• 21. August 2020
  • 11:00
  • Wirtschaft

Corona-Pandemie führt im Hamburger Hafen zu einem Rückgang beim Seegüterumschlag

  • Seegüterumschlag im ersten Halbjahr 2020 beträgt 61,2 Millionen Tonnen
    (-12,0 Prozent).
  • Containerumschlag kommt in den ersten sechs Monaten auf 4,1 Millionen TEU (-12,4 Prozent).

Die weltweit spürbaren negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie wirken sich auch auf die Umschlagentwicklung von Deutschlands größten Universalhafen aus. So wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres im Hamburger Hafen nur 61,2 Millionen Tonnen Seegüter an den Terminals geladen oder gelöscht. Das ist ein Rückgang von 12,0 Prozent. Betroffen sind beide Hauptumschlagsegmente. Der Stückgutumschlag mit 42,5 Millionen Tonnen (-12,2 Prozent) und der Massengutumschlag mit 18,7 Millionen Tonnen (-11,7 Prozent) blieben beide deutlich unter dem guten Vorjahresergebnis. Im Segment Containerumschlag wurden in Hamburg im ersten Halbjahr insgesamt 4,1 Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer) über die Kaikanten gehoben. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang von 12,4 Prozent.

 
 
 

 
„Uns erfreut die Entwicklung natürlich nicht, aber der pandemiebedingte Umschlagrückgang im ersten Halbjahr hat alle Häfen in Nordeuropa stark getroffen. Er ist aufgrund der weltweit schwachen Konjunktur und der teilweise eingestellten oder nur sehr verzögert laufenden globalen Lieferketten wie erwartet im zweiten Quartal stärker ausgefallen als in den ersten drei Monaten“, sagt Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V.
 
Wichtig sei aber, dass der Hafen unverändert seine Umschlag- und Logistikservices 24/7 erbringt. Die verlässliche Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft mit Gütern und Rohstoffen läuft auch unter den schwierigen weltwirtschaftlichen Bedingungen sicher, betont Mattern. „Der Hafen ist mit seinen Umschlagterminals, Logistik- und Servicebetrieben sowie den Transportverbindungen mit dem Binnenland voll betriebsfähig. Das wissen unsere Kunden zu schätzen und gibt den Mitarbeitern Sicherheit“, sagt Mattern.
 
Den größten Volumenrückgang gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beim Import. Der Import fiel insgesamt mit 33,7 Millionen Tonnen (-16,3 Prozent) in den ersten sechs Monaten deutlich schwächer als der Export aus, der mit insgesamt 27,5 Millionen Tonnen (-6,1 Prozent) nur einen einstelligen Rückgang verzeichnet. Auf der Importseite führten vor allem die gesunkene Stahlproduktion zu weniger Umschlag von Erz und Kohle. In den Teilsegmenten Greifergut und Flüssigladung wurden insgesamt Rückgänge von 24,0 Prozent bzw. 10,5 Prozent ermittelt. Dagegen entwickelte sich im ersten Halbjahr der Umschlag von Agribulk im Segment Sauggut positiv und erreichte ein Volumen von 4,1 Millionen Tonnen (+30,8 Prozent). Deutlich mehr Exporte von Getreide und Düngemittel sind hier vor allem die Ursache für die sehr gute Umschlagentwicklung im ersten Halbjahr.
 
Beim Containerumschlag mit den vom Volumen her wichtigsten zehn Handelspartnern des Hamburger Hafens verlief die Entwicklung in den ersten sechs Monaten sehr unterschiedlich. Sechs Länder weisen bis auf Dänemark deutlich zweistellige Rückgänge auf. Vor allem der Einbruch im seeseitigen Containerumschlag mit China (-16,4 Prozent), Hamburgs mit Abstand wichtigstem Handelspartner, konnte nicht durch positive Entwicklungen anderer Länder ausgeglichen werden. Hinzu kommt, dass neben China auch Russland (-14,9 Prozent), Schweden (-13,3 Prozent), Südkorea (-14,4 Prozent), Dänemark (-2,7 Prozent) und Polen (-10,5 Prozent) Rückgänge im seeseitigen Containerumschlag aufweisen. „Das Runterfahren der chinesischen Wirtschaft und die als Folge ausgesetzten Abfahrten der Liniendienste – Blank Sailings in der Schifffahrt – führten zu geringeren Umschlagmengen. Diese Auswirkungen sind zeitlich versetzt in das Ergebnis für das erste Halbjahr eingeflossen“, erläutert Mattern, der aber bereits seit Juli eine erste Erholung der Chinaverkehre auf der Import- und Exportseite feststellt.
 
Zu den Handelspartnern mit einem Zuwachs zählen neben den USA (+1,7 Prozent), Singapur (+5,5 Prozent), das Vereinigte Königreich (+39,0 Prozent) und Malaysia (+1,7 Prozent).
Für die im Ranking der Containerpartner auf Position zwei folgenden USA konnte im ersten Halbjahr mit insgesamt 288.000 TEU noch ein Wachstum von 1,7 Prozent verzeichnet werden. „Diese auffällig gute Entwicklung ist auf vier Anfang 2019 in Hamburg gestartete Transatlantikdienste zurückzuführen, die sich inzwischen sehr gut entwickeln konnten und für größere Umschlagmengen vor allem im Containerverkehr mit den USA sorgen“, sagt Mattern. Auch das auf dritter Position liegende Singapur erreicht mit 212.000 TEU in den ersten sechs Monaten ein Plus von 5,5 Prozent. Einen bedeutenden Anteil an diesem Zuwachs erbringen nach Einschätzung von Mattern die via Singapur gerouteten Transhipmentverkehre mit Ländern der Region. Aus Großbritannien wird vor allem Leercontainer-Equipment für die deutsche Industrie geliefert.
 
Für die kommenden Monate gehen Axel Mattern und sein Vorstandskollege Ingo Egloff davon aus, dass sich der Hamburger Hafen zunächst noch auf eine Fortsetzung der Blank Sailings und einen eher langsam wieder anziehenden Gesamtumschlag einstellen kann. „In den beiden letzten Monaten wurde mit dem langsamen Anfahren der Wirtschaft in China und in Europa eine Stabilisierung bei den Schiffsabfahrten erreicht. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Talsohle der pandemiebedingten Rückgänge im Seegüterumschlag inzwischen erreicht haben und wir in der Wirtschaft eine erste spürbare Erholung und Besserung der Lage zum Jahresende feststellen werden“, erläutert Ingo Egloff. So ist die Produktion im produzierenden Gewerbe im Juni bereits um 8,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, liegt im Vergleich des Vorjahres aber um fast 12 Prozent niedriger. Das zeige die Dramatik der wirtschaftlichen Entwicklung, so Egloff. Der Einbruch in der Wirtschaftsleistung war noch nie so stark seit Bestehen der Bundesrepublik. „Selbst wenn die Exportwirtschaft Zuwächse vermeldet, wird es dauern, bis wir wieder auf Vorkrisenniveau sind. Und dabei haben wir Handelskriege, Sanktionen, Corona-Ausbrüche in anderen Teilen der Welt noch gar nicht berücksichtigt. Hinzu kommt die Konsumzurückhaltung der Deutschen in einer Größenordnung von 130 Milliarden EUR. Auch das drückt natürlich auf den Import von Konsumgütern wie Textilien.“ Deshalb geht die Marketingorganisation des Hamburger Hafens davon aus, dass ein sehr gutes Umschlagergebnis wie aus dem Vorjahr in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen ist.

 

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