• 09. November 2018
  • 09:54
  • Wirtschaft

Hafen Hamburg in Berlin – zuverlässiger Partner durch innovative Lösungen

Welche Herausforderungen stellt die geografische Lage des Hamburger Hafens und welche Lösungen bietet er?  Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Hamburger Hafenabends am 8. November in der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg in Berlin. So können die Waren via Hamburg relativ kostengünstig mit dem Seeschiff dicht an die Märkte und Verbraucher transportiert werden. Gleichzeitig stellt die 130 Kilometer lange Revierfahrt auf der Unterelbe besondere Anforderungen an die An- und Ablaufsteuerung insbesondere der Großcontainerschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Massengutfrachter. Darüber hinaus müssen die Güter aus dem Seehafen in das Hinterland weiterbefördert bzw. aus dem Hinterland zuverlässig herangebracht werden.
 

Über 100 Fachleute aus Wirtschaft und Politik der Häfen aus der Metropolregion Hamburg und der Region Deutschland-Ost nutzten die Einladung von Hafen Hamburg Marketing e.V. zum Erfahrungsaustausch und Networking. Verena Herb, Leiterin der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg in Berlin, verdeutlichte die Bedeutung des Hamburger Hafens für die deutsche Wirtschaft und wandte sich direkt an ihr Publikum: „Bei Hafenthemen vertrete ich gleichzeitig Ihre Interessen.“ Dabei unterstrich sie, dass neben dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur auch innovative Lösungen zur Bewältigung der Verkehrsströme notwendig seien und Hamburg in vielen Feldern eine Vorreiterrolle ausübe. „Wir sehen es als Anerkennung der bisherigen Leistungen, wenn wir 2021 Gastgeber für den ITS-World-Congress sein dürfen, auf dem sich Fachleute über aktuelle Entwicklungen zur intelligenten Transportsteuerung austauschen. Hamburger Unternehmen werden dort die Umsetzung innovativer Lösungen vorstellen“, so Herb weiter.
 

Ingo Egloff, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V., informierte über den Start der längst überfälligen Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe. Seit Herbst dieses Jahres liegt Baurecht vor, die ersten konkreten Arbeiten haben begonnen. Egloff stellte die Fertigstellung bis 2021 in Aussicht, bereits früher wird eine Begegnungsbox fertiggestellt sein, die mehr Zeitfenster für das Ein- und Auslaufen von Großschiffen zur Verfügung stellen wird. „Durch die Fahrrinnenanpassung wird die Wettbewerbssituation Hamburgs deutlich verbessert, so dass wir Ladungen annehmen können, die bisher aus Kapazitätsgründen nicht über Hamburg verladen werden können“, betonte Egloff und nannte schwere Chemiecontainer aus dem Westen Deutschlands als Beispiel. Er unterstrich, dass sich Hafen Hamburg Marketing auch weiterhin für den Ausbau der Infrastruktur im Hinterland stark machen wird, so für die Schleuse Lüneburg im Elbeseiten-Kanal, aber auch die Umsetzung des Gesamtkonzepts Elbe. Neben reinen Ausbaumaßnahmen seien aber auch Maßnahmen umzusetzen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Binnenschiffs deutlich verbessern werden, zum Beispiel die Abschaffung der Kanalabgaben, die zum Jahresende 2018 versprochen waren. Als besonders wichtiges Thema für alle deutschen See- aber auch Flughäfen nannte er die Angleichung der Regelungen zur Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer an die der Nachbarländer, damit „auch weiterhin eine Wertschöpfung und nicht zuletzt Steuerzahlung in Deutschland stattfindet“ unterstrich er die Notwendigkeit einer schnellen Lösung. Egloff machte deutlich, dass Hamburg für die Kunden des Hamburger Hafens durch exzellente Bahnanbindung, guter Straßenanbindung und – trotz des historischen Niedrigwassers auf der Elbe – auch guter Binnenschiffsanbindung über Kanäle bereits heute gut aufgestellt ist und entsprechend angenommen wird.
 

Die Komplexität der Abläufe im Hamburger Hafen wurde von Gerald Hirt, Geschäftsführer der HVCC Hamburg Vessel Coordination Center GmbH, verdeutlicht. Seit 2009 wird ein Großteil der Feederverkehre und seit 2015 auch der An- und Abläufe von Schiffen über 30 Meter Breite durch das HVCC gesteuert. „Weltweit einzigartig ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten in der Transportkette auf privatwirtschaftlicher Basis. Als Joint Venture von HHLA und Eurogate hat sich HVCC zu einem wichtigen Steuerungsinstrument im Hamburger Hafen entwickelt und sorgt rund um die Uhr für reibungslosere Abläufe“, hob Hirt hervor.

Der Schlüssel zum Erfolg sei dabei das mehrdimensionale Lagebild auf der Elbe und im Hafen, über das HVCC verfügt. Dieses geht weit über das direkte Betrachtungsfeld des Hamburger Hafens hinaus, der geografische Fokus beginnt bereits mit der Schiffspassage von Gibraltar. Durch Einbeziehung von Abfertigungsdaten europäischer Vorhäfen wird das Lagebild ständig aktualisiert, so dass der Bereich NTK (Nautische Terminal Koordination) in der Lage ist, den Reedern und Terminals eine Passageplanung zu erstellen. Mit deren Hilfe kann beispielsweise die Schiffsgeschwindigkeit so optimiert werden, dass unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren die optimale Einfahrt in die Elbe und zu den Terminals erfolgen kann. „Das führt nicht nur zu einer Optimierung der Abläufe in der Transportkette, sondern hat auch einen ökologischen Aspekt. Bei Reduzierung der Geschwindigkeit eines 18.000 TEU-Containerschiffs auf der Strecke von Rotterdam nach Hamburg um vier Knoten werden etwa 22 Tonnen Bunkerersparnis erzielt und die CO2-Emission um 66 Tonnen pro Schiff reduziert“, erläuterte Hirt den Nutzen des Verfahrens. Die Koordination der Feederverkehre durch den Bereich FLZ (Feeder Logistik Zentrale) ergibt eine win-win-Situation für die beteiligten Reeder und Terminals. So wurden im letzten Jahr rund 2.000 Schiffsbetriebsstunden eingespart, gleichzeitig kurzfristige Änderungen der Staupläne möglich und die Terminalauslastung verbessert. „Besonders freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, auch die ersten Binnenschiffsunternehmen in unser System zu integrieren, mit weiteren sind wir im Gespräch“, rundete Hirt das Leistungsportfolio ab.
Fortwährende Optimierung des Systems und neue Projekte helfen, die Leistungsfähigkeit des Systems im Interesse der Kunden des Hamburger Hafens zu steigern. So stehen die Vernetzung mit Vor- und Folgehäfen bis hin zu einem cloud-basierten Datenaustausch sowie die Schaffung einer eigenen Binnenschiffsplattform auf der Agenda. „Wir sind damit wohl ein Stück der Theorie voraus, die für die Schifffahrt durch die Vernetzung von Schiffen und Häfen eine höhere Effizienz versprechen. Wir liefern bereits!“, hob Hirt hervor.

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