17. Oktober 201616:51Schifffahrt

Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung veröffentlicht Untersuchungsbericht zur Havarie der „CSCL Indian Ocean“

Am vergangenen Freitag hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), Hamburg, den Untersuchungsbericht zu der Havarie des Großcontainerschiffs „CSCL Indian Ocean“ im Internet veröffentlicht.

Nach einem Ausfall der Ruderanlage hatte sich im Februar 2016 die „CSCL Indian Ocean“ bei Grünendeich festgefahren. In der Nacht zum 9. Februar gelang es nach fünf Tagen im dritten Freischleppversuch mit Hilfe von zwölf Schleppern, die „CSCL Indian Ocean“ zurück in die Fahrrinne zu ziehen.

Die Unfalluntersuchung des BSH brachte zutage, dass ein zusätzlich eingebautes Sicherheitssystem, die SAFEMATIC, so falsch installiert und verkabelt war, dass es bei Aktivierung die Ruderanlage blockierte. Das SAFEMATIC-System soll eigentlich nur im Fall eines Lecks in der Hydraulik aktiviert werden. Warum das Notsystem dennoch ausgelöst wurde, ist unklar. „Weder wurde ein dafür erforderlicher Ölverlust im Hydrauliksystem der Ruderanlage bemerkt noch konnte eine manuelle Fehlerbedienung nachgewiesen werden", so der Untersuchungsbericht. Es wurde keine andere Möglichkeit gefunden als die einer zufälligen Fehlfunktion.

Die Seeunfallexperten betonen in ihrem Bericht, dass die technischen Störungen nichts mit der Größe der „CSCL Indian Ocean“ zu tun gehabt haben. Diese Probleme könnten bei jedem Schiff auftreten. Zudem habe keine Umweltgefahr bestanden. Und auch die Fahrrinne wurde nicht blockiert, sodass für den Hamburger Hafen kein großer wirtschaftlicher Schaden entstand.

Die minimalen Auswirkungen sowohl hinsichtlich der Verkehrs- als auch der Umweltbeeinträchtigungen zeugen von der Wirksamkeit der Notfallkonzepte an Bord der Schiffe sowie von Land aus durch die Verkehrszentralen, bestätigt der Bericht. Bordseitig wurde insbesondere seitens der Elblotsen alles unternommen, um das Schiff soweit möglich noch kontrolliert in einem relativ ebenen Gewässerbettbereich festzusetzen und in eine Lage zu bringen, die den übrigen Verkehr möglichst nicht beeinträchtigt und gefährdet. Die Verkehrszentrale hat unverzüglich den umgebenden Schiffsverkehr durch entsprechende Warnungen, Hinweise und verkehrsregelnde Maßnahmen gesichert und die Sofortmaßnahmen zur Schadensminimierung eingeleitet.

Für den Fall, dass auch der dritte Freischleppversuch nicht erfolgreich gewesen wäre, hätten wohl Container gelöscht werden müssen, um den Tiefgang weiter zu verringern. Der Unfallbericht weist darauf hin, dass in diesem Fall zu bedenken ist, dass es in Europa bislang nur einen Schwimmkran gibt, der die erforderliche Arbeitshöhe erreicht, um Container aus überdurchschnittlicher Höhe zu löschen. Die Behörde empfiehlt deshalb dem Bundesverkehrsministerium, die bestehenden Fachkonzepte zur Havarie von Großcontainerschiffen ständig weiterzuentwickeln, insbesondere den Schwerpunkt: Löschen von Containern aus einer überdurchschnittlichen Höhe.

Lesen Sie den gesamten Untersuchungsbericht.
 

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