• 19. Januar 2017
  • 17:10
  • Schifffahrt

BSH legt Bilanz 2016 vor - Weitere Verbesserungen im Meeresumweltschutz

Die Vergabe des Neubaus des Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffes (VWFS) ATAIR, Meilensteine im internationalen Meeresumweltschutz und das Windenergie-auf-See-Gesetz beherrschten die Arbeit des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Jahr 2016.

Das neue VWFS ATAIR, das 2016 in Auftrag gegeben wurde, wird das weltweit erste seegängige Behördenschiff sein, für dessen Antrieb verflüssigtes Erdgas, sogenanntes LNG, verwendet wird. Das Schiff wird dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und die neuesten Entwicklungen bei Schiffen dieser Art berücksichtigen. „Damit sind wir Vorreiter bei der Verringerung von schädlichen Emissionen in der Schifffahrt“, freute sich die Präsidentin des BSH, Monika Breuch-Moritz, auf der Bilanzpressekonferenz der maritimen Behörde in Hamburg. „Das war mir eine Herzensangelegenheit! Dem Planungsteam von BAW und BSH – und nicht zuletzt den Unterstützern aus Ministerien und Politik – möchte ich herzlich danken.“

Mit reduzierten Lärmemissionen und Vibrationen ist die neue ATAIR ein hydroakustisch leises Schiff. Auch einen „Blauen Engel“ für besonders umweltfreundliches Schiffsdesign soll die ATAIR erhalten. Das Schiff wird 2020 in Dienst gestellt und als größtes Schiff der BSH-Flotte in Nord- und Ostsee sowie im Nordostatlantik unterwegs sein.

Die Ratifizierung des „Internationalen Übereinkommens zur Kontrolle und Behandlung von Ballastwasser und Sedimenten von Schiffen“ durch Finnland Anfang September 2016 und durch Panama im Oktober 2016 schuf die Voraussetzungen dafür, dass es am 8. September 2017 in Kraft treten kann. Dieses Übereinkommen muss überwacht werden. Dafür erwiesen sich indikative Analysesysteme, also Geräte, mit denen die Photosynthese-Aktivität von Organismen gemessen und direkt in Organismenzahlen umgerechnet wird, als vielversprechende Systeme, die einfach zu handhaben sind. Dies ergaben Tests von analytischen Methoden und Probenahmevorrichtungen für Ballastwasser im Schiffsbetrieb, die internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung des BSH durchführten.

Als „einen grandiosen Erfolg, den sich vor zehn Jahren noch niemand vorstellen konnte“ beschrieb die Präsidentin des BSH die Entscheidung der IMO, den weltweit zulässigen Grenzwert von Schwefel in Schiffsemissionen ab 1. Januar 2020 von 3,50 auf 0,50 Prozent zu senken. „Dazu beigetragen hat sicher auch das Projekt „MeSmarT“ zur Entwicklung von Methoden zur Messung der Schwefelemissionen von Schiffen im Elbe-Transit, das das BSH in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen durchführt“, sagte Breuch-Moritz. „Das Projekt belegt, dass Messmethoden zur Erfassung des Anteils von Schwefel in den Schiffsemissionen bereits zur Verfügung stehen“. Im Moment ist das BSH in Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten dabei, ein Netzwerk von Stationen zu etablieren sowie weitere Messmethoden zu überprüfen.

„Damit hat die IMO erneut bewiesen, dass sie Umweltschutz weltweit voranbringen kann“, betonte die Präsidentin, die seit 2016 auch als maritime Botschafterin der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO benannt ist.

Ein weiterer großer Erfolg der IMO ist die Ausweisung von Ostsee, Nordsee und Englischem Kanal als Emissionsüberwachungsgebiet für Stickoxide (NECA) ab 1. Januar 2021. Die Methoden zur Messung des Schwefels in Schiffsemissionen überträgt das BSH auf die Messungen von Stickoxiden.

In ihrer Rede ging die Präsidentin des BSH auch auf die zunehmende Digitalisierung in der Schifffahrt ein. Mit dem Anstoß der Entwicklung des automatischen Schiffsidentifikationssystems AIS und des elektronischen Kartendarstellungs- und Informationssystems ECDIS habe das BSH erste Grundlagen für die Digitalisierung auf den Schiffen gelegt. Seither habe sich viel getan. Hochaufgelöste digitale nautische Informationen wie die elektronischen Seekarten, die das BSH kontinuierlich ergänzt, tragen ebenso dazu bei wie digitale Spezialkarten für Lotsreviere, die das BSH 2016 entwickelt hat. Lotsen steht mit diesen Karten ein möglichst detailgetreues Bild des Profils des Meeresbodens zur Verfügung. Das Pilotprojekt in der Ostsee ist so weit fortgeschritten, dass die Karten kurz vor einem regulären Einsatz stehen. Zukünftig wird das BSH diesen Dienst entlang der gesamten deutschen Küste anbieten.

Vorgestellt wurden auch die Neuerungen, die das Windenergie–auf–See-Gesetz mit sich bringt, das seit 1. Januar 2017 in Kraft ist. Die Art der Förderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz ist umgestellt: Künftig erhält nur das Unternehmen im Rahmen einer Ausschreibung den Zuschlag für die Netzanbindung seines Windparks in der deutschen Nord- oder Ostsee, das die geringste staatliche Unterstützung veranschlagt. Die Ausschreibung wird durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) durchgeführt.

Neben der Genehmigung und Überwachung von Offshore-Windparks in der deutschen AWZ erhält das BSH zwei wesentliche neue Aufgaben. Zum einen erstellt das BSH einen Flächenentwicklungsplan für Nord- und Ostsee, der für den Zeitraum 2026 bis 2030 festlegt, wann welche Flächen untersucht und versteigert werden und wann die Inbetriebnahme des Windparks auf der ersteigerten Fläche und die Netzanbindung erfolgen soll. Zum anderen wird das BSH im Auftrag der BNetzA die Flächen, die für die Offshore-Windparks ausgeschrieben werden sollen, die ab 2026 in Betrieb gehen werden, durch Dienstleister voruntersuchen lassen. Die Unternehmen erhalten die Informationen zu Meeresumwelt, Baugrund, Auswirkungen auf die Schifffahrt und Wind- und ozeanographischen Verhältnissen, die sie für die Abgabe von Geboten in der Ausschreibung benötigen. „Wir nutzen dabei die hervorragenden Synergieeffekte, die das BSH mit seiner einzigartigen breiten inhaltlichen Aufstellung bietet und arbeiten eng mit weiteren Behörden zusammen“, betonte die BSH-Präsidentin.

Weitere Themen der Pressekonferenz waren die Erwärmung der Nordsee und die ersten Sturmfluten der neuen Saison.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist die zentrale maritime Behörde der Bundesrepublik Deutschland. Mit den Dienstsitzen in Hamburg und Rostock unterstützt die Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur als Partner für Seeschifffahrt, Umweltschutz und Meeresnutzung die maritime Wirtschaft, fördert die Sicherheit auf dem Meer sowie die nachhaltige Meeresnutzung, informiert über den Zustand von Nord- und Ostsee und stärkt über Monitorings den Umweltschutz.
 

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