10. März 201510:47Wirtschaft

Eine lebendige Hafenpartnerschaft – Hamburg, Kiel und Lübeck verstärken ihre Zusammenarbeit mit Klaipėda

Für die litauische Hafen- und Logistikwirtschaft ist 2015 ein vielversprechendes Jahr: Die Euroeinführung soll Kosten senken und Planungssicherheit erhöhen, milliardenstarke EU-Fördermittel beschleunigen den Infrastrukturausbau und ein neues schwimmendes LNG-Terminal schafft ein Stück Unabhängigkeit bei der Gasversorgung. Gleichzeitig stellen die politisch-ökonomischen Unsicherheiten beim wichtigsten Handelspartner Russland und die seit Anfang des Jahres geltenden SECA-Richtlinien die Branche vor große Herausforderungen. Die aktuellen Entwicklungen in Litauen boten einen spannenden Hintergrund für ein gemeinsames Informationsforum in Klaipėda und eröffnen neue Felder für eine stärkere Zusammenarbeit der Häfen.

Trotz des sehr volatilen Umfeldes prognostiziert die EU-Kommission Litauen für 2015 ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent. Damit sollen auch die Importe und Exporte des Landes weiter ansteigen. Die Exporte aus Litauen haben sich innerhalb der letzten vier Jahre mehr als verdoppelt. Eine sehr wichtige Rolle für den litauischen Außenhandel nimmt der Hafen Klaipėda ein. Er ist der größte Hafen des Landes und durch seine günstige Ostseelage eine sehr bedeutende Verkehrsdrehscheibe für Weißrussland, die Ukraine, Russland, Kasachstan und Moldawien. 2014 wurden in Klaipėda mehr als 450.000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer) umgeschlagen – das entspricht einem Wachstum von 23 Prozent und einer neuen Rekordmarke. Für zusätzliche Wachstumsimpulse sollten 2015 die anlaufenden EU-Förderprogramme, wie die neue Bahnlinie „Rail Baltica“ zwischen Estland-Lettland-Litauen und Polen, sorgen.

Durch regelmäßige Feeder- und Shortsea-Liniendienste ist der Hafen Klaipėda sehr gut mit dem Hamburger Hafen verbunden. 2014 wurden zwischen Hamburg und Klaipėda seeseitig rund 84.000 TEU transportiert, darunter sowohl import- als auch exportseitig überwiegend Chemische Erzeugnisse, Nahrungs- und Genussmittel sowie Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft. Auch der Kieler Seehafen ist ausgezeichnet mit Klaipėda vernetzt – seit über 22 Jahren verbindet ein Ro/Ro-Dienst für Fahrzeuge und andere rollende Ladung die beiden Häfen. Eine regelmäßige Verbindung zwischen Lübeck und Klaipėda wird zurzeit von der Lübecker Hafengesellschaft mit entsprechenden Partnern vor Ort diskutiert.

Gemeinsam mit der Klaipėda State Seaport Authority und der Association of Lithuanian Stevedoring Companies lud Hafen Hamburg Marketing am 5./6. März erstmals zu einer Informations- und Networking-Veranstaltung, inklusive einer Besichtigung des größten litauischen Hafens, nach Klaipėda ein. Unter den 150 Gästen waren die wichtigsten Akteure der litauischen Hafen- und Transportwirtschaft sowie Vertreter der Häfen aus Hamburg, Kiel und Lübeck, die seit vielen Jahren gute Beziehungen zum Hafen Klaipėda pflegen. Es war eine Premiere, dass drei deutsche Partnerhäfen gleichzeitig zu Besuch in Klaipėda waren.

Die Teilnehmer wurden von den Gastgebern sowie dem Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Klaipėda, Dr. Arūnas Baublys, und dem Bürgermeister der Stadt Klaipėda, Vytautas Grubliauskas, begrüßt. Die Impulsvorträge der Hafenvertreter aus Hamburg, Kiel und Lübeck zur Effizienz und Umweltfreundlichkeit von Häfen, intermodalen Hinterland-Netzwerken und Herausforderungen der Zukunft wurden durch eine anschließende Podiumsdiskussion mit den Experten aus Litauen ergänzt. Durch den Abend und die Podiumsdiskussion führte Marina Rimpo, die bei Hafen Hamburg Marketing e.V. den Bereich „Marktentwicklung Ostseeregion“ leitet und die Entwicklungen und Herausforderungen in der für Hamburg wichtigen Marktregion genauestens beobachtet.

Trotz der konjunkturellen und politischen Unsicherheiten in Russland und der Ukraine konnte die litauische Logistikbranche ihre Wertschöpfung im letzten Jahr steigern. Arvydas Vaitkus, Geschäftsführer der Klaipėda State Seaport Authority, freute sich, dass sich die vielfältige Aufstellung des Hafens Klaipėda als Universalhafen bewährt hat und 2014 zu einem Rekordergebnis von 36,41 Millionen Tonnen führte. So wurde der Hafen von den Rückgängen der russischen Transitladung kaum bis gar nicht betroffen. Christian Göllner, Geschäftsführer der Göllner Spedition GmbH, betonte, dass es im Transportgeschäft vor allem auf Langfristigkeit und Verlässlichkeit ankäme und es deshalb besonders wichtig sei, den Gesprächsfaden mit Partnern in Russland nicht abreißen zu lassen und wo möglich weiter zusammenzuarbeiten. Dabei waren sich alle Teilnehmer einig. „Eine verstärkte Zusammenarbeit in dieser schwierigen Zeit wird nicht nur der russischen Wirtschaft helfen, sondern insbesondere auch der Bevölkerung, die von den Sanktionen und den Währungswertverlusten sehr stark betroffen ist“, ergänzte Ingo Egloff, Hafen Hamburg Marketing Vorstand.

Am Folgetag luden die litauischen Gastgeber die Teilnehmer noch zu Vorträgen über Entwicklungspläne ihres Hafens, zu einer Hafenrundfahrt und zum allgemeinen Informationsaustausch ein. Bei der Hafenfahrt zeigten sich die Gäste aus Deutschland besonders von dem schwimmenden LNG-Terminal beeindruckt. „Independence“ – Unabhängigkeit – heißt das erste LNG-Terminal im Baltikum, das Anfang 2015 in Betrieb genommen wurde und die Versorgungssicherheit des Landes erhöht. Mit Flüssiggas beliefert wird es zunächst von der norwegischen Statoil, mit weiteren Lieferanten finden Gespräche statt. Die Klaipeda State Seaport Authority plant in der Zukunft auch das Bebunkern von Schiffen im Hafen mit LNG und will damit einen weiteren Beitrag für die Umweltverträglichkeit leisten.

„Alle Häfen, ob in Norddeutschland oder Litauen, agieren derzeit in einem Umfeld, das durch die Ukraine-Krise, eine schwache russische Wirtschaft und neue Umweltauflagen beeinträchtigt ist. Der Zeitpunkt der ersten gemeinsamen Veranstaltung wurde daher ganz bewusst von uns gewählt. Themen, wie z.B. Investitionen in die Infrastruktur und Vermietung der Flächen, betreffen uns alle. Unsere Partner in Litauen wünschen sich daher sowohl auf der politischen als auch wirtschaftlichen Ebene mehr Unterstützung durch Partner aus Deutschland. Ich freue mich sehr, dass unsere erste Veranstaltung einen Startschuss für eine noch intensivere Zusammenarbeit gegeben hat“, resümierte Marina Rimpo nach der Veranstaltung.

 

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