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DEIN HAFEN DEIN JOB PORT OF HAMBURG MAGAZINE 1/24
Weil Superheldin kein Beruf ist
Susanne Marth brennt für maritime Themen und den Meeresumweltschutz. Sie arbeitet deshalb bei der Wasserschutzpolizei.
VON NICOLE DE JONG
Schon als Grundschülerin hatte Susanne Marth kurzzei- tig den Wunsch, Polizistin zu werden, als sie unter Auf- sicht eines Polizisten ihre Fahrradprüfung ablegte. „Aber ich habe den Gedanken schnell wieder verworfen“, erin- nert sich die Polizeioberkommissarin aus dem Fachstab der Wasserschutzpolizei (WSP) in Hamburg heute. Dass sie doch einmal dort landen würde – wenn auch nicht auf direktem Weg –, ahnte sie als junges Mädchen nicht. Nach dem Abitur stand für sie schnell fest, dass sie Schiffsmechanikerin werden wollte. Auf die Ausbildung folgte ein Nautikstudium und sie erwarb das große nau- tische und das kleine technische Patent. „Anschließend bin ich fünf Jahre als nautische Wachoffizierin zur See gefahren“, erzählt sie.
Inzwischen arbeitet die 37-Jährige bereits seit sechsein- halb Jahren bei der Wasserschutzpolizei. „Für viele ist es ein Kindheitstraum, zur Polizei zu gehen, andere Kolle- ginnen und Kollegen entscheiden sich – wie ich – erst mit Mitte, Ende 20 dafür.“ Und das ist auch problemlos möglich, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Doch warum hat Marth die Seefahrt aufgegeben? „Es war ei- ne aufregende Zeit, aber die Einsatzzeiten waren lang. Ich war jeweils vier Monate auf See und dann zwei Mo- nate zu Hause“, erzählt sie. Irgendwann habe sie ge- merkt, dass sie den Anschluss an den Alltag von Familie und Freunden verlor. „Ich hatte das Gefühl, überall an Land nur Gast zu sein.“
Nachdem sie mehr als zehn Jahre lang zur See gefahren war, fiel es ihr zunehmend schwer, wieder an Bord zu müssen, und sie suchte nach einer beruflichen Alternati- ve. Es sollte ein Beruf sein, den sie lokal ausüben konn- te, der aber dennoch einen maritimen Bezug hatte.
Schließlich war ihre Leidenschaft für die See- und Schiff- fahrt sowie Meeresthemen keineswegs erloschen. „Gleichzeitig war ich es gewohnt, körperlich aktiv und viel draußen zu sein und es mit vielen Menschen unter- schiedlicher Herkunft und Sozialisierung zu tun zu ha- ben“, beschreibt sie ihr bisheriges Berufsleben. Das Pen- dant an Land könnte die WSP sein, befand sie schließlich, denn die Tätigkeit dort ist nicht nur mit Schreibtischar- beit verbunden, auch wenn Marth aktuell im Innen- dienst tätig ist.
„Die Arbeit findet im Hafen statt, wo meine Seefahrt be- gonnen hat“, sagt sie. Sie könne sich weiterhin mit mari- timen Themen beschäftigen. Hinzu kam, dass die WSP sehr stark im Bereich Meeresumweltschutz aktiv ist. Das hat sie schließlich vollends überzeugt, sozusagen die Seiten zu wechseln – vom Schiff in die Kontrollins- tanz. Es ist ihr ein großes Anliegen, dass die Regeln, die es zum Schutz der Meere gibt, auch eingehalten wer- den.
2017 begann Marth das dreijährige Studi- um bei der Polizei – Laufbahnabschnitt 2, also gehobener Dienst. „Danach war ich, wie es vorgese- hen ist, zunächst 16 Monate beim Fortbil- dungs- und Einsatz- zug, wo ich wasser- schutzpolizeiliche Kenntnisse erlangte
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Polizeioberkommissarin Susanne Marth
 



















































































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