Effizienter und umweltschonender Gütertransport auf der Schiene

Der Erfolg eines Universalhafens beruht auf vielen Faktoren. Einer davon ist die Qualität der Hinterlandverbindungen. Ab Entfernungen von 300 Kilometern aufwärts kommen die Systemvorteile des Verkehrsträgers Eisenbahn auf vielen Relationen gegenüber dem Lkw und Binnenschiff besonders zum Tragen: Schnelligkeit, Fähigkeit zum kompakten Großmengentransport, Preiswürdigkeit, Zuverlässigkeit und Umweltfreundlichkeit. Nur ein einziger Güterzug kann rund 50 Lkw-Transporte ersetzen.
Aufseiten der Industrie und des Handels sind Transporte, die geringere Umweltbelastungen verursachen, gefragt. Der Hamburger Hafen setzt seit Beginn des Eisenbahnzeitalters auf die Schiene und bietet über das Gleisnetz der bereits 1866 gegründeten Hafenbahn Zugang zu allen Terminals und Industriebetrieben im Hafen. Mit einem Transportaufkommen von von knapp 46 Millionen Tonnen, darunter 2,3 Millionen TEU, ist die Hafenbahn unter den europäischen Häfen an führender Stelle. Das Schienennetz innerhalb des Hamburger Hafens wird auf öffentlichen Flächen von der Hafenbahn betrieben. Sie gehört zur Hamburg Port Authority (HPA). Das Gleisnetz der Hafenbahn umfasst rund 300 Kilometer, in das 850 Weichen integriert sind. Hinzu kommen 130 Gleisanschlüsse mit 160 Kilometer Gleisen, die sich im Eigentum von Industrie-, Umschlag- und Logistikunternehmen befinden. Der Hamburger Hafen ist für den Schienengüterverkehr in Deutschland von sehr großer Bedeutung. Gut zwölf Prozent des nationalen Schienengüterverkehrs haben den Hafen in Hamburg als Quelle oder Ziel. Zwei Zahlen stellen diese Leistung eindrucksvoll heraus: Werktäglich erreichen oder verlassen rund 200 Güterzüge den Hafen. Massengüter, Container und andere Stückgüter werden auf der Schiene transportiert. Zum Eisenbahnalltag im Hafen gehören z.B. Ganzzüge mit bis zu 6.600 Tonnen Eisenerz für die Stahlwerke in Salzgitter und Eisenhüttenstadt und mit Kalisalz beladene Züge aus dem Raum Werratal für den Kalikai der K+S AG. Das sind pro Tag insgesamt rund 5.000 Güterwagen, die auf dem Schienennetz der Hafenbahn rollen. Der größte Anbieter von Gütertransportleistungen auf der Schiene ist DB Schenker Rail. Neben DB Schenker Rail verkehren inzwischen mehr als 100 zugelassene Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) auf dem Hafenbahnnetz. Sie bieten ein engmaschiges Netz an Wagenladungsverkehren, Shuttle- und Ganzzugverbindungen in den gesamten europäischen Raum an. Zu den bedeutendsten Destinationen im Ausland gehören die Containerzugverbindungen zwischen dem Hamburger Hafen und Tschechien, Österreich, Polen und der Schweiz. Die vom Transportvolumen her wichtigsten Bundesländer im deutschen Seehafen-Hinterlandverkehr per Bahn sind Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Bahnhof Bahnhof "Alte Süderelbe"
 

Bahnanschlüsse an allen Hamburger Terminals

Um den reibungslosen Schienenverkehr sicherzustellen, verfügen alle Container-, Multipurpose- und Massengutterminals über moderne und leistungsstarke Bahnanlagen. Container-Ganzzüge können beispielsweise ohne vorherigen Rangiervorgang direkt in die Containerterminals hineinfahren. Die Bahnanlagen sind mit ganzzuglangen Gleisen von 700 Meter Gesamtlänge ausgestattet. Moderne Portalkrantechnik erlaubt das schnelle Be- und Entladen der Züge. Dabei werden die Containertransportdaten durch IT-Systeme erfasst und kontrolliert. Die Umschlagmengen auf den Containerterminals spiegeln den Erfolg des größten europäischen Eisenbahnhafens wider. So wurden beispielsweise auf dem Bahnhof des HHLA Container Terminal Altenwerder 2014 insgesamt 785.000 TEU umgeschlagen. Er ist damit der größte deutsche Container- Bahnterminal. Mit erheblichem Aufwand wurde in den zurückliegenden Jahren auch der Containerbahnhof auf dem Burchardkai, dem größten Containerterminal im Hamburger Hafen, ausgebaut. Hier wurden im letzten Jahr 629.000 TEU abgefertigt. Das ist ein Wachstum von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Neue Brücken entkoppeln Schienenund Straßenverkehre

Damit der Bahn- und Straßenverkehr im Hafen noch besser rollen kann, berücksichtigt die HPA bei Brückenneubauten eine konsequente Trennung der Verkehrsströme und Verkehrsträger. Ein beispielhaftes Bauvorhaben ist die neue Retheklappbrücke. Sie ersetzt die 1934 in Betrieb genommene Rethehubbrücke. 2016 wird das neue Bauwerk in Betrieb gehen. Dann stehen für den Straßen- und Bahnverkehr getrennte Strecken zur Verfügung. Die alte Hubbrücke wird anschließend nicht mehr benötigt und abgetragen. Ein weiteres Beispiel für die Trennung von Schienen- und Straßenverkehr ist die 1973 in Betrieb genommene Kattwyk-Hubbrücke. Sie ist Deutschlands größte Hubbrücke für den Straßen- und Schienenverkehr. Parallel zu der rund 290 Meter langen und 90 Meter hohen Brücke entsteht bis Ende des Jahrzehnts eine neue, zweite Brücke. Sie wird dann ausschließlich dem Bahnverkehr vorbehalten sein. 

Wichtiges Gateway für internationale Schienentransporte

Das Terminal Hamburg-Billwerder, das insbesondere für die Verknüpfung von Lkw und Bahn und damit in erster Linie für den sogenannten kontinentalen Kombinierten Verkehr (KV) Straße/Schiene bekannt ist, führt nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage mehr und mehr vielfältige andere Funktionen aus. So ist es nicht nur Ausgangs- und Zielpunkt nationaler und internationaler Shuttlezüge, sondern auch wichtiges Gatewayterminal Schiene/Schiene für langlaufende internationale Transporte. Über sogenannte Kurzshuttlezüge bindet Hamburg-Billwerder des Weiteren täglich die Ostseehäfen Kiel, Lübeck und Rostock an das europäische KV-Netzwerk an. Zudem fungiert das Binnenterminal für den einen oder anderen maritimen Container aus dem Hamburger Hafen als zusätzliche Drehscheibe, um von Hamburg aus ins Hinterland zu gelangen. Ab Billwerder erreichbar: Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Baltikum, Niederlande, Belgien, Spanien, Portugal, Schweiz, Österreich, Italien, Slowenien, Tschechien, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Serbien, Mazedonien, Türkei, Griechenland, China. 
 

Wie werden Bahntransporte im Hamburger Hafen gesteuert?

Zur Abwicklung von Bahntransporten im Hamburger Hafen brauchen Ladestellen und Eisenbahnverkehrsunternehmen einen Zugang zu transPORT rail, dem Verkehrsmanagementsystem der Hafenbahn. Es ist die Schnittstelle für den Güter- und Datentransport. Den Zugang können Nutzer entweder per Schnittstelle oder über das Internet (Web-Client) erhalten.
Über transPORT rail können die Nutzer:
  • Zugfahrten anzeigen lassen
  • Wagenreihungen vormelden
  • Gleisbelegungen prüfen
  • Transportaufträge anlegen
  • Wagenziele festlegen
  • Ladung und/oder Wagen disponieren
  • Fahrzeugstandorte nachverfolgen
  • Gefahrgutdaten übermitteln (GEGIS)
  • Stammdaten pflegen
  • Benutzereinstellungen vornehmen
Zur Nutzung von transPORT rail schließen die Eisenbahnverkehrsunternehmen mit der Hamburg Port Authority einen Vertrag ab, der auch die Entgeltregelung beinhaltet. Die Bearbeitung ihrer Transportdaten können sie mit einer entsprechenden Vollmacht auch an ihre Operateure oder Dienstleister übertragen.
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