• 10. Juli 2020
  • 08:30
  • Wirtschaft

Chinas Wirtschaft auf dem Weg zur Normalität

Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2020 wieder gewachsen ist. Die Regierung beschloss auf dem diesjährigen Nationalen Volkskongress erstmals seit 1990 kein volkswirtschaftliches Wachstumsziel für das laufende Jahr festzulegen. Darüber hinaus wurde ein großes Konjunkturprogramm für besonders betroffene Firmen und Regionen beschlossen. Die aufgelisteten Maßnahmen summieren sich nach Berechnungen der internationalen Nachrichtenagentur Reuters auf rund 4,1 Prozent des BIP.

Während sich das produzierende Gewerbe nach Meldungen von Germany Trade & Invest schnell wieder erholt hat, entwickelte sich der Dienstleistungssektor aufgrund der fehlenden Nachfrage im Inland lange stockend. Seit vier aufeinanderfolgenden Monaten liegen nun aber sowohl der Purchasing Managers Index (PMI) des verarbeitenden Gewerbes (50,9 Punkte im Juni) als auch der des nichtverarbeitenden Gewerbes (54,4 Punkte im Juni) im positiven Bereich nach einem Rekordtief von 35,7 bzw. 29,6 Punkten während des landesweiten Lockdowns im Februar.

Insbesondere der Umsatz der chinesischen Automobilbranche ist in den letzten Monaten wieder gestiegen, da Verkäufer Rabatte und vergleichsweise günstige Preise anbieten. Darüber hinaus hat der Besitz eines eigenen Autos auch in der Volksrepublik durch die Pandemie an Beliebtheit gewonnen. Laut dem chinesischen Automobilindustrieverband betrug der Umsatz der Branche im Juni 337,6 Milliarden Renminbi (RMB), was einem Anstieg von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt lag der Absatz in den ersten fünf Monaten 2020 jedoch immer noch 22,6 Prozent unter dem Ergebnis des gleichen Zeitraumes im Vorjahr.

Im Juli wurden insgesamt 45 Blank Sailings für Liniendienste, die chinesische Häfen anlaufen, angemeldet, was einer Senkung um ca. 25 Prozent im Vergleich zum Juni entspricht. Der Containerumschlag aller chinesischen Häfen wuchs im Juni um 0,57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das beste Ergebnis dieses Monats unter allen chinesischen Seehäfen konnte der Hafen von Guangzhou erzielen, der mit einem Umschlag von über zwei Millionen TEU (Standardcontainer) sogar ein Rekordergebnis für einen einzelnen Monat vermelden konnte. Darüber hinaus wurden auch zwei neue internationale Liniendienste aufgenommen.

Pan Hua, Leiterin des Hamburg Liaison Office in Shanghai, berichtet, dass sich der Handel der chinesischen Häfen mit den Hinterlandmärkten prozentual besser entwickelt habe als der Außenhandel. Die Coronakrise habe viele Hersteller gezwungen, die für den Export bestimmten Waren auf dem chinesischen Markt zu verkaufen.

Der Bahnverkehr über die landseitigen Verbindungen zwischen China und Europa nimmt weiterhin zu. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres transportierten nach offiziellen chinesischen Angaben 3953 Züge ca. 355.000 TEU auf der sogenannten Neuen Seidenstraße. Die meisten Züge hatten laut provinzeigenen Statistiken in den Monaten Januar bis Mai ihren Ursprung in Xi’an (1667 Züge) und Chengdu (789 Züge). Alle Angaben beinhalten jedoch auch Züge mit der Destination Russland. Insgesamt waren 98 Prozent der transportierten Container beladen. Allein im Mai stieg die Anzahl der Züge im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent auf 1033 mit einer angegebenen Auslastung von 99,9 Prozent.

Dieser Trend setzte sich auch im Juni fort, weshalb es zu Engpässen an den chinesisch-kasachischen Grenzübergängen in Khorgos und Alashankou kam. Bestimmten Zügen wurden die Ladevorgänge an den beiden Terminals gemäß einer Eilmitteilung der chinesischen Eisenbahnbehörde sogar vorübergehend untersagt. Bei der weiteren Abwicklung sollen jedoch Züge, die im Bahnverkehr zwischen der Volksrepublik und Europa sowie Zentralasien pendeln, priorisiert werden. Die Staus und Verspätungen halten noch bis in den Juli an. Neue Slots werden daher durch die chinesische Trassenverwaltung zurzeit nicht vergeben und bestimmte Provinzhauptstädte wie Chengdu und Yiwu wurden angehalten, die Taktungen ihrer Bahnverbindungen zu verringern.

Auch an der chinesisch-mongolischen Grenze bei Erenhot kommt es derzeit zu Verspätungen, nachdem heftiger Regen an mehreren Stellen Gleise überflutet hatte.
 

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