• 27. März 2018
  • 09:50
  • Hinterland

„Bedeutung als internationale Wasserstraße muss überwiegen“ – Initiative Kiel-Canal demonstriert gegen Streik an den Kanalschleusen

Gemeinsam mit Lotsen, Kanalsteurern, Schiffsmaklern und Schiffsausrüstern hat die Initiative Kiel-Canal e.V. ihren Protest gegen den von der Gewerkschaft ver.di ausgerufenen Streik an den Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals ausgedrückt. Bereits am vergangenen Dienstag, 20. März, hatten die Beteiligten mit einer Gegendemonstration auf die Streikmaßnahmen an der weltweit meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße reagiert, da sie nachhaltige Schäden für die von ihr abhängigen Häfen, der Schifffahrt sowie für Unternehmen in ganz Deutschland befürchten.

„Der Kanal ist eine international bedeutsame Wasserstraße ist, die mit 30.000 Einheiten pro Jahr mehr Schiffe passieren als den Panama- und den Suezkanal zusammen“, betont Jens B. Knudsen, Vorsitzender der Initiative Kiel-Canal und geschäftsführender Gesellschafter des maritimen Dienstleisters Sartori und Berger. „Als solche ist sie fest in globale Transportwege eingebunden, weshalb jede Störung im Ausland sehr sensibel wahrgenommen wird. Bei allem Verständnis für die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie muss in diesem speziellen Fall die überragende Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals als internationale Wasserstraße für die deutschen Seehäfen sowie die gesamte exportierende Wirtschaft überwiegen. Schließlich ist es auch undenkbar, dass die bundesdeutschen Autobahnen aufgrund von streikmaßnahmen im öffentlichen Dienst blockiert würden.“ 
Ähnlich sieht es auch Jann Petersen, stellvertretender Vorsitzender der Initiative Kiel-Canal und Geschäftsführer der United Kiel Agency GmbH: „Ein innerdeutscher Tarifstreik darf nicht auf dem Rücken der vorwiegend ausländischen Kundschaft des Nord-Ostsee-Kanals ausgetragen werden. Der NOK befindet sich seit Jahren in einem desolaten Zustand, darauf kann und muss die ver.di Rücksicht nehmen.“ Alle beteiligten Partner aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik hätten in den letzten Monaten viel Zeit und Mühe aufgewendet, um die Attraktivität des Kanals wieder zu steigern. Diese Arbeit dürfe durch einen Streik nicht zunichtegemacht werden. „Die ohnehin anhaltende
Unzuverlässigkeit des Kanals – bedingt durch Instandhaltung, Reparatur und nachhaltigen Ausbau – wird durch die Streikmaßnahmen weiter verstärkt“, ist sich auch Frank Engellandt, Geschäftsführer des Kieler Schiffsausrüsters HMS Hanseatic Marine Services GmbH & Co. KG sicher. „Zudem bringt der Streik auch für uns als Unternehmen spürbare Folgen mit sich. Die Routen der Schiffe werden kurzfristig und häufig auch nachhaltig durch die Reeder verändert. Die Folge sind Stornierungen von Bestellungen, überwiegend fertiggestellte Aufträge und Bestellungen müssen aufgelöst und sensible Produkte wie Obst, Gemüse oder Frischfleisch vernichtet werden. Für uns bedeutet das einen erhöhten Arbeitsaufwand bei erheblichen wirtschaftlichen Schäden.“ 

Kapitän Michael Hartmann, erster Vorsitzender des nautischen Vereins Brunsbüttel, betont: „Wieder einmal wird durch einen nationalen Streik die internationale Schifffahrt ausgesperrt – mit der Folge, dass auch Tage danach die Warenströme zwischen West- und Osteuropa ökonomisch wie ökologisch unnötige Umwege nehmen müssen. Der Nord-Ostsee-Kanal kriecht seit Jahren an der Grenze seiner technischen Betriebsfähigkeit und Verlässlichkeit dahin. Die Schleusenanlagen zu bestreiken, erscheint vor diesem Hintergrund mehr als unsensibel.“ Als "kontraproduktiv“ bezeichnet Stefan Borowski, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II, den Streik: „Die Streikmaßnahmen, die eigentlich dazu dienen, die Arbeitsbedingungen der im öffentlichen Dienst Beschäftigten zu verbessern, gefährden die mindestens 3.000 direkt oder indirekt vom Kanal abhängigen Arbeitsplätze. Das widerspricht den Grundsätzen der Gewerkschaftsarbeit.“

Auch die Bundeslotsenkammer unterstützt diese Sichtweise. „Die nationalen Arbeitnehmerinteressen, auch im öffentlichen Dienst, sind eine innere Angelegenheit der Republik und ihrer Tarifpartner. Einem Schiffsbetreiber, der deutsche Küstengewässer passiert, zu erklären, warum durch einen Streik die Leichtigkeit und damit auch die Sicherheit des Schiffsverkehrs belastet wird, ist nicht möglich. Als Seemann und Seelotse kann ich diesen Streik nicht hinnehmen“, so Kapitän Hans-Herrmann Lückert, Vorsitzender der Kammer. Kapitän Matthias Probst, Ältermann der Lotsenbrüderschaft Nord-Ostsee-Kanal I, fügt hinzu: „In der Erwartung sanierter, zuverlässiger Schleusen, einer ausgebauten Oststrecke sowie einer fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel werden die Fortschritte am Kanal beobachtet und die Einschränkungen hingenommen, weil wir alle dasselbe Ziel haben. Mit wenigen Ausnahmen sind die zusätzlichen Belastungen im NOK vor Ankunft bekannt und werden bei der Reiseplanung berücksichtigt. Ein Streik, der unangekündigt den Verkehr im NOK komplett anhält, ist inakzeptabel.“

Zusätzlich zu der Demonstration in Kiel am 20. März hatten die Initiative Kiel-Canal e.V., die Bundeslotsenkammer, der Verein der Kanalsteurer e.V. sowie der Zentralverband deutscher Schiffsmakler e.V. bereits in einem Schreiben an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ihren Unmut über die Streikmaßnahmen am Nord-Ostsee-Kanal geäußert.

Pressekontakt

Jens B. Knudsen
Initiative Kiel-Canal e.V. / Vorsitzender
Tel. 0431-9810
E-Mail: j.knudsen@sartori-berger.de

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