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 kommen 20 weitere Nearshore-Entwicklerinnen und -Entwickler, die ihren Arbeitsplatz in Europa oder an- grenzenden Ländern haben. Damit ist die Berufsgrup- pe der IT bei Eurogate stark vertreten. Denn der Ter- minalbetreiber hat sich bewusst dafür entschieden, einen Großteil der Softwareentwicklung im Unterneh- men abzubilden und die Fäden für die IT-Infrastruktur sowie IT-Architektur selbst in den Händen zu halten. Letzteres ist von großer Bedeutung, da Eurogate als wichtige Drehscheibe für Container im Hamburger Hafen zu der kritischen Infrastruktur gehört und damit auch gesetzlich verpflichtet ist, besondere Sicher- heitsmaßnahmen zu ergreifen.
Ebenso gute Gründe sprechen dafür, die Software- Entwicklung in Eigenregie zu übernehmen. „Es gibt kaum Standardsoftware am Markt, die auf die Bedürf- nisse für uns als Terminalbetreiber mit all unseren Dienstleistungen zugeschnitten ist“, erklärt Jandt und beobachtet, dass „die Anzahl der relevanten IT-Tech- nologieunternehmen sinkt, wodurch die Gefahr steigt, sich in Abhängigkeiten zu begeben und austauschbar zu werden.“ Zusätzlich verteuere sich die Software durch den Trend, diese zu leasen, zusehends.
Blickt Jandt zurück auf seine Zeit im Hafen, kann er resümieren, dass sich der Stellenwert für die IT-Beru- fe gewandelt hat: „Die IT hat sich entwickelt – von ei- nem Kostentreiber, der Hardware und Infrastruktur zur Verfügung stellt, hin zu einem Bereich, der Mehr- werte für das Unternehmen generiert. Mit unseren Lösungen tragen wir mittelbar dazu bei, neue Ge- schäfte oder ganze Geschäftsfelder zu ermöglichen.“ Ein Fokus des IT-Teams liegt Jandt zufolge darauf, aus dem teuren Equipment wie Van Carriern und Containerbrücken, die rund um die Uhr betrieben werden, mehr herauszuholen sowie Prozesse zu op- timieren. Beispielsweise arbeitet eines seiner Pro- jektteams aktuell daran, die Einfahrt am Gate für die Trucker zu digitalisieren und damit zu vereinfachen. Bei etwa 3.000 bis 3.500 Containern, die täglich al- lein am Hamburger Eurogate-Terminal abgefertigt werden, ist das Gate ein echtes Nadelöhr. „Mit einer digitalen Truckerkarte, einer integrierten Anmeldung und einem automatisierten Check-in über ein OCR- System wollen wir den Verkehrsfluss weiter verbes- sern“, präzisiert Jandt. Doch nicht nur an den Ter- minals in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bre- merhaven und Wilhelmshaven ist seine IT-Crew un- terwegs.
„GO LIVE“ VON AUSLANDSTERMINALS MITERLEBEN
Die Expertise des IT-Teams ist auch im Ausland ge- fragt. Jandt ist immer mit von der Partie, wenn ein Ter-
minal von Eurogate außerhalb Deutschlands auf- oder umgebaut wird. Nach Tanger in Marokko begleitet er das aktuelle im Bau befindliche Terminal in Damietta in Ägypten mit 20
IT-Mitarbeiterin-
nen und Mitar-
beitern. Zum ers-
ten Mal war er
vor fünf Jahren
dort, als das Ter-
minalprojekt am Anfang stand. Jandt umreißt: „Für die IT sind wir der Generalunternehmer. Diesen Be- reich müssen wir schlüsselfertig abgeben – vom Ka- bel bis zur Software.“ Ein besonderes Highlight für alle Involvierten ist es, den „Go Live“ mitzuerleben. „Nach zwei bis drei Jahren Vorarbeit können wir vor Ort sehen, was wir umgesetzt haben“, berichtet Jandt und konkretisiert: „Der Go Live dauert etwa drei bis vier Wochen. Es ist ein Stück harte Arbeit, bis alles funktioniert. Doch am Ende der erfolgrei- chen Inbetriebnahme ist man mit den Mitarbeiterin- nen und Mitarbeitern vor Ort ein Stück zusammen- gewachsen und sie winken einem schon morgens aus ihren Fahrzeugen zu.“
Die interessante Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz in Deutschland zu haben und dabei im Ausland unter- wegs zu sein, zieht insbesondere junge Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer an. Eurogate setzt auf ein intensiviertes Engagement im Bereich Ausbildung und duales Studium und hat gerade die zu besetzenden Stellen von sechs auf zehn erhöht. „Bewerbungsge- spräche führen wir bewusst vor Ort im Hafen, damit der direkte Bezug zur Terminaltätigkeit wahrnehmbar ist“, sagt Jandt. Viel Luft nach oben sieht Jandt noch für Frauen in IT-Berufen. Bei Eurogate liege die Frauen- quote seit sieben Jahren stabil bei 15 Prozent und da- mit über dem Durchschnitt im klassischen IT-Fachum- feld (5 Prozent).
Personell werde die IT-Abteilung in den kommen- den Jahren weiterwachsen, ist sich Jandt sicher. Denn je höher der Automatisierungsgrad der Termi- nals sei, desto mehr gewännen IT und damit ver- bunden IT-Spezialisten an Bedeutung. Cloudifizie- rung und Cybersecurity rückten stärker in den Mittelpunkt. Außerdem kämen neue Berufsbilder hinzu, ausgelöst durch die Trends generative KI, neuronale Netze und Large Language Modells. Ge- fragt seien Data Scientisten und Data Analysten. Jandt ist es wichtig, am Ball zu bleiben: „Wir inves- tieren in diese Technologien und personelles Know- how. Denn die Vernetzung hin zu geschlossenen autonomen Systemen wird weiter ins Zentrum rücken.“
PORT OF HAMBURG MAGAZINE 1/24 DEIN HAFEN DEIN JOB
SEITE 31
   Patrik Jandt
Head of IT der deutschen Eurogate-Gruppe
© Eurogate
 














































































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