der von der Regierung ergriffenen Sperr- und Quarantänemaßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie stark eingeschränkt. Es gibt Schiffe, die tagelang in Mumbai, Gujarat und an der Westküste warten, weil die Häfen mit einem Arbeitskräftemangel und schwerwiegenden Logistikproblemen konfrontiert sind. Wenn die Schiffe den Liegeplatz bekommen, wird das Be- und Entladen zu einer extremen Herausforderung, da weniger als 20 Prozent der Arbeiterschaft in den Häfen ist und es kaum Lastwagen zum Abtransport der Ware gibt.
Die Reedereien stornieren deshalb bereits Anläufe. Die Container stecken teils aufgrund der globalen Handelsbeschränkungen in wichtigen Häfen fest und der Anstieg von „Blank Sailings“ durch Reedereien führt oft zu einem Mangel an Leercontainern.
 
Ab dem 20. April will die indische Regierung schrittweise eine Öffnung einleiten. Um eine effiziente, möglichst kontaktlose Zollabfertigung zu gewährleisten und die Transaktionskosten zu senken, wurde bereits beschlossen, eine rein elektronische Abfertigung durch die Übermittlung einer PDF-basierten eOoC-Kopie (electronic Out of Charge)  für BoE und eGate Pass zu ermöglichen. Ursprungszertifikate können nun ebenfalls online generiert werden.
 
Das indische Schifffahrtsministerium könnte die Covid-19-Pandemie als Anlass für die Erklärung von Force Majeure nehmen. Adani Ports and Special Economic Zone (APSEZ), Indiens größtes privates Hafenunternehmen, hat in ihren Einrichtungen in Mundra, Tuna und Dhamra bereits Force Majeure angekündigt. Gleichzeitig hat das Schifffahrtsministerium auch alle wichtigen Häfen angewiesen, Strafzahlungen für Verzögerungen, die im Zuge der Ausgangsperre entstanden sind, auszusetzen.
 
Problematisch sind diese Entwicklungen und Zustände auch im Kontext Indiens großer Importabhängigkeit von China (fast 70 Prozent wertmäßig) zu betrachten. Das betrifft insbesondere die indische Gesundheitsindustrie, aber auch allgemein die globalen Lieferketten. Indien hat die Exportnormen für Paracetamol, Hydroxychloroquin (HCQ), einem Malariamedikament, das jetzt zur Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt wird, und 20 andere Arzneimittel und Massenmedikamente im Rahmen der Covid-19-Pandemie gelockert, um die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten zu gewährleisten.
 
Die weltweit größte Ausgangssperre hat die indische Wirtschaft während des 21-tägigen Zeitraums bisher schätzungsweise 7 bis 8 Milliarden Rupien gekostet (98 Milliarden US-Dollar).

Pressekontakt

  • Bengt van Beuningen

    Bengt van Beuningen

    +49 40 37709 102
Loading