10. Oktober 201412:12Hinterland

Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe ist auch für die tschechische Wirtschaft von großer Bedeutung

Der Hamburger Hafen ist mit seiner exzellenten seeseitigen Anbindung an die Weltmärkte der bedeutendste Überseehafen für den tschechischen und slowakischen Außenhandel. Ein guter Grund, für Hafen Hamburg Marketing einmal im Jahr in Prag zu einem Hafenabend für die Vertreter aus Verkehrswirtschaft, Industrie, Handel, Institutionen und Verbände einzuladen. „Wir rechnen dieses Jahr im seeseitigen Außenhandel unseres Landes mit einem Gesamtvolumen von 600.000 TEU. Rund 57 Prozent davon werden über den Hamburger Hafen umgeschlagen. Die Transportkette über Hamburg ist nicht nur streckenmäßig die kürzeste, sondern dank der guten Containerzugverbindungen auch die umweltfreundlichste. Die Wirtschaft in der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik registriert mit großer Besorgnis, dass die Entscheidung zur Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe durch das deutsche Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ausgesetzt wurde und dadurch noch einmal Zeit bis zu einer Entscheidung und dem Baubeginn vergeht. Die Fahrrinnenanpassung ist auch für Deutschlands Nachbarstaaten von größter Bedeutung. Wir brauchen dringend einen nicht nur landseitig sondern auch seeseitig gut erreichbaren Hamburger Hafen. Hamburg ist für uns das Tor zur Welt“, betonten Bohumil Prusa, Hafen Hamburg Marketing Repräsentant in Prag und Ingo Egloff, Vorstand Hafen Hamburg Marketing in ihren Begrüßungsworten.

„Für die Tschechische Republik ist die Elbe als Zugang zum europäischen Wasserstraßennetz lebensnotwendig zur umweltfreundlichen Abwicklung unserer Güterverkehre. Wir müssen uns weiterhin gemeinsam mit unseren Partnern in der Metropolregion Hamburg dafür einsetzen, unsere Interessen gegenüber den Bundesregierungen und der EU zu vertreten und die Schiffbarkeit der gesamten Elbe zu verbessern“, sagte der stellvertretende Verkehrsminister der Tschechischen Republik, Karel Dobeš auf dem Hafenabend. Auch vor dem Hintergrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie haben die Anpassung von Flüssen und der seeseitige Zugang zum Hamburger Hafen im Bereich Unter- und Außenelbe einen besonderen Stellenwert bekommen. Dobeš bedankte sich in seinen Grußworten darüber hinaus bei Hafen Hamburg Marketing für die gute Kooperation und Unterstützung der Tschechischen Republik, insbesondere bei Themen wie dem Ausbau und der stärkeren Nutzung der Elbe als wichtigen Verkehrsweg für Tschechiens Außenhandel.

Die rund 250 Gäste des Hafenabends teilten die Auffassung von Ingo Egloff und Bohumil Prusa, dass es sehr bedauerlich sei, dass der 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts die Entscheidung über die Fahrrinnenanpassung noch einmal verschoben hat. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes über die Auslegung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird erst im Frühjahr 2015 erwartet.

Ingo Egloff geht davon aus, dass es mit Verzögerung zur Fahrrinnenanpassung kommen wird. „Wir hätten uns auch gewünscht, dass es zu einer schnelleren Entscheidung kommt. Insgesamt stellt sich aber die Frage, was im Planungsrecht geändert werden muss, damit große Infrastrukturprojekte in Deutschland überhaupt noch realisiert werden können“, sagte Egloff.

Im Jahr 2013 wurden bereits 894 Schiffe mit über 330 Meter Länge und/oder 45 Meter Breite in Hamburg abgefertigt, Tendenz weiter steigend. Um den Verkehrsfluss bei der weiter steigenden Zahl dieser großen Schiffe effizient und sicher zu steuern, ist die Fahrrinnenanpassung enorm wichtig, insbesondere was den Begegnungsverkehr durch den Bau der neuen Begegnungsboxen angeht.

Der Hafen Hamburg Marketing Vorstand sieht insgesamt optimistisch in die Zukunft. Hamburg hat in den vergangenen Jahren bereits einen Milliardenbetrag in den Hafen investiert, allein in die Hafenbahn 300 Millionen Euro. Auch in der Zukunft wird Hamburg in den Hafen investieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, mithilfe neuer IT-Lösungen die Verkehrslenkung zu optimieren und auch die Steuerung des Binnenschiffsverkehrs in die Feeder-Logistik-Zentrale (FLZ) zu integrieren.

Hamburg und Tschechien können auf eine lange Verbundenheit zurückblicken. Seit dem 14. Jahrhundert ist Hamburg einer der wichtigsten Handelspartner und Umschlaghafen für Waren aus und für Tschechien. Hamburg ist heute für den seeseitigen Außenhandel Tschechiens traditionell der bedeutendste Hafen. 2013 wurden über Hamburg rund 213.000 TEU für den tschechischen Markt umgeschlagen. Das sind 60 Prozent des Gesamtaufkommens Tschechiens. Seit 1990 ist Hamburg in der Marktregion Tschechien/Slowakei mit einer eigenen Repräsentanz in Prag vertreten. Außerdem ist Tschechien im Seehafenhinterlandverkehr Hamburgs zunehmend auch eine Verkehrsdrehscheibe im Transitverkehr für die Slowakei, Österreich und Ungarn. Im Jahr 2013 wurden zwischen Hamburg und den tschechischen Hubs inklusive der Transitverkehre insgesamt rund 433.000 TEU transportiert. Das ist ein Zuwachs von 5,2 Prozent. Der Containerverkehr wird zu 80 Prozent mit der Eisenbahn abgewickelt. Wöchentlich fahren 80 direkte Containerzüge zwischen dem Hamburger Hafen und Tschechien. Die traditionell vorhandene Binnenschiffsverbindung zwischen Hamburg und Tschechien soll wieder belebt werden und mehr Gütertransport auf dem Wasserweg stattfinden. Der Hamburger Hafen kann dabei auf seine sehr guten Beziehungen in Tschechien bauen und gemeinsam mit den tschechischen Partnern die für die Zukunft wichtigen Projekte angehen.

 

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