23. April 201509:07Hinterland

Bönen – ein Hub im Binnenland für den Hamburger Hafen

Auf großes Interesse ist die gemeinsam von Hafen Hamburg Marketing, Alcotrans Container Line und dem Logistikzentrum RuhrOst orgainisierte Veranstaltung „Bönen – der intermodale Logistik-Hub für Westfalen“ im westfälischen Bergkamen gestoßen. Rund 100 Gäste fanden sich Mitte April dazu im Restaurant Nauticus direkt am Yachthafen „Marina Rünthe“ ein, einem ehemaligen Kohlehafen am Datteln-Hamm-Kanal.

„Wir wollen die Zusammenarbeit mit Nordrhein-Westfalen, unserem zweitgrößten Kunden im Containerverkehr, verbessern und intensivieren“, begrüßte Axel Mattern, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing, die Gäste, darunter viele Kunden, Vertreter von Verbänden und Wirtschaftsorganisationen aus Westfalen. „Für Deutschlands größten Universalhafen Hamburg ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit seiner vom Außenhandel geprägten Wirtschaft von sehr großer Bedeutung. Von den jährlich über Hamburg abgefertigten 500.000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer) werden bisher nur 20 Prozent auf der Schiene transportiert. Im Bundesdurschnitt sind es 40 Prozent“, betonte Mattern. Ein Ausbau des Bahnanteils im Containertransport und eine stärkere Nutzung des Binnenschiffs zur Entlastung der Straße ist deshalb für Axel Mattern das Ziel. „Mit einem Ausbau der Containerzugverbindungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Hamburg wird noch mehr Transportkapazität für Export- und Importladung im Seehafen-Hinterlandverkehr auf die staufreie Schiene gebracht“, sagte Volker Hahn, der die kürzlich von Hafen Hamburg Marketing in Dortmund eröffnete Repräsentanz leitet. „Mit der Eröffnung unserer Repräsentanz in Nordrhein-Westfalen ist der richtige Schritt und ein deutliches Signal erfolgt. Der Hamburger Hafen möchte seine Präsenz in Nordrhein-Westfalen stärken und ausbauen. Den Import- und Exportunternehmen in Nordrhein-Westfalen bietet Hamburg beste Verkehrsanbindungen durch Liniendienste in alle Teile der Welt“, erläuterte Hahn, der den Hafenabend moderierte.

Bergkamen wurde nicht zufällig als Veranstaltungsort ausgewählt: Denn ganz in der Nähe liegt mit dem Logistikzentrum RuhrOst (LZR) in Bönen ein für die Nordseehäfen, neben den Terminals im Hafen Dortmund, zentraler Drehpunkt im Containerverkehr auf der Schiene. Das LZR Bönen, das von der Spedition Denninghaus, Alcotrans und den Kommunen Bönen und Unna gemeinsam betrieben wird, wurde von den Gästen vor Veranstaltungsbeginn am Nachmittag besucht.

Hans Peter Wieland, Geschäftsführer Alcotrans Container Line GmbH, ein Unternehmen der neska intermodal Gruppe, nutzte dann auch sein Grußwort, um auf die besondere Bedeutung des Hubs in Bönen im Netzwerk der neska intermodal hinzuweisen. Ein Transportsystem, das inzwischen die Seehäfen im Westen mit denen im Norden Deutschlands direkt über Schiene und Binnenschiff verbindet. Er kündigte an, dass mit dem geplanten OWX3 in Kürze ein weiteres Angebot auf die Schiene gestellt wird. OWX steht für die Güterzugverbindung Ostwestfalen-Express und gilt als Erfolgsgeschichte. Um die Region Ostwestfalen an die Westhäfen besser anzuschließen, wurde der OWX1 im Jahr 2007 mit damals noch drei Abfahrten in der Woche aus der Taufe gehoben. Er pendelt inzwischen sechsmal pro Woche zwischen dem Rhein-Ruhr Terminal der neska intermodal im Hafen Duisburg und Bönen. Von Duisburg aus geht es mit dem Binnenschiff zu den Westhäfen und zurück. Im vergangenen Jahr kam dann der OWX2 hinzu. Dieser Güterzug schließt die norddeutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven über Bönen mit Zwischenstopp in Minden an Duisburg bzw. die Westhäfen an. Inzwischen werden auf der Strecke drei Abfahrten in der Woche gezählt, wie Kevin Gründer, General Manager des Rhein-Ruhr Terminal sagte. „Wir wollen dieses Produkt weiter vorantreiben“, stellte er außerdem eine Erhöhung der Frequenz in Aussicht. Partner von neska intermodal sind dabei die Speditionen Denninghaus in Bönen und Bobe in Minden. Von Minden aus kann die Strecke nach Hamburg außerdem per Binnenschiff bedient werden. „Allein in Bönen stehen rund 35.000 qm Umschlagfläche und zwei Portalkrananlagen zur Verfügung“, sagte Tim Fickermann, Geschäftsführer des LZR Bönen und gleichzeitig Chef von Denninghaus Containerlogistik. An Güteraufkommen jedenfalls herrscht kein Mangel, wie Peter Abelmann, Cluster Manager des Logistik Cluster NRW versicherte: „Gerade Ost- und Südwestfalen hat sich in den letzten Jahren zu einer Boomregion im Land entwickelt.“

Dass der zusätzliche Güterverkehr auch bewältigt werden kann, dafür will der Hafen Hamburg verstärkt Sorge tragen: „Wir bereiten uns intensiv auf die wachsenden Güterströme in der Zukunft vor“, sagte Ingo Fehrs, der bei der Hamburg Port Authority für die Hafenentwicklung zuständig ist. Der Hafen Hamburg rechnet bis 2030 mit einer Verdopplung allein des Containervolumens auf über 18 Mio. TEU. Insbesondere der Modal Split, also die Verteilung des Güterverkehrs auf die Verkehrsträger LKW, Bahn und Binnenschiff, müsse sich dafür aber noch ändern und das Verkehrsmanagement insgesamt optimiert werden, meinte Fehrs. Insbesondere der Anteil des Binnenschiffs soll deutlich steigen, die Abfertigung verbessert werden. „Ein Anteil von zwei Prozent in der Containerabfertigung ist sicherlich zu wenig“, so Fehrs. Das Schienennetz im Hafen soll außerdem ausgebaut werden, um mehr Umfuhren im Hafengebiet selbst zu ermöglichen. Als Stichwort nannte er auch das Projekt „smartPort“. Der LKW-Verkehr soll besser gesteuert und zusätzlicher Parkraum geschaffen werden. Auch beim Ausbau des Straßennetzes über das Hafengebiet hinaus gebe es Fortschritte, sagte Fehrs. Große Hoffnung setzt Hamburg übrigens dabei auf die Bewerbung für die Olympiade im Jahr 2024. Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung bestand noch reichlich Gelegenheit für Gespräche am Buffet und auf der Terrasse des Hotels mit Blick auf die Marina.