• 28. Mai 2020
  • 10:45
  • Wirtschaft

Aktueller Lagebericht der Hafen Hamburg Marketing Repräsentanz in Polen

Polens Wirtschaftsergebnisse waren im vergangenen Monat nicht zufriedenstellend: Dem Hauptamt für Statistik zufolge war die industrielle Produktion im April 2020 um knapp 25 Prozent niedriger als im April 2019. Als Folge davon sind auch die Ladungsumschlagmengen in den polnischen Häfen zurückgegangen. Am stärksten betroffen sind zwei Industriebranchen: Automotiv und Möbel, also vor allem Export, aber auch Handel und insbesondere Mode-Industrie, das heißt Import.

Die Automotive Industrie hat die Produktion Ende April teilweise wieder aufgenommen, allerdings im begrenzten Ausmaß: Nur VW stellt fertige Fahrzeuge her, wobei andere Fabriken noch stillstehen. Der Betrieb von FCA in Tychy (Fiat Chrysler Automotive) soll die Produktion ab 1. Juni starten, wobei Groupe PSA (Betrieb in Gliwice) sich noch weigert. Die Nachfrage ist sehr schwach, so wurden in Polen im April 66 Prozent weniger Pkw und kleine Lieferwagen (bis 3,5 Tonnen) sowie 37 Prozent weniger Lkw registriert. Deshalb lässt auch VW ihre Fließbänder sich langsam bei etwa 20 Prozent der Kapazität rollen. Den Meldungen zufolge werden einige Mitarbeiter entlassen werden: etwa 450 bei VW. Man schätze, so Maciej Brzozowski, Leiter der Hafen Hamburg Marketing Repräsentanz in Warschau, dass sich die Exporte von Neufahrzeuge und Komponenten im Jahr 2020 um ein Drittel verringere. 2019 belief sich der Export von Polens Automotive Industrie auf 27,85 Milliarden Euro (ca. 45 Prozent davon Komponenten).

Der Containerumschlag in den polnischen Seehäfen hat sich in den letzten Wochen stabilisiert. In Gdansk rechnet man im April und Mai mit zweistelligen Verlusten von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, aber dies ist eine deutliche Verbesserung nach dem katastrophalen März mit einem Minus von 30 Prozent. In Gdynia, dem zweitwichtigsten Containerhafen Polens, war der Containerumschlagrückgang im März noch kaum zu spüren, aber im April und auch im Mai dieses Jahres muss man mit einer tiefen Delle von 15 bis 20 Prozent rechnen. Dies liegt an dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Short-Sea-Shipping-Verkehren in Gdynia; die intraeuropäischen Seeverkehre sind dagegen besonders stark von COVID-19 betroffen. Man hofft aber, dass eine Minderung der Restriktionen in europäischen Ländern – auch in Polen – im Mai eine Verbesserung in der Transportbranche inklusive der Seeverkehrsbranche bringen wird.

Sehr positive Meldungen kommen aus dem Hafen Szczecin, wo der Containerumschlag in den ersten vier Monaten dieses Jahres um knapp 30 Prozent zugelegt hat, wenn auch auf einem relativ niedrigen Niveau.

Im Bahnkorridor entlang der Neuen Seidenstraße ist aber schon jetzt die Stimmung sehr optimistisch. Mehrere Bahnoperateure melden deutliche Verbesserungen der Lage im April und Mai nach dem schwachen 1. Quartal 2020. So informiert Metrans, die Container aus China via Polen weiter nach Hamburg und Tschechien transportieren, dass im April ein Rekordergebnis auf dieser Strecke verzeichnet wurde. Auch andere Quellen berichten, dass die Bahnverkehre mit China sich auf Hochtouren entwickeln. Die Firma Langowski Logistics, die stark an LCL-Bahnverkehre nach/aus China beteiligt ist, hat im April 2020 doppelt so viele Sendungen wie im April 2019 bearbeitet und im Zeitraum Januar bis April etwa 25 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Firma Cargotor zufolge, der Tochtergesellschaft für Infrastrukturverwaltung der polnischen Staatsbahn (PKP), haben im April dieses Jahres 379 Züge (250 davon Containerzüge) den Grenzübergang in Kobylany (Malaszewicze) überquert. Im April 2019 waren es 335 Züge (25.000 Waggons).

Pressekontakt

  • Etta Weiner

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