Fokus Indien

Fokus Indien

Vom 6. bis zum 12. November 2017 findet die India Week zum siebten Mal in Hamburg statt, die verschiedenste Angebote zu den Themen Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Wissenschaft und Sport bietet. Mit der India Week zieht nicht nur die bunte und vielfältige Kultur Indiens in Hamburg ein. Auch die starke wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Indien und Hamburg soll unterstrichen werden. Vor diesem Hintergrund hat Hafen Hamburg Marketing Informationen über Indiens Wirtschaft, den Transportsektor und die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Indien zusammengestellt.
 

 


Indien auf Wachstumskurs

Indien hat sich in den vergangenen Jahren, seit der Amtsübernahme von Premierminister Narendra Modi, wirtschaftlich stark entwickelt. Mit einem erneuten Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent im Fiskaljahr 2016/17 zählt Indien heute zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Zwischen 2013 und 2017 hat die indische Rupie rund 25 Prozent an Wert gewonnen. Außerdem wurde im Juli dieses Jahres mit der Einführung der Goods and Services Tax (GST) ein wichtiger Schritt in Richtung eines einheitlichen indienweiten Binnenmarktes gemacht. Gleichzeitig steigt die Einwohnerzahl des Landes stetig, und es wird davon ausgegangen, dass Indien Mitte des Jahrhunderts das bevölkerungsreichste Land der Erde sein wird.
 

Der indische Außenhandel ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gewachsen. Zwischen 2000 und 2016 haben sich die indischen Exporte fast verdreifacht. Zwar hat sich der indische Außenhandel zuletzt rückläufig entwickelt, jedoch gibt es deutliche Anzeichen für eine Erholung der indischen Exportwirtschaft. Seit September des vergangenen Jahres ist das Exportvolumen wieder deutlich angestiegen und hat im März 2017 ein 6-Jahres-Hoch erreicht.

Ein wichtiger Punkt in der wirtschaftlichen Entwicklung ist die zunehmende Öffnung Indiens gegenüber dem Ausland. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem ausländische Direktinvestitionen zugelassen beziehungsweise die Obergrenzen für ausländische Beteiligungen abgeschafft. So erreichten ausländische Direktinvestitionen im Fiskaljahr 2015/2016 eine Rekordhöhe von 40 Mrd. USD. Zu den Sektoren mit den höchsten Auslandsinvestitionen gehört die Transportindustrie.

Die indische Regierung hat in den vergangenen Jahren viele Wirtschafts- und Entwicklungsinitiativen ins Leben gerufen. So soll beispielsweise die „Clean India Initiative“ dem Land zu mehr Nachhaltigkeit und Sauberkeit verhelfen. Ein anderes Beispiel ist die „Smart Cities Mission“, die die Digitalisierung im Land durch die digitale Vernetzung von 100 Großstädten vorantreiben soll. Eine Initiative, in deren Rahmen auch die Hafen Hamburg-Repräsentanz in Indien regelmäßig involviert ist, heißt „Make in India“. Sie hat das Ziel, die Attraktivität Indiens für ausländische Investoren zu stärken und auch Investitionen für die maritime Infrastruktur zu generieren.

 

Entwicklungen im Transportsektor

Indiens Infrastruktur weist gravierende Mängel auf, und so sind im Transportsektor erhebliche Investitionen nötig und geplant. Zurzeit wird das Transportwesen von öffentlichen beziehungsweise halböffentlichen Unternehmen dominiert, jedoch findet eine langsame, aber kontinuierliche Privatisierung statt. Seit einigen Jahren wird vor allem in die Erweiterung und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur investiert. Indiens Transport ist hauptsächlich auf die Straße ausgerichtet. Durch den Ausbau des Schienennetzes und der Binnenschifffahrt sollen die Straßen entlastet und Engpässe im Hinterlandverkehr beseitigt werden.

Die Wachstumsaussichten für Indien sind gut, die Wirtschaft expandiert und auch der Containerumschlag wächst kontinuierlich – durchschnittlich acht Prozent pro Jahr. Um die positiven Wachstumsprognosen auch tatsächlich abrufen zu können, ist es dringend erforderlich die vorhandenen Defizite im Infrastrukturbereich zu beheben.

Konkrete Investitionen in die maritime Infrastruktur sind Teil der „Make in India“- Initiative. Das „Sagarmala“-Investitionsprogramm als Teil der Initiative sieht in den kommenden vier Jahren vor, 53 Häfen zu erneuern, 83 besser anzubinden und 29 Projekte zur Industrialisierung durch Hafenentwicklung anzustoßen. Für dieses Vorhaben ist ein Gesamtinvestitionsvolumen von 15 Mrd. USD angelegt. Im Zuge der „Green Port Initiative“ wird angestrebt, in Zukunft zwölf bedeutende Häfen Indiens mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Unter anderem verfolgt die indische Regierung hier das Ziel, das erste Land zu sein, in dem alle Schiffswerften mit Energie aus Solar- und Windinstallationen betrieben werden. Dafür sind bis zur geplanten Vollendung im Jahr 2019 104 Mio. USD vorgesehen.
 

Containerhäfen Indiens

Zu den wichtigsten und größten Containerhäfen des Landes lassen sich vier Häfen zählen.

Der Jawaharlal Nehru Port (Nhava Sheva) an der Westküste ist aktuell der größte und einer der modernsten Häfen Indiens. Im Fiskaljahr 15/16 erreichte der Hafen mit seinen fünf Containerterminals ein Gesamtumschlagvolumen von 4,6 Mio. TEU. Eines davon ist das APM Terminal Mumbai – Indiens größtes Containerterminal in Bezug auf Umschlag und Kapazität.

Der Mundra Port, der am Nordufer des Golfs von Kachchh in Gujarat liegt und als wirtschaftliches Tor zum indischen Norden gilt, ist der größte private Hafen des Landes. Der Gesamtumschlag im Fiskaljahr 15/16 lag bei 3 Mio. TEU. Im April 2017 wurde ein weiteres Containerterminal eröffnet, dies soll Mundra Port mit einer Gesamtkapazität von 5,5 Mio. TEU zum größten Hafen Indiens machen.

Der bedeutende Chennai Port an der Ostküste Indiens wird bis auf das dortige Containerterminal vom staatlichen Chennai Port Trust betrieben. Das private Containerterminal zählt laut Lloyd´s List zu den Top 100 Containerhäfen der Welt. Ein zweites Terminal wurde errichtet, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, und ein drittes Terminal, mit einem Volumen von 5 Mio. TEU, ist bereits in Planung.

Der Pipavav Port liegt nahe der wichtigen Handelsroute für Frachtschiffe in den fernen Osten, den Mittleren Osten, die USA und nach Afrika und Europa. Der Hafen war der erste Hafen Indiens im privaten Sektor und wird von der A.P. Moller-Maersk Group geführt. Im vergangenen Fiskaljahr wurde hier vor allem in die Infrastruktur, den Ausbau von bestehenden Strukturen sowie in die Erweiterung der Kapazitäten investiert. Dies hat zu einer deutlich besseren Effizienz und Produktivität geführt.

 

Handelsbeziehungen Indien – Hamburg

Hamburg und Indien verbindet eine lange Partnerschaft, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Schnell an Bedeutung gewann vor allem der Schiffsverkehr, schon im Jahre 1888 wurde die Hamburg-Kalkutta-Linie gegründet. Heute ist Indien auf dem zehnten Platz der Top 10 Handelspartner der Hansestadt, und der Hamburger Hafen wird für indische Waren als Tor zu Europa gesehen. In Hamburg leben derzeit mehr als 3.000 indische Staatsbürger. In der Metropolregion haben über 40 indische Firmen einen Standort, und mehr als 100 Hamburger Firmen haben Büros und/oder Produktionsstätten in Indien.

In 2016 lag der Seegüterumschlag zwischen Hamburg und Indien bei etwa 3 Mio. Tonnen, das ist knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr. Im Containerumschlag wurden vergangenes Jahr 245.000 TEU zwischen Hamburg und Indien bewegt, ein Plus von ebenfalls einem Prozent.
 

Liniendienste

Im Indienverkehr wird Hamburg derzeit von drei wöchentlichen Vollcontainer-Liniendiensten angelaufen. Ein Liniendienst wird zusammen von Hapag-Lloyd, Hamburg Süd und CMA CGM, einer zusammen von MSC und SCI und einer von CMA CGM (ANL) und Hapag-Lloyd angeboten.

Doch auch im Stückgutbereich ist Hamburg ein wichtiger Umschlagplatz im Indienverkehr. Aktuell verbinden sechs Stückgut-, Schwergut- und RoRo-Liniendienste die beiden Länder. Diese werden von Chipolbrok, Rickmers-Linie, Höegh, MOL RoRo, NYK RoRo und SAL angeboten. 
 
Maschinen und Ausrüstungen, Metalle und Metallerzeugnisse, chemische Erzeugnisse sowie Textilien und Bekleidung zählen zu den meist transportierten Gütern zwischen den Häfen in Indien und dem Universalhafen Hamburg. Die Bedeutung Indiens für Hamburg wird noch verstärkt, wenn neben den direkten Indien-Verkehren auch die indischen Importe und Exporte berücksichtigt werden, die als Transitladung über Sri Lanka oder arabische Häfen, wie Dubai, geroutet werden. 
 

Hafen Hamburg-Repräsentanz Mumbai

Die Hansestadt Hamburg ist seit 2011 durch eine eigene Hamburg-Repräsentanz in Mumbai vertreten. Geführt wird diese durch den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, die Handelskammer, die Hamburger Wirtschaftsförderung und Hafen Hamburg Marketing.

In der Repräsentanz werden sehr gute Kontakte in die Transportbranche, zu Verladern, Spediteuren, Reedereiagenturen, Operateuren und Eisenbahnverkehrsunternehmen gepflegt sowie zu Verbänden, Institutionen und Fachmedien aus der maritimen Wirtschaft. Die Repräsentanz betreut Mitgliedsunternehmen, die sich für den indischen Markt interessieren, schafft Netzwerke, organisiert und unterstützt Veranstaltungen und informiert in Indien über aktuelle Entwicklungen in Deutschlands größtem Universalhafen.

 

Hafen Hamburg-Repräsentanz in Mumbai

 

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