• 28. November 2019
  • 10:12
  • Umwelt

Hamburg schützt Ökosystem im Hafen: Umweltbehörde unterstützt europaweit erstmaliges Pilotprojekt zur Reinigung von Ballastwasser

Cholera-Bakterien aus Singapur, Algen aus Shenzhen oder Krebse vom Golf von Mexiko: Von vielen Seeschiffen geht eine Gefahr für das Hamburger Ökosystem aus. Denn an Bord geladenes Ballastwasser ist häufig mit Organismen belastet; wird es ungefiltert ins Hafenwasser abgegeben, kann schnell das empfindliche ökologische Gleichgewicht durcheinandergeraten.

Seit dem 1. November 2019 ist deshalb eine mobile Ballastwasser-Reinigungsanlage in Hamburg in Betrieb – die erste in einem europäischen Hafen. Schirmherr der Testphase ist die Behörde für Umwelt und Energie in Hamburg, die das Projekt mit 300.000 Euro bezuschusst.

Umweltsenator Jens Kerstan: „Als erster europäischer Hafen fördert Hamburg eine solche Anlage, und zwar mit gut 300.000 Euro. Dieses Pilotprojekt ist es wert. Denn mit der Anlage schaffen wir eine umweltfreundliche Nach-Behandlung von Ballastwasser, ohne den Einsatz schädlicher Chemikalien, die das Hafenwasser verschmutzen. Wir schützen so unser ökologisches Gleichgewicht und leisten einen Beitrag gegen die Ausbreitung invasiver Arten.“

Betrieben wird die Anlage vom Hamburger Entsorgungsspezialisten Jongen. Das Projekt findet in Kooperation mit der holländischen Firma Damen Green Solution statt; der Testzeitraum ist zunächst auf drei Monate angelegt. Die Stadt reagiert mit der hochmodernen Anlage auf die neuen Vorschriften der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation, die es zum Ziel haben, durch Ballastwasser verursachten Schäden an der Meeresumwelt zu mildern. Schiffe, die keine eigene Aufbereitungsanlage an Bord haben, und nicht 200 Seemeilen vor der Küste ihr Ballastwasser gewechselt haben, sind verpflichtet, einen Nachweis über den fachgerechten Tausch vorzuweisen. Die von der Jongen GmbH eingesetzte Anlage Invasave 300 ist mobil auf einem Ponton befestigt, was ihren Einsatz besonders flexibel macht – 300 Kubikmeter Wasser können durch sie pro Stunde von Keimen und Kleinstmeerestieren befreit werden. Nach erfolgreicher Bearbeitung des Ballastwassers erhält das Schiff das vorgeschriebene Zertifikat. Ebenso kann die Anlage aufbereitetes Wasser dem Schiff übergeben. Die Behörde für Umwelt und Energie hat bei der Auswahl der Anlage besonders Wert auf eine schonende Behandlung mittels UV-Licht gelegt, sodass die Gewässer keiner Belastung ausgesetzt werden.

Balastwasser
Seeschiffe pumpen üblicherweise Seewasser in spezielle Tanks, damit ihr Gewichtsschwerpunkt tief genug im Wasser liegt und sie auch mit weniger Ladung stabiler fahren können. Über das Wasser gelangen Mikroorganismen in die Tanks. Wird das Wasser nun abgelassen, werden etwa Bakterien, Algen oder Meerestiere in andere Ökosysteme eingeschwemmt. Das kann das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören und heimische Spezies verdrängen.

Balastwasser-Übereinkommen
Das Ballastwasser-Übereinkommen wurde 2004 verabschiedetet und ist seit dem 8. September 2017 global in Kraft. Ziel des Abkommens ist es, Schäden an der Meeresumwelt abzumildern. Seit diesem Jahr müssen Schiffe den D2-Standard einhalten. Das bedeutet, dass Schiffe in Küstennähe nur behandeltes Ballastwasser ins Meer einleiten dürfen, in welchem sich weniger als zehn lebensfähigen Organismen pro Kubikmeter befinden.

Jongen
Die Jongen GmbH ist ein Spezialist für Altöl-, Abwasser- und Abfallentsorgung von Schiffen im Hamburger Hafen. Für die Hamburger Umweltbehörde ist Jongen Partner bei der Bekämpfung von Ölunfällen im Hamburger Hafen und hält hochspezialisierte Kräfte 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr vor. Jongen gehört zur Bremer Dettmer-Group, die unter anderem in den Bereichen Schifffahrt, Luftfracht, Container-Packing, Lagerhaltung, Schienenlogistik sowie Entsorgung aktiv ist.

Pressekontakt

Behörde für Umwelt und Energie
Tel.: 040/42840 -8006 / -3065

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