30. März 201513:56Hinterland

Bundestagsabgeordnete informieren sich über die Dringlichkeit einer gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur für den Seehafenhinterlandverkehr

Mehr als 30 Verkehrsexperten des Deutschen Bundestages nutzten das 23. Hafenfrühstück in der Berliner Landesvertretung Hamburgs, um sich ausführlich über die Modernisierung und den Ausbau der Verkehrswege zu den deutschen Seehäfen auszutauschen. Für Ingo Egloff, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V. und einer der Gastgeber der Informationsveranstaltung, ist es von größter Bedeutung, dass die Bundestagsabgeordneten aus dem Binnenland erkennen, dass bei einem prognostizierten Wachstum im Güterverkehr der Erhalt und Ausbau der Verkehrswege zwischen den Seehäfen und dem Binnenland höchste Priorität im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) erhalten muss.

In seinem Vortrag ging Martin Huber, Leiter des Amtes Verkehr und Straßenwesen der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Hamburg, auf grundsätzliche Positionen und Anforderungen im Zusammenhang mit den von Hamburg angemeldeten Projekten für den Bundesverkehrswegeplan ein. Martin Huber betonte, dass alle Bundesländer von sicheren und verlässlichen Verkehrsverbindungen zu den deutschen und europäischen Seehäfen profitieren und Hamburg nur Vorhaben von nationaler und internationaler Bedeutung zum BVWP angemeldet hat. „Wir können vom Bund nicht die Lösung unserer lokalen Verkehrsprobleme erwarten. Aus diesem Grund setzen wir uns bei der Neugestaltung des BVWP dafür ein, die nationalen und internationalen Transportachsen zu stärken und auszubauen, die für alle den Zugang zu den Seehäfen schaffen“, erläuterte Huber. So sei die Verbesserung der Eisenbahnanbindung von großer Bedeutung für die Seehäfen und den gesamten norddeutschen Raum. Neben der notwendigen Kapazitätssteigerung im Knoten Hamburg, bedarf es einer raschen Klärung der Vorzugsvariante bei der Y-Trasse und dem Ausbau des Ostkorridors. „Es macht keinen Sinn, Jahrzehnte an der perfekten Lösung zu planen. Es sollten sich aber auch alle darüber im Klaren sein, dass mit dem Einbau von einigen zusätzlichen Weichen und der Anlage einiger Überholgleise die gewaltigen Zukunftsbedarfe nicht zu decken sind“, machte Huber deutlich. „Mit der Herstellung der festen Fehmarnbelt-Querung muss der Ausbau der Bahn zwischen Hamburg und Lübeck, inklusive der S-Bahn S 4, ebenso einhergehen, wie die Möglichkeit, Züge, die nicht Hamburg als Ziel haben, zur Entlastung der Streckenkapazität über Bad Kleinen abzufahren“, ergänzte Huber. Hamburg arbeite mit größter Intensität an der Planung und Realisierung der A 26, um den Verkehrswert möglichst weitgehend bis zum Olympiajahr 2024 herzustellen. Der Bund prüfe die Eignung des Projekts für seine neue Generation von ÖPP-Projekten. „Auch der Ausbau der hochbelasteten A 1 im Südosten Hamburgs muss in der kommenden BVWP Periode gelingen. Im Hamburger Raum sind A 20, A 21 und A 39 neben der Funktion als durchgehende Verkehrsachsen auch von elementarer Bedeutung für die Stärkung der norddeutschen Wirtschaftskraft“, führte Huber an.

Henning Finck, Bevollmächtigter beim Bund der Handelskammer Hamburg und Hafen Hamburg Marketing Repräsentant in Berlin, ging auf die Bedeutung der Binnenschifffahrt ein. "Gerade in Anbetracht der stetig anwachsenden Ladungsmengen muss die Mittel- und Oberelbe als Wasserstraße von strategischer Bedeutung in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. Derzeit ist die Mittel- und Oberelbe wegen der fehlenden Unterhaltungsmaßnahmen nur eingeschränkt schiffbar, weshalb es sinnfrei wäre, mit den jetzigen Transportmengen eine Aufnahme in den Rahmenplan ablehnen zu wollen. Unter der Voraussetzung, dass die Elbe zwischen Hamburg und Decin an mindestens 345 Tagen im Jahr eine Fahrrinne bei mittlerem Niedrigwasser von 1,60 m bietet, könnten Transporte zuverlässig planbar erfolgen und der Wasserweg würde sein gegenwärtiges Potenzial im Containertransport von 250.000 Standardcontainern per Binnenschiffstransport besser ausschöpfen", forderte Henning Finck.

Auch aus Sicht von Martin Huber und Ingo Egloff bietet die Elbe große Kapazitätsreserven für einen wachsenden Binnenschiffsverkehr. Beide betonten, dass von Hamburger Seite große Anstrengungen unternommen werden, um die Bedingungen für die Binnenschifffahrt zu verbessern. Man erhofft sich vom Bund einen weitsichtigen Ausbau dieser Bundeswasserstraße und des Schiffshebewerks in Scharnebeck. Alle anwesenden Vertreter der maritimen Verbände betonten in ihren Beiträgen, dass die ungehinderte Befahrbarkeit des Nord-Ostsee-Kanals rasch und dauerhaft gesichert werden muss und darüber sowohl mit Schleswig-Holstein als auch dem Bund Einvernehmen bestehe.

Die Informationsveranstaltung „Hafenfrühstück“ wird u.a. gemeinsam von Hafen Hamburg Marketing, der Vertretung der Handelskammer Hamburg in Berlin, dem Deutschen Seeverladerkomitee im Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen e.V. sowie dem Verband Deutscher Reeder veranstaltet. In regelmäßigen Abständen werden Bundestagsabgeordnete und Mitarbeitende der Bundesministerien dabei über aktuelle Entwicklungen im größten Deutschen Seehafen informiert.

 

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