23. April 201413:55

Hamburg wird Fraunhofer-Standort

Senat bereitet Weg für die dauerhafte Ansiedlung von Einrichtungen der größten europäischen Forschungsorganisation für anwendungsorientierte Forschung in Hamburg

Mit der jetzt beschlossenen Fraunhofer-Strategie hat der Senat die Voraussetzungen geschaffen, um die Innovationskraft von Wissenschaft und Wirtschaft in Hamburg zu stärken. Die Planungen des Senats sehen vor, dass Hamburg sich künftig dauerhaft an der gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft beteiligt und drei Hamburger Forschungseinrichtungen in Fraunhofer-Einrichtungen überführt werden. Hamburg hat hierfür in den vergangenen fünf Jahren bereits sechs Millionen Euro investiert und wird in den kommenden Jahren weitere 6,5 Millionen Euro für den Aufbau von Fraunhofer-Einrichtungen zur Verfügung stellen. Hinzu kommt zukünftig die anteilige Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft durch Hamburg in Höhe von aufwachsend etwa 0,55 bis 0,85 Millionen Euro pro Jahr. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Forschungsorganisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa.

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung: „Die Ansiedlung der Fraunhofer-Gesellschaft in Hamburg ist von großer wissenschaftspolitischer Bedeutung. In Hamburg sind bereits seit langem international renommierte Institute der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft ansässig. Mit dem Beitritt zur Bund-Länder-Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft werden zukünftig Einrichtungen sämtlicher von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten Forschungsorganisationen in der Hansestadt vertreten sein. Neben dem konkreten Nutzen für die Forschungsinfrastruktur in Hamburg ist dies auch ein wichtiges Signal für die ganze Stadt. Fraunhofer-Einrichtungen arbeiten regelmäßig eng mit Hochschulen und anderen außeruniversitären Einrichtungen am Standort zusammen, so zum Beispiel bei der Beantragung großer Verbundforschungsanträge. Die drei zur Förderung vorgesehenen Forschungseinrichtungen arbeiten folglich eng mit Hamburger Hochschulen zusammen und ergänzen die durch den Senat besonders geförderten Schwerpunktbereiche Energiewende, Lebenswissenschaften und maritime Wirtschaft.“

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Hamburg ist wirtschaftlich und wissenschaftlich gesehen ein Spitzenstandort. Wir haben hervorragende Hochschulen und einen ungemeinen Branchenmix am Standort. Der Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft funktioniert in beide Richtungen. Hervorragende Bedingungen für Wissenschaft und Innovation sind die unabdingbare Grundlage für hohe Beschäftigung, innovative Wirtschaftskraft, gesellschaftlichen Wohlstand und kulturelle Entwicklungen und folglich für die Attraktivität und Innovationsfähigkeit Hamburgs insgesamt. So ist die Entscheidung, aus Hamburg einen Fraunhofer-Standort zu machen, logisch und folgerichtig.“

Im Zuge des Beitritts zur Bund-Länder-Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft beabsichtigt der Senat, drei Hamburger Forschungseinrichtungen dauerhaft in Fraunhofer-Einrichtungen zu überführen:

• Mit dem Zentrum für Maritime Logistik (Center for Maritime Logistics and Services – CML) ist im Jahr 2010 ein erstes Fraunhofer-Zentrum mit einer fünfjährigen Aufbauphase in Hamburg gegründet worden. Die positive Entwicklung des CML ist zweieinhalb Jahre nach Beginn der Aufbauphase Anfang des Jahres 2013 im Rahmen einer Zwischenevaluation durch Vertreter der Fraunhofer-Gesellschaft, der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, der Behörde für Wissenschaft und Forschung und von fachkundigen Experten bestätigt worden. Dabei wurde festgestellt, dass alle bis dahin gesteckten Ziele des CML erfüllt oder übererfüllt wurden. Das CML führt professionelle Auftragsforschung für private und öffentliche Auftraggeber aus der maritimen Wirtschaft, u.a. für Häfen, Terminalbetreiber, Reedereien und Logistik-Dienstleister, durch. Dazu konzipiert, entwickelt und realisiert das Zentrum innovative und kundenorientierte Problemlösungen für die maritime Transportkette. Das CML arbeitet eng mit dem Institut für Maritime Logistik (MLS) an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) zusammen. Es soll zum 1. Januar 2015 dauerhafte Fraunhofer-Einrichtung in Anbindung an das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund werden.

• Die European ScreeningPort GmbH (ESP) ist ein Zentrum für moderne Wirkstoffforschung und ein hoch spezialisierter Anbieter für die Auftragsforschung in der vorklinischen Medikamentenentwicklung mit dem Schwerpunkt „Screening“. Gesellschafter sind die Freie und Hansestadt Hamburg und das Hamburger TecDax Unternehmen Evotec AG. Das sogenannte Screening steht am Übergang von der biomedizinischen Grundlagenforschung hin zu Anwendungen für die Industrie. Der ESP arbeitet eng mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zusammen. Mit seiner Ausstattung hat sich der ESP als eines der maßgeblichen Auftragsforschungsinstitute für die akademische Medikamentenentwicklung in Europa etabliert. Der ESP soll bis Jahresmitte in die Fraunhofer-Gesellschaft in Anbindung an das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) in Aachen überführt werden.

• Um die Erneuerbaren Energien als Schwerpunktbereich in Hamburg weiter auszubauen, ist der Aufbau eines sogenannten Anwendungszentrums „Leistungselektronik für Regenerative Energiesysteme“ (ALR) bis Jahresmitte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) als Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie (ISIT) in Schleswig Holstein geplant. Mit dem Aufbau von sogenannten Anwendungszentren verfolgt die Fraunhofer-Gesellschaft seit dem Jahr 2012 das Ziel, die Zusammenarbeit von Fraunhofer-Instituten mit Fachhochschulen zu ermöglichen. Zuvor war die institutionelle Zusammenarbeit allein den Universitäten vorbehalten. Fachhochschulen spielen eine tragende Rolle in der Ausbildung von Fach- und Führungskräften und bilden insbesondere für die regional ansässige Industrie einen wichtigen Talentpool für die Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daneben gewinnen Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen zunehmend an Bedeutung, häufig verbunden mit einer starken regionalen Wirkung.

Hintergrund Forschungs- und Innovationspolitik des Senats

Die Fraunhofer-Strategie fügt sich in die Politik des Senats ein, Hamburg zu einem führenden Standort für Forschung und Innovation in Europa zu machen. In der Forschung treibt der Senat den Ausbau der Profile der Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter voran. Dabei sollen vorhandene Forschungsschwerpunkte, in denen zum Teil bereits internationales Spitzenniveau erreicht wurde, weiter ausgebaut und gestärkt werden (z.B. in der Klimaforschung, der naturwissenschaftlichen Strukturforschung oder den Lebenswissenschaften/Medizin). Über die gezielte Entwicklung von Potenzialbereichen sollen weitere Forschungsbereiche an das internationale Spitzenniveau herangeführt werden.

Ein national und international beachteter Meilenstein auf diesem Weg ist die beschlossene Einrichtung des neuen Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) auf dem Forschungscampus Bahrenfeld. Die Einrichtung eines neuen Instituts durch die Max-Planck-Gesellschaft an sich ist eine Auszeichnung für den Wissenschaftsstandort Hamburg und ermöglicht für die Zukunft ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten. Mit dem Centre for Structural Systems Biology (CSSB) beteiligt sich der Senat daran, eine weitere Forschungseinrichtung in Hamburg anzusiedeln, die das Potenzial für internationale Spitzenforschung hat. Neben den Baukosten beabsichtigt der Senat im kommenden Haushalt auch die anteiligen Betriebskosten für die European X-Ray Electron Laser Facility (XFEL) zur Verfügung zu stellen und damit gemeinsam mit einem internationalen Konsortium die Voraussetzungen für den baldigen Betriebsbeginn des größten Forschungsinfrastrukturprojektes in Europa zu schaffen.

Mit der nachhaltigen Förderung der beiden Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) und „Hamburg Centre for Ultrafast Imaging“ (HCUI) bis zum Jahr 2022 im Haushalt schafft der Senat für die beiden ausgewiesenen Forschungsschwerpunkte zudem eine langfristige, solide und verlässliche Finanzierung. Parallel sorgt er für die bauliche Unterbringung der Exzellenzcluster: Der Neubau für das Exzellenzcluster CliSAP in einem Neubau an der Bundesstraße ist kurz vor der Umsetzung. Für das Exzellenzcluster HCUI ist ein Neubau auf dem Campus Bahrenfeld geplant.

Um das Potential für Existenzgründungen aus der Wissenschaft und die Entwicklung von Technologieunternehmen besser zu erschließen, hat der Senat gemeinsam mit Partnern der InnovationsAllianz Hamburg 2013 eine Projektgruppe ins Leben gerufen, mit dem Ziel, in Hamburg sukzessive ein Netz von Forschungs- und Innovations-Parks (F&I-Parks) mit ausgesuchten Themenschwerpunkten zu etablieren. Bei F&I-Parks handelt es sich um Einrichtungen und Gewerbeflächen für den Technologie- bzw. Wissenstransfer, in denen Wirtschaft und Wissenschaft anwendungsorientiert forschen und entwickeln. Der Fokus soll zunächst auf den drei Standorten Altona, Bergedorf und Harburg liegen, weil dort Wissenschaftseinrichtungen gute Startvoraussetzungen bieten. Mit dem Energie Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dem Innovation Campus for Green Technologies (ICGT) und dem in Planung befindlichen Inkubator am DESY soll an jedem der Standorte ein Nukleus für die Herausbildung eines wissenschaftlichen Umfeldes für angewandte Forschung sowie die Gründung und Ansiedlung innovativer Unternehmen entstehen.

Hintergrund Fraunhofer-Gesellschaft

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist mit rund 23 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa und betreibt derzeit 67 Institute und Forschungseinrichtungen. Mit ihrer zentralen Aufgabe »Forschen für die Praxis« prägt Fraunhofer in enger Kooperation mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft und der öffentlichen Hand den Innovationsprozess und die Entwicklung von Schlüsseltechnologien. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die Bedürfnisse des Menschen hinsichtlich Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität, Energie und Umwelt. Internationale Standorte und Repräsentanzen sorgen für Kontakte zu den wichtigsten Wissenschafts- und Wirtschaftsräumen. Rund zwei Milliarden Euro Forschungsvolumen jährlich unterstreichen die Bedeutung der Fraunhofer-Gesellschaft in der angewandten Forschung. Über 70 Prozent werden mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten erwirtschaftet, knapp 30 Prozent wird von Bund und Ländern als Grundfinanzierung beigesteuert.

 

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