08. Dezember 201512:18Wirtschaft

Hohes Potential für zukunftsfähige Energie am Industriestandort Brunsbüttel

Werkleiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel und DGB Nord intensivieren Zusammenarbeit und veranstalten zweites Industriepolitisches Forum: Pläne zur nachhaltigen Energieversorgung stehen im Fokus des Forums. Die Chancen des Industrie- und Hafenstandortes werden von den Teilnehmern hervorgehoben.
 
Rund 70 Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft folgten der Einladung des Industriepolitischen Bündnisses zum zweiten Industriepolitischen Forum in Brunsbüttel. Damit festigen die Werkleiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel und der DGB Bezirk Nord ihr im September dieses Jahres geschlossene Bündnis. Mit dem Ziel guter und gesicherter Arbeitsplätze, einer funktionierenden Infrastruktur und einer zukunftsfähigen Energieversorgung wollen sie gemeinsam den Industrie- und Hafenstandort Brunsbüttel langfristig stärken und wettbewerbsfähig gestalten. Herausforderungen und Fragen zum Energiemix von morgen stehen im Fokus des zweiten Industriepolitischen Forums. Es ist geprägt von hochkarätigen Rednern wie Kurt-Christoph von Knobelsdorff, stellvertretender Staatssekretär und Leiter der Abteilung Wirtschaft aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, Egbert Biermann, Mitglied im Vorstand der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE sowie Prof. Dr. Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg.
 
Die bedarfsgerechte und gesicherte Energieversorgung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg und die Effizienz von Industrieunternehmen. Insbesondere die energieintensiven Unternehmen am Standort Brunsbüttel beschäftigt zunehmend die Frage nach einer dauerhaft gesicherten Energieversorgung. Zudem erlangt die effiziente Energienutzung mehr Bedeutung.
Kurt-Christoph von Knobelsdorff sieht in der Diversifikation der Gasversorgung in Deutschland und Europa eine Chance für den Standort Brunsbüttel. „Wer sich unabhängiger von Pipeline-Gas aus Russland machen will, der muss auf Flüssiggas (LNG) setzen. Die Energiestrategie der EU sieht genau das vor. Daher unterstützen wir als Land Schleswig-Holstein auch die Planungen zur Errichtung eines LNG-Importterminals in Brunsbüttel, wo die Standortbedingungen ideal sind, was uns aktuell auch durch ein Gutachten von Fraunhofer bestätigt wurde.
 
Chancen für den Industriestandort Brunsbüttel sieht er auch durch die nächsten Schritte der Energiewende. „Schleswig-Holstein wird Strom-Erzeuger-Land. In der Geschichte ist die Industrie immer dahin gegangen, wo die Energie war.“ Auch bei der der Nutzung von Überschussstrom durch Umwandlung in Wasserstoff erkennt er Chancen für Brunsbüttel. „Wir haben das Know-How und die Infrastruktur hier und mit der Chemischen Industrie auch einen großen Wasserstoffverbraucher – ideale Voraussetzungen“, so der Abteilungsleiter aus Kiel.
Mit einer empirischen Bestandsaufnahme bestätigt Thomas Bultjer von der egeb Wirtschaftsförderung, dass Brunsbüttel ein bedeutender Energiestandort ist und vorausschauend auch bleiben wird.

Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg zeigt auf, wie die Energieversorgung von Industrieunternehmen in Zukunft aussehen kann. Unter anderem wird die Nutzung von Energiespeichern eine bedeutendere Rolle einnehmen, um die Energie aus erneuerbaren Energien vorzuhalten. Er hatte mit Kollegen die Technologie Power-to-Gas entwickelt, in der es darum geht, Wind- und Solarstrom in Gas und damit einen chemischen Energieträger zu wandeln. Dieses Verfahren eignet sich als Blaupause für die Integration erneuerbarer Energien auch in die chemische Industrie.
 
Gegenstand des Forums ist im energiepolitischen Zusammenhang auch die Projektinitiative Norddeutsche EnergieWende »NEW 4.0« der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Initiative aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hat das Ziel, eine nachhaltige Energieversorgung in Verbindung mit einer digitalisierten und intelligent vernetzten Industrie zu realisieren und damit die Zukunftsfähigkeit der Region zu stärken.
Einen Bericht aus der Praxis liefert Egbert Biermann, Mitglied im Vorstand der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE. Er zeigt auf, wie Betriebsrat und Beschäftigte in einem Projekt Möglichkeiten für Energieeffizienz im Betrieb erarbeitet haben. Die erlangten Erkenntnisse werden heute bereits in Unternehmen angewendet.
 
Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord fasst die Ergebnisse des zweiten Industriepolitischen Forums zusammen: „Dass Energiegewinnung aus Erneuerbaren Energien und die Anforderungen der energieintensiven Industrie zusammenpassen, dafür kann Brunsbüttel Vorbild werden - und dann auch einen Exportschlager liefern. Wie Energie- und Ressourceneffizienz mit dem Wissen und der Kompetenz der Beschäftigten auch in den Betrieben umzusetzen sind, wie der Energieeinsatz durch Erzeugungs- und Lastmanagement klug gesteuert werden kann und wie neue Netz- und Speichertechnologien einzusetzen sind – all dies sind Fragen, die auch für Beschäftigte von zentraler Bedeutung sind. Unternehmen die die betriebliche Mitbestimmung fördern, im engen Dialog mit Betriebsrat und Belegschaft sind, haben hier einen entscheidenden Vorteil. Wenn der Norden stark bleiben will, dann braucht er auch eine starke Industrie, und in diesem Zuge gilt es auch darüber nachzudenken wie im Zuge eines möglichen LNG-Terminals weitere LNG-gebundene Wertschöpfung in Brunsbüttel angesiedelt werden kann. Wenn der Norden stark bleiben will, dann braucht er auch eine starke Industrie. Ohne Industrie kein Wohlstand, ohne gute Arbeit kein Fortschritt, an dem alle teilhaben.“
 
Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoast Park Brunsbüttel und Geschäftsführer der SCHRAMM group, sieht die Chancen für den Standort im Vordergrund: „Eine gesicherte und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung ist für die Unternehmen von zentraler Bedeutung. Nur so können sie wettbewerbsfähig im Markt agieren und somit langfristig die Arbeitsplätze vor Ort sichern. In Brunsbüttel sind wir gut aufgestellt und sehen für die Zukunft viele Potenziale. Das umweltfreundliche Flüssiggas LNG wird eine zentrale Rolle im Energiemix spielen, wie wir es bereits in anderen Ländern heute sehen. In Verbindung mit dem ChemCoast Park Brunsbüttel, dem größten zusammenhängenden Industriegebiet Schleswig-Holsteins, ist der Standort Brunsbüttel prädestiniert, eine moderne LNG-Infrastruktur auch mit einem LNG-Importterminal zur Diversifizierung der Gasversorgung zu schaffen. Unser Standort steht im internationalen Wettbewerb und es müssen vorausschauende Entscheidungen getroffen werden – dazu gehört auch die Energiepolitik.“
 

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    DGB Bezirk Nord
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