24. Juni 201610:55Wirtschaft

Britischer EU-Austritt ist keine gute Wahl

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) nimmt das Ergebnis des EU-Referendums in Großbritannien mit Sorge zur Kenntnis. Die teilnehmenden britischen Bürger haben entschieden, dass ihr Land aus der Europäischen Union austreten soll. Das ist keine gute Wahl und eine schlechte Nachricht für Wirtschaft und Logistik in Deutschland und Europa. Die verbleibenden EU-Mitgliedstaaten sollten jetzt näher zusammen rücken und ihre Gemeinsamkeiten stärken.

Von der Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszutreten, wird auch die deutsche Wirtschaft betroffen sein. Zwar werden die Warenströme nach dem EU-Austritt zunächst weiterfließen wie bisher, da die Verträge zwischen Großbritannien und seinen Handelspartnern neu verhandelt werden müssen. Dafür ist ein Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen. Doch danach sind aus Sicht der BVL-Experten viele unterschiedliche Szenarien möglich. Die beiden Extreme: Im Falle einer ansonsten unveränderten EU, ist sogar mit deutlichem Wachstum des Wirtschaftsbereichs Logistik in Deutschland zu rechnen, da Logistikzentren aus dem Vereinigten Königreich zurück auf das Festland wandern würden. Denkbar ist aber auch ein weiteres Auseinanderfallen der Europäischen Union, wenn andere Länder dem Beispiel Großbritanniens folgen und eigene Referenden organisieren. „Das hätte Auswirkungen auf die Exportnation Deutschland“, sagt der BVL-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner. „Bestehende, aber auch bereits vorbereitete Verträge wären hinfällig, denn den zurzeit größten Binnenmarkt der Welt gäbe es nicht mehr.“ Aus Sicht der 10.000 BVL-Mitglieder ist dies kein erstrebenswerter Zustand.
Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner betont: „Die EU-Mitgliedschaft war und ist der richtige Weg. Die EU hat sich im Jahr 2015 mit 17 Prozent Anteil am globalen BIP zu einem der stärksten Wirtschaftsräume der Welt entwickelt – auf Augenhöhe mit den USA und mit China. 500 Millionen Menschen leben in der EU. Die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarktes hat die Handels- und Wirtschaftsaktivität erhöht und so für eine positive Entwicklung der Volkswirtschaften gesorgt. Dazu haben auch die Zahlungen beigetragen, die die EU an ihre Mitgliedstaaten leistet. Eine EU-Mitgliedschaft ist gut für die Wirtschaftskraft und fördert gleichzeitig die Volkswirtschaft und damit den Lebensstandard in den Mitgliedstaaten.

Zur Logistik sagt Klinker: „Die Logistik nimmt in Europa Spitzenplätze ein – auf Augenhöhe mit der Metallverarbeitung (1,2 Billionen Euro Jahresumsatz), der Lebensmittelwirtschaft (900 Milliarden Euro) und der Automobilindustrie (800 Milliarden Euro). Deutschland, BeNeLux und Frankreich haben Schlüsselpositionen in der Logistik in Europa, die skandinavischen Länder sind im Markt bestens positioniert und die logistischen Dienstleistungen in Polen sind exzellent. Diese Vorteile im weltweiten Wettbewerb sollten die Mitgliedsstaaten gemeinsam weiter ausbauen.“

Auch der Vorsitzende der BVL-Geschäftsführung, Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, betont die Bedeutung einer EU-Mitgliedschaft: „Die EU setzt auf international verbindliches Recht, Diplomatie, Multilateralismus und „sanfte“ Machtausübung. Das fördert den Frieden und sorgt auch für Verbindlichkeit und Rechtssicherheit im internationalen Handel – innerhalb der EU, aber auch mit anderen Wirtschaftsräumen wie den USA. Die vier ökonomischen Grundfreiheiten sorgen für unkomplizierte wirtschaftliche Beziehungen und damit für eine positive Wirtschaftsleistung in den Mitgliedsstaaten: Der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Allein der Logistik-Markt Europa umfasst rund 960 Milliarden Euro Umsatz. Daran hat Deutschland mit 25 Prozent einen hohen Anteil. Das liegt nicht nur an der geografischen Lage im Herzen Europas - Deutschland nimmt eine internationale Spitzenposition in Infrastrukturqualität und Logistiktechnologie ein.“ 
 
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